Ein Achteck am Reißbrett
Der Platz entstand 1823 als Markt der Nowe Miasto, einer staatlich geplanten Tuchmachersiedlung, die Weber in das damals noch unbedeutende Städtchen ziehen sollte. Viele dieser Weber kamen aus Schlesien, Sachsen und Böhmen — die deutschsprachige Zuwanderung prägte Łódź über das ganze 19. Jahrhundert hinweg.
Die Planer gaben dem Markt die Form eines regelmäßigen Achtecks und führten von ihm aus eine Straße nach Süden: die heutige Piotrkowska. Der Platz ist damit bis heute der Nullpunkt der Stadt, denn die Hausnummerierung der Innenstadt orientiert sich an ihm. Nach Norden führt die Nowomiejska, nach Westen die Legionów, nach Osten die Pomorska.
Die Namen wechselten mit der Geschichte: aus dem Neustädter Markt wurde 1918 der Platz der Freiheit, während der Besatzung hieß er Freiheitsplatz und ab 1940 Deutschlandplatz. Nach 1945 kehrte die Stadt zum Namen von 1918 zurück.
Rathaus und Kirche als Paar geplant
Das 1827 vollendete Rathaus von Bonifacy Witkowski gilt als ältestes und wertvollstes klassizistisches Bauwerk der Stadt und war eines der ersten gemauerten Häuser von Łódź. Die Turmuhr kam 1834 hinzu, Umbauten folgten 1888 und 1915. Seit 1927 beherbergt das Gebäude das Staatsarchiv, es wird also von außen betrachtet.
Gegenüber steht die 1826–1828 ebenfalls von Witkowski errichtete Kirche, ursprünglich die evangelische Dreifaltigkeitskirche der deutschen Weber. Ihr heutiges Aussehen stammt aus dem Umbau von 1889–1891 nach Plänen von Otto Gehlig und Hilary Majewski: ein eklektischer Bau über griechischem Kreuz, mit Kuppel, vier Ecktürmchen und rundbogigen Fenstern. Seit 1945 ist sie katholisch und trägt das Patrozinium der Herabkunft des Heiligen Geistes; 1989 kaufte die Pfarrei sie von der Evangelisch-Augsburgischen Kirche. Die Fassade wurde zwischen 2016 und 2019 saniert und erhielt ihren ursprünglichen orangen Farbton zurück.
Ein Denkmal, zweimal aufgestellt
In der Mitte des Achtecks steht das Denkmal für Tadeusz Kościuszko, enthüllt am 14. Dezember 1930 nach einem Entwurf von Mieczysław Lubelski. Die Figur misst rund vier Meter, der Sockel mit Bronzereliefs dreizehn.
Die deutsche Besatzungsverwaltung ließ das Denkmal 1939 abtragen; ein Augenzeuge datiert den Beginn der Arbeiten auf den 11. November. Die Rekonstruktion schuf derselbe Bildhauer, unterstützt von Antoni Biłas sowie Elwira und Jerzy Mazurczyk; sie wurde am 21. Juli 1960 in der Vorkriegsform enthüllt. Wer den Platz besucht, sieht also eine Kopie — aber eine von der Hand des ursprünglichen Künstlers.
Der Platz nach dem Umbau
Die Straßenbahn erreichte den Platz 1898 und umrundete das Denkmal jahrzehntelang in einem Kreisverkehr. Beim Umbau zwischen 2022 und März 2024 wurde der Gleisverkehr an die Nordseite verlegt, der Kreisverkehr verschwand, und es wurden Bäume gepflanzt.
Für Besucher bedeutet das: Man gelangt von der Piotrkowska aus zu Fuß zum Denkmal, ohne Gleise zu überqueren, und der Platz lässt sich erstmals seit langem als zusammenhängender Raum wahrnehmen.
Anreise und Praktisches
- Zu Fuß — vom Hauptbahnhof Łódź Fabryczna etwa zwanzig Minuten, oder einfach die Piotrkowska bis zu ihrem nördlichen Ende entlang.
- Straßenbahn — mehrere Innenstadtlinien halten unmittelbar am Platz, an seiner Nordseite.
- Bahn — von Warschau aus bestehen schnelle Direktverbindungen nach Łódź Fabryczna, von Berlin aus mit Umstieg in Poznań oder Warszawa.
- Auto — Innenstadtlage mit Parkraumbewirtschaftung; bequemer ist es, am Rand des Zentrums zu parken und die Straßenbahn zu nehmen.
Was sich lohnt
Am Platz liegt das Archäologische und Ethnographische Museum, dessen Wurzeln bis zum 1918 gegründeten Stadtmuseum reichen und das seit 1956 in seiner heutigen Form besteht. Es sammelt Archäologie, Volkskunde, Münzen und Theaterpuppen. Das Hauptgebäude wird derzeit modernisiert, der Umfang der zugänglichen Ausstellungen kann also eingeschränkt sein.
Der Platz gehört zusammen mit der Piotrkowska zum 2015 ausgewiesenen Geschichtsdenkmal „Łódź — multikulturelle Landschaft einer Industriestadt“. Wer mehr von dieser Stadt sehen will, folgt der Piotrkowska nach Süden in die Fabrikantenviertel: Łódź erzählt seine Geschichte nicht in einer Altstadt, sondern entlang dieser Achse.
Anreise und praktische Infos
- Lage
- Stadtzentrum von Łódź, nördliches Ende der Piotrkowska, Kreuzung von Nowomiejska, Legionów und Pomorska
- Grundriss
- regelmäßiges Achteck, 1823 als Neustädter Markt angelegt; Bezugspunkt der Hausnummerierung in Łódź
- Rathaus
- 1827, Entwurf Bonifacy Witkowski, Klassizismus; seit 1927 Sitz des Staatsarchivs
- Kirche
- 1826–1828 als evangelische Dreifaltigkeitskirche, Umbau 1889–1891; seit 1945 katholische Heilig-Geist-Kirche
- Kościuszko-Denkmal
- enthüllt am 14. Dezember 1930, Entwurf Mieczysław Lubelski, rund 17 Meter; 1939 zerstört, Rekonstruktion am 21. Juli 1960 enthüllt
- Denkmalschutz
- Denkmalregister Nr. A/25 vom 20. Januar 1971; Teil des Geschichtsdenkmals „Łódź — multikulturelle Landschaft einer Industriestadt“ von 2015
- Letzter Umbau
- 2022 bis März 2024: Straßenbahn an die Nordseite verlegt, Kreisverkehr aufgehoben, neue Bäume
- Zeitbedarf
- eine halbe Stunde für den Platz, zwei Stunden mit Museum und Bummel über die Piotrkowska
- Aktuelle Öffnungszeiten und Eintritt
- Archäologisches und Ethnographisches Museum am Platz
Wann am besten
Die beim Umbau gepflanzten Bäume treiben aus, der Platz wird zum Sitzen angenehm. Gute Zeit für einen Bummel über die Piotrkowska, bevor es voll wird.
Hochsaison mit vielen Veranstaltungen in der Umgebung. Das Achteck liegt offen in der Sonne, bei Hitze bietet das Kircheninnere Kühlung.
Das beste Licht für die orange Fassade der Kirche und den hellen Putz des Rathauses. Früh einsetzende Dämmerung zeigt die beleuchteten Bauten besonders gut.
Windig, dafür leer: Die Geometrie des Achtecks ist dann am deutlichsten zu erkennen. Im Dezember gibt es weihnachtliche Beleuchtung.
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Entfernungen in Luftlinie ab „Plac Wolności (Freiheitsplatz) in Łódź" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.
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