Dominsel: wo der polnische Staat anfing
Ostrów Tumski, die Dominsel, ist die letzte erhaltene Warthe-Insel im Stadtgebiet; westlich fließt der Hauptarm, östlich die schmale Cybina. Im 10. Jahrhundert stand hier eine Piastenburg. In ihrem westlichen Teil, auf etwa 80 mal 100 Metern, lag die Fürstenresidenz: ein zweigeschossiges steinernes Palatium mit angeschlossener Kapelle, die man Dobrawa, der Frau Mieszkos I., zuschreibt.
Diese Reste fanden Archäologen unter der heutigen Marienkirche; die Ausgrabungen leitete ab 1999 Hanna Kóčka-Krenz. 2020 stieß man zusätzlich auf einen Wall aus der Zeit Mieszkos I. von über vierzig Metern Breite. Teile der Befestigung sind im archäologischen Reservat Genius loci zu sehen.
Dom, Goldene Kapelle, Lubrański-Akademie
Die Erzkathedrale St. Peter und Paul gehört zu den ältesten Kirchen Polens. Bis 1945 war sie barock mit klassizistischer Fassade; bei den Kämpfen im Februar 1945 brannte sie aus und wurde anschließend in gotischen Formen wiederaufgebaut. In den Krypten liegen vorromanische und romanische Reste, um das Schiff ziehen sich zwölf Kapellen. Die bekannteste ist die Goldene Kapelle, gestiftet in den 1830er Jahren von Edward Raczyński. Begraben ist hier König Przemysł II.; die Überlieferung nennt auch Mieszko I. und Bolesław den Tapferen, was in der Forschung bestritten wird.
Daneben steht die gotische Marienkirche aus dem 15. Jahrhundert, der besterhaltene gotische Bau der Stadt, errichtet genau über dem früheren Palatium. Die Lubrański-Akademie, 1518 von Bischof Jan Lubrański gegründet und bis 1530 erbaut, war die erste Hochschule Posens; 1780 geschlossen, beherbergt sie seit 2007 das Erzdiözesanmuseum. Die Geschichte der Insel erzählt außerdem das Besucherzentrum Brama Poznania, eröffnet am 30. April 2014 im Stadtteil Śródka und über einen Steg mit der Insel verbunden.
Der Alte Markt und sein Rathaus
Die linksufrige Stadt wurde um 1253 angelegt, als die Fürstenresidenz das Flussufer wechselte. Der Markt erhielt eine Seitenlänge von 141 Metern, in seiner Mitte entstand ein Baublock von 74 mal 76 Metern. Nach Fläche folgt der Alte Markt in Polen gleich hinter Krakau und Breslau. Im Winter 1945 wurden rund sechzig Prozent der Randbebauung zerstört; von hundert Hausnummern blieben etwa zwanzig weitgehend erhalten. Der Wiederaufbau dauerte bis 1965, als das endgültige Pflaster verlegt wurde.
Das Rathaus erscheint 1313 erstmals in den Quellen. Von 1550 bis 1560 baute es Giovanni Battista di Quadro aus Lugano um und gab ihm Attika und dreigeschossige Loggia. Schon 1551 kam die Uhr mit zwei mechanischen Ziegenböcken hinzu, die bis heute jeden Mittag mit den Hörnern gegeneinander stoßen — das Wahrzeichen der Stadt. Die Große Diele bewahrt ihr Segelgewölbe mit der Jahreszahl 1555. Ein Blitz zerstörte 1675 den Turm; der Neubau von 1690 erreichte neunzig Meter, den klassizistischen Helm entwarf 1781–1784 Bonawentura Solari. 1945 stürzte der Turm bis auf den gotischen Sockel ein. Seit dem 22. Juli 1954 ist im Haus das Museum der Stadtgeschichte untergebracht.
