Sehenswürdigkeit der Region Woiwodschaft Łódź

Die Moniuszki-Straße in Łódź — die einstige Meyer-Passage

Dreihundert Meter Neorenaissance-Villen zwischen der Piotrkowska und der Sienkiewicza, in den 1880er Jahren als Privatstraße des Fabrikanten Ludwik Meyer gebaut. Hier brannte 1887 das erste elektrische Licht der Stadt.

fot. HuBar, CC BY-SA 2.5 · Wikimedia Commons

Eine Straße, gebaut auf ein Gerücht

Anfang der 1880er Jahre hielt sich in Łódź das Gerücht, die Stadt werde Piotrków als Gouvernementshauptstadt ablösen. Der Fabrikant Ludwik Meyer nahm es ernst und ließ eine ganze Straße mit Wohnungen für die erwarteten zarischen Beamten bauen. Der Magistrat genehmigte den Plan im Mai 1885. Die Hauptstadtwürde kam nie, die Straße blieb.

Es war wohl die zweite Privatstraße der Stadt — die erste, die Solna, war 1863 genehmigt worden. Für Kutschen war die Durchfahrt zeitweise beschränkt, Fußgänger kamen ungehindert durch. Bis 1915 hieß sie Meyer-Passage, danach eine Zeit lang „Meyers Zeile”; den Namen des Komponisten Stanisław Moniuszko trägt sie seit 1919, unterbrochen von der Besatzungszeit, als die deutschen Behörden sie in Dietrich-Eckart-Straße umbenannten.

Meyer übergab die Straße 1905 oder 1906 unentgeltlich der Stadt. Vor 1937 wurde sie an die Kanalisation angeschlossen und erstmals asphaltiert; davor lag Holzpflaster auf der Fahrbahn und Sandstein auf den Gehwegen.

Das erste elektrische Licht

Anfang 1887 war die Passage die erste Straße in Łódź mit elektrischer Beleuchtung. Den Strom lieferte ein Dynamo im Keller von Hausnummer 3, und beleuchtet wurden nicht nur die Fahrbahn, sondern auch die einzelnen Häuser und Gärten. Die Villen hatten von Anfang an Gas sowie Wasser- und Abwasserleitungen — in einer Fabrikstadt ohne allgemeine Wasserversorgung ein Vorrecht weniger.

Der Eindruck blieb nicht unbemerkt: Mitte 1895 nannte die in Piotrków erscheinende Wochenschrift „Tydzień” die Passage die schönste Straße von Łódź. Hier wohnten Stadtpräsident Władysław Pieńkowski, die Fabrikanten Jarociński, der Rechtsanwalt Henryk Elzenberg und der Fotograf Bronisław Wilkoszewski, dessen Aufnahmen heute die wichtigste Bildquelle zum alten Łódź sind. Meyer selbst bewohnte bis 1901 die Nummer 4.

Haus für Haus

  • Nummer 4 — Meyers Villa von 1887, heute ein Postamt
  • Nummer 4a — das YMCA-Gebäude von 1932 bis 1935 nach einem Entwurf von Wiesław Lisowski, von 1952 bis 1993 Jugendpalast
  • Nummer 5 — die Villa „Trianon” von 1887, Wohnhaus des Stadtpräsidenten und Atelier Wilkoszewskis, seit 2022 die Bibliothek Mediateka MeMo
  • Nummern 6 und 8 — zwei verbundene Villen Meyers; vor dem Krieg saß hier die Asow-Don-Bank, in der der Vater des Dichters Julian Tuwim arbeitete
  • Nummer 7/9 — eine weitere Villa Meyers; von 1888 bis 1892 Redaktion und Druckerei des „Dziennik Łódzki”
  • Nummer 10 — Eckhaus zur Sienkiewicza, ab 1886 Post- und Telegrafenstation
  • Nummer 2 — im Erdgeschoss lag von 1948 bis 1975 das berühmte Café „Honoratka”

Ein Architekt, ein Bauherr

Die Villen gelten als Werk von Hilary Majewski, dem Stadtbaumeister von Łódź, auf den ein großer Teil der repräsentativen Bebauung des späten 19. Jahrhunderts zurückgeht. Der Stil ist Neorenaissance: ruhige Fassaden, Bossenwerk im Erdgeschoss, Gesimse und Fensterrahmungen nach italienischen Vorbildern.

