Eine rheinische Gründung in Großpolen
Die Überlieferung nennt 1145 als Gründungsjahr, zunächst wohl als Wirtschaftshof der Abtei Łekno; selbständig wurde das Kloster um 1175. Um 1193 holte Herzog Mieszko III. der Alte Mönche aus der Abtei Altenberg bei Köln hierher — Ląd blieb eine von sieben Tochtergründungen Altenbergs, und der Konvent war über Jahrhunderte deutschsprachig.
Der Besitz wuchs beträchtlich: um 1300 gehörten dem Kloster dreißig Dörfer, um 1500 zweiundfünfzig Dörfer und drei Städtchen. 1331 verwüsteten Truppen des Deutschen Ordens die Güter.
Die personelle Wende kam im 16. Jahrhundert. 1511 öffnete ein Beschluss des Sejm das Kloster für Polen, ab 1538 durfte nur noch ein Pole adliger Herkunft Abt werden; ein Teil der Mönche zog daraufhin nach Heinrichau in Schlesien.
Bellotti, Ferrari und eine Kuppel über der Warthe
Den barocken Umbau begann 1651 Abt Jan Zapolski mit dem Architekten Tomasz Poncino; nach Streit und Prozess entschied er sich 1679 für einen vollständigen Neubau nach Plänen des königlichen Architekten Giuseppe Simone Bellotti. Chor und Querhaus standen 1687, die Gewölbe erhielten italienischen Stuck.
Vollendet wurde die Kirche von Pompeo Ferrari, dem bedeutendsten Spätbarockarchitekten Großpolens, der den Ostteil zwischen 1728 und 1737 abschloss. Seine Kuppel ist achtunddreißig Meter hoch und verrät die Abtei schon von weitem in der flachen Flusslandschaft.
Die Ausstattung entstand vor allem unter Abt Mikołaj Antoni Łukomski (im Amt 1697 bis 1750): Fresken von Adam Swach 1712, der Hochaltar 1721 aus der Werkstatt von Ernst Broger aus Glogau, die Kuppelmalereien 1733 von Georg Wilhelm Neunhertz und eine Orgel mit zweiundzwanzig Registern, 1734 vom Zisterzienser Josef Koegler gebaut. Die Weihe erfolgte 1743.
Das Wertvollste liegt im Kreuzgang
Der Barock hat das mittelalterliche Kloster überformt, aber nicht beseitigt. Die gotischen Backsteinbauten wurden um 1350 erweitert, und von ihnen sind die Kreuzgänge erhalten — der älteste Teil der Anlage.
An sie schließt das Oratorium des heiligen Jakobus an, dessen Wandmalereien um 1370 entstanden und als einer der wertvollsten Bestände gotischer Wandmalerei in Polen gelten. Eine der Szenen zeigt die Klostergründung, die Malerei ist damit auch eine historische Quelle.
Aus der Zeit um 1720 stammt der barocke Abtssaal mit Malereien Adam Swachs. Der eigene Abtspalast, den Ferrari in den 1730er Jahren baute, wurde um die Jahrhundertwende abgerissen und fehlt heute im Bild der Anlage.
Aufhebung, Kapuziner, Salesianer
1796 zog die preußische Verwaltung den größten Teil des Besitzes ein, 1819 hob die russische Teilungsmacht die Abtei auf; die letzten Mönche blieben bis 1848. 1822 kaufte Wacław Gutakowski die Güter, 1850 kamen Kapuziner, deren Kloster die zaristischen Behörden 1864 schlossen.
1921 übernahmen die Salesianer Kirche und Kloster. Während der deutschen Besatzung bestand hier von 1939 bis 1941 ein Lager für Geistliche; viele der Inhaftierten starben später in Dachau. Seit 1952 ist in Ląd das Höhere Priesterseminar der Salesianer untergebracht. Am 1. Juli 2009 wurde die Anlage zum nationalen Geschichtsdenkmal erklärt.
Anreise und praktische Hinweise
- Mit dem Auto — Ląd liegt in der Gemeinde Lądek zwischen Słupca und Zagórowo; die Zufahrt führt über Słupca und weiter auf Landstraßen.
- Mit der Bahn — nächste reguläre Station ist Słupca an der Strecke Posen–Warschau, danach braucht man Bus oder Auto.
- Zugang — die Anlage ist kein Museum, sondern Sitz einer Ordensgemeinschaft und eines Seminars; Kreuzgang und Oratorium sind nur mit Einverständnis der Hausherren zu sehen, am besten fragt man an der Pforte.
- Zeitbedarf — eine halbe Stunde für die Kirche, mit Kreuzgang und Abtssaal etwa zwei Stunden; einmal im Jahr findet hier ein mehrtägiges Festival slawischer und zisterziensischer Kultur statt.
Anreise und praktische Infos
- Lage
- Ląd an der Warthe, Gemeinde Lądek, Kreis Słupca, Woiwodschaft Großpolen
- Gründung
- der Überlieferung nach 1145, zunächst als Hof der Abtei Łekno; selbständig um 1175, Mönche aus Altenberg bei Köln um 1193
- Kirche
- Mariä und St. Nikolaus; Neubau ab 1679 nach Plänen von Giuseppe Simone Bellotti, Ostteil und Kuppel von Pompeo Ferrari 1728–1737, Weihe 1743
- Höhe der Kuppel
- achtunddreißig Meter
- Wichtigstes Kunstwerk
- Wandmalereien des Jakobus-Oratoriums um 1370, einer der wertvollsten Bestände gotischer Wandmalerei in Polen
- Schutzstatus
- nationales Geschichtsdenkmal (Pomnik historii) seit dem 1. Juli 2009
- Heutige Nutzung
- seit 1921 Salesianer, seit 1952 Höheres Priesterseminar der Salesianer
- Zeitbedarf
- eine halbe Stunde für die Kirche, etwa zwei Stunden mit Kreuzgang und Abtssaal
- Aktuelle Öffnungszeiten und Tickets
- über den Zugang zu Kreuzgang und Oratorium entscheiden die Hausherren; Hinweise gibt die Seite des Höheren Salesianer-Priesterseminars in Ląd
Wann am besten
Das Warthetal ist jetzt am lebendigsten, Vogelzug im Landschaftspark; die Kuppel ist über den noch niedrigen Feldern weit zu sehen.
Die beste Zeit für die Innenräume, weil das Tageslicht die Kuppelmalereien erreicht. In der ersten Sommerhälfte gibt es historische Veranstaltungen.
Wenige Besucher und gute Bedingungen, um die gotische Malerei in Ruhe zu betrachten. Die Wiesen an der Warthe sind oft feucht.
Die Anlage wirkt durch Masse und Stille; der Zugang zum Kreuzgang ist eingeschränkt, das Leben spielt sich in Kirche und Seminar ab.
Weitere Sehenswürdigkeiten in der Woiwodschaft Großpolen
Entfernungen in Luftlinie ab „Kloster Ląd an der Warthe" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.
Übernachten in der Nähe
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