Pfarrkirche und Przemysł-Hügel
Wenige Schritte vom Markt steht die ehemalige Jesuitenkirche, heute Stadtpfarrkirche und Basilika — für viele der schönste Barockraum Polens. Gebaut wurde sie 1651 bis 1701, mit Unterbrechung durch den Schwedischen Krieg; der Entwurf wird dem Jesuiten Bartłomiej Nataniel Wąsowski zugeschrieben. Das Schiff ist knapp 27 Meter hoch, die Stuckarbeiten schuf um 1700 Jan Bianco, die sechzehn Säulen aus rotem Stuckmarmor tragen nichts und gliedern nur den Raum. Die Orgel baute Friedrich Ladegast aus Weißenfels; sie erklang erstmals am 26. Juli 1876 und hat 43 Register.
Am Westrand der Altstadt liegt der Przemysł-Hügel mit dem Königsschloss, begonnen um 1249 von Przemysł I. 1783 errichtete Kazimierz Raczyński dort einen barocken Bau; 2010–2013 wurde die Anlage mit einem Turm auf den Fundamenten des mittelalterlichen rekonstruiert. Heute zeigt dort das Museum für angewandte Kunst seine Sammlung, und der 43 Meter hohe Turm gibt den besten Überblick über die Altstadt.
Anfahrt und praktische Hinweise
Der Hauptbahnhof Poznań Główny liegt etwa zwei Kilometer vom Alten Markt; Straßenbahnen fahren bis an beide Enden der Altstadt, zur Dominsel kommt man über Śródka. Im Zentrum gilt eine gebührenpflichtige Parkzone, ein Parkhaus und der Rest zu Fuß sind die bequemere Lösung. Der ausgeschilderte Königlich-Kaiserliche Weg verbindet die Dominsel über den Markt mit dem Kaiserschloss.
Am sinnvollsten besucht man Posen chronologisch: erst Brama Poznania und Dominsel, dann das linke Ufer. So wird der Markt nicht nur ein schöner Platz, sondern die neue Stadt, die der Insel im 13. Jahrhundert die Hauptrolle abnahm. Vor den Ziegenböcken sollte man einige Minuten vor zwölf am Rathaus sein. Das gesamte Ensemble wurde am 28. November 2008 durch Verordnung des Staatspräsidenten zum Geschichtsdenkmal erklärt; für beide Teile zusammen braucht man einen vollen Tag, mit Museen zwei.
Anreise und praktische Infos
- Lage
- Poznań (Posen), Woiwodschaft Großpolen — Dominsel zwischen Warthe und Cybina sowie die linksufrige Altstadt
- Geschichtsdenkmal
- Verordnung des Staatspräsidenten vom 28. November 2008, „Poznań — historisches Stadtensemble“
- Anfänge
- Piastenburg auf der Dominsel im 10. Jahrhundert; linksufrige Stadtgründung um 1253
- Alter Markt
- Seitenlänge 141 m, Mittelblock 74 mal 76 m — nach Fläche der dritte Markt Polens
- Rathaus
- gotisch, Umbau 1550–1560 durch Giovanni Battista di Quadro; Uhr mit Ziegenböcken seit 1551
- Museen im Ensemble
- Stadtgeschichte im Rathaus, Großpolnischer Aufstand in der Wache, Erzdiözesanmuseum in der Lubrański-Akademie, angewandte Kunst im Schloss
- Ziegenböcke
- täglich um zwölf, nach dem Turmsignal vom Rathaus
- Zeitbedarf
- ein Tag für beide Teile, zwei Tage mit Museen
- Aktuelle Öffnung und Tickets
- die Abteilungen im Rathaus und im Schloss betreut das Nationalmuseum Posen
Wann am besten
Die Bürgerhäuser am Markt kommen im klaren Licht zur Geltung, und an der Warthe beginnt die Spazier- und Radsaison.
Hauptsaison mit den längsten Museumszeiten; auf der Dominsel wird es heiß, denn Schatten gibt es kaum.
Gute Zeit für Innenräume und Museen — kürzere Schlangen, und Nebel über der Warthe steht der Insel gut.
Weihnachtsmarkt und Illumination am Markt; in Dom und Pfarrkirche klingen die Orgeln, wenn die Stadt leer ist.
Weitere Sehenswürdigkeiten in der Woiwodschaft Großpolen
Entfernungen in Luftlinie ab „Historisches Zentrum von Poznań (Posen)" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.
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