Dadurch wirkt die Straße ungewöhnlich einheitlich — in Łódź eine Seltenheit, denn die Fabrikantenfamilien bauten ihre Residenzen sonst jede nach eigenem Geschmack. Hier kommt der gleichmäßige Rhythmus daher, dass ein Bauherr und ein Planer alles in wenigen Jahren errichteten.

Denkmalschutz und Wiederbelebung

Das städtebauliche Ensemble und einzelne Gebäude wurden am 20. Januar 1971 in das Denkmalregister eingetragen, die Straße selbst unter der Nummer A/49. Die Villen 6 und 8 schützt ein eigener Eintrag.

Zusätzlich liegt der Straßenzug im Gebiet des Geschichtsdenkmals „Łódź — multikulturelle Landschaft einer Industriestadt” vom 16. Februar 2015. Dessen Achse bildet die Piotrkowska zusammen mit den Ensembles des Freiheitsplatzes und eben der Moniuszki.

2014 beschloss die Stadt, die Straße in einen Woonerf umzubauen — eine Mischverkehrsfläche, auf der Fußgänger Vorrang haben — und die Häuser 3 und 5 zu einer Multimedia-Bibliothek umzubauen. Der Termin verschob sich mehrfach; die ersten Leser kamen 2022 in die Mediateka. Die Fassaden dienten außerdem 2012, 2014, 2015 und 2016 als Projektionsflächen des Light Move Festival.

Anfahrt

  • Zu Fuß — die Straße zweigt von der Piotrkowska ab, der Hauptachse der Innenstadt
  • Tram und Bus — Haltestellen an der Piotrkowska und der Sienkiewicza; durch die Moniuszki selbst fährt keine Linie
  • Bahn — vom Bahnhof Łódź Fabryczna eine Viertelstunde zu Fuß nach Westen
  • In der Nähe — Freiheitsplatz, Piotrkowska und das Poznański-Palais liegen im Umkreis eines kurzen Spaziergangs

Praktische Hinweise

Für den Weg von einem Ende zum anderen genügt eine Viertelstunde, doch ein Blick in die Höfe und auf die Gartenseiten lohnt sich: die Passage war als Hausgruppe im Grünen geplant, und das ist noch zu erkennen. Am besten wirkt sie am späten Nachmittag, wenn das Licht auf die Nordseite fällt.

Die Innenräume gehören heute meist Institutionen und Büros, besichtigt wird also von außen. Frei zugänglich ist allein die Bibliothek in der Villa „Trianon”; alles andere liest man vom Bürgersteig aus.

Anreise und praktische Infos

Lage
Innenstadt von Łódź, von der Piotrkowska bis zur Sienkiewicza
Länge
etwa dreihundert Meter
Früherer Name
Meyer-Passage, nach dem Fabrikanten Ludwik Meyer; heutiger Name seit 1919
Entstehung
Plan im Mai 1885 genehmigt, die Villen von 1887
Sehenswert
Meyers Neorenaissance-Villen, das YMCA-Gebäude der 1930er Jahre, die Villa „Trianon” mit der Bibliothek Mediateka MeMo
Besonderheit
erste Straße in Łódź mit elektrischer Beleuchtung, ab Anfang 1887
Schutzstatus
Denkmalregister, Einträge vom 20. Januar 1971 (die Straße unter A/49); im Gebiet des Geschichtsdenkmals „Łódź — multikulturelle Landschaft einer Industriestadt” vom 16. Februar 2015
Dauer
eine Viertelstunde für den Durchgang, eine Stunde mit Höfen
Aktuelle Öffnung und Tickets
die Straße ist frei zugänglich; über Denkmalschutz und Besichtigung informiert das städtische Portal des Stadtarchitekten
Mapa: Google Maps · 51.7682, 19.4589

Wann am besten

Frühling

Die Bäume in den einstigen Vorgärten treiben erst aus, die Fassadendetails sind daher gut zu sehen.

Sommer

Am belebtesten, weil die Straße direkt an der Piotrkowska liegt; in den Außenbereichen der Lokale sitzt man bis in den Abend.

Herbst

Gute Zeit für Fotos: tiefes Licht betont Bossenwerk und Gesimse, und es hängt noch genug Laub in den Höfen.

Winter

Ohne Blätter zeigt sich der ganze Rhythmus der Bebauung. Dann verbindet man den Spaziergang am besten mit der Bibliothek.

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Entfernungen in Luftlinie ab „Moniuszki-Straße" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.

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