Eine sächsische Anlage mitten in Warschau
Für deutsche Gäste ist dieser Park ein besonders direkter Berührungspunkt: er entstand unter August dem Starken, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, der 1713 den vorhandenen Palast Morsztyns erwarb und das Gelände als barocken Garten ausbauen ließ. Die Anlage gehört zur Sächsischen Achse, einer stadträumlichen Komposition aus Palast, Garten und Straßenzügen in einer Linie.
An den Parterres arbeitete ab 1713 Joachim Heinrich Schultze, ab 1735 Gothard Paul Thörl; am Gesamtentwurf werden Matthäus Daniel Pöppelmann und Zacharias Longuelune genannt. Der Garten entstand im Wesentlichen zwischen 1713 und 1733.
Entscheidend ist das Jahr 1727: am 27. Mai gab der König den Garten für die Bevölkerung frei. Damit war er der erste öffentliche Park Warschaus und einer der ersten überhaupt. Nach Schäden während des Kościuszko-Aufstands 1794 wurde die Anlage im 19. Jahrhundert zu einem englischen Landschaftspark umgestaltet, nach einem Plan von James Savage zwischen 1816 und 1827.
Figuren, Wasserspeicher, Fontäne
Erhalten sind etwa zwanzig allegorische Sandsteinfiguren, überwiegend aus der Werkstatt von Johann Georg Plersch und vor 1745 entstanden. Sie zeigen die Jahreszeiten, Wissenschaften, Künste und Tugenden. Ein Plan von 1745 verzeichnete noch rund siebzig Sockel — die leeren Podeste im Park sind also kein Zufall, sondern Kriegsfolge: vier Figuren wurden 1944 bei der Sprengung des Sächsischen Palais zerstört und später rekonstruiert.
Mitte des 19. Jahrhunderts gestaltete der Architekt Enrico (Henryk) Marconi den Nordwesten des Gartens um: ein Teich mit Weiden und darüber ein Wasserspeicher in Form eines Rundtempels nach dem Vestatempel in Tivoli. 1855 ging die erste Warschauer Wasserleitung in Betrieb, und mit ihr die Große Fontäne, die größte in den Parks der Stadt. Sie wurde 2006 und 2007 grundlegend restauriert; seit 2007 steuert ein Rechner Wasserführung und Abendbeleuchtung.
Was der Krieg genommen hat
Vieles muss man sich hinzudenken. Das hölzerne Sommertheater arbeitete ab 1870 und bot über tausend Plätze; es brannte im September 1939 während der Verteidigung Warschaus ab. Das Palmenhaus von 1894 wurde im Warschauer Aufstand zerstört, der Durchbruch der Marszałkowska nahm dem Garten einen Teil des westlichen Randes.
1942 war der Park für Polen gesperrt. Nach Kriegsende musste er von Minen geräumt werden, im April 1945 kehrten die Bewohner zurück. Wasserspeicher und Fontäne wurden wiederhergestellt, Theater und Brühlsches Palais nicht. Vom 1944 gesprengten Sächsischen Palais blieben drei Arkaden der Kolonnade: dort liegt seit 1925 das Grabmal des Unbekannten Soldaten nach einem Entwurf von Stanisław Ostrowski. Formal gehört es schon zum Piłsudski-Platz, doch Garten und Grabmal besucht man in einem Gang.
Kleinigkeiten, die sich lohnen
Eine marmorne Sonnenuhr von 1863, gestiftet von Antoni Szeliga Magier, steht noch im Park und zeigt weiterhin die Zeit an. Dazu ein Denkmal für die Dichterin Maria Konopnicka und der Teich, an dem im Sommer halb Warschau sitzt. Am östlichen Rand grenzt der Garten an das Gelände, auf dem die Westseite des Piłsudski-Platzes wieder aufgebaut werden soll; dort laufen derzeit Voruntersuchungen, das Umfeld verändert sich also.
Anreise
- Mit der Metro — die Stationen Ratusz Arsenał und Świętokrzyska liegen wenige Gehminuten von den Eingängen entfernt.
- Mit Tram und Bus — die Marszałkowska und die Królewska sind Hauptachsen des Nahverkehrs, Haltestellen gibt es auf beiden Seiten des Parks.
- Zu Fuß — der Garten liegt zwischen Piłsudski-Platz und Marszałkowska, eine Viertelstunde von der Altstadt. Er verbindet sich gut mit einem Stadtspaziergang.
- Mit dem Auto — mitten in der Parkgebührenzone und in einem der dichtesten Verkehrsbereiche der Stadt; der Nahverkehr ist hier klar schneller.
Gut zu wissen
Der Park ist frei zugänglich, Planung braucht es nicht. Morgens und am frühen Abend ist es deutlich angenehmer als in der Mittagspause, wenn die Büros der Umgebung hier spazieren gehen. Für eine Runde mit Stopps an den Figuren und an der Fontäne reicht eine Stunde.
Die Wege sind befestigt und überwiegend eben, also auch mit Kinderwagen oder Rollstuhl brauchbar. An heißen Tagen ist dies einer der wenigen schattigen Flecken dieses Stadtteils. Im Winter wirkt die Anlage leer, zeigt aber ohne Laub ihre Komposition am deutlichsten.
Anreise und praktische Infos
- Lage
- Warschauer Innenstadt, zwischen Piłsudski-Platz und Marszałkowska
- Fläche
- rund fünfzehn Hektar
- Sehenswert
- barocke Sandsteinfiguren, Große Fontäne, Wasserspeicher als Rundtempel, Sonnenuhr, Teich
- Für die Bevölkerung geöffnet
- 27. Mai 1727
- Status
- seit 1965 im Denkmalregister; die Sächsische Achse liegt im Bereich des Historischen Denkmals „Warschau — historisches Stadtgefüge mit Königsweg und Wilanów“
- Dauer
- eine Stunde für eine Runde in Ruhe
- Anreise ohne Auto
- Metro Ratusz Arsenał oder Świętokrzyska, Tram und Bus auf Marszałkowska und Królewska
- Barrierefreiheit
- befestigte, überwiegend ebene Wege; Eintritt frei
- Aktuelle Zeiten und Tickets
- der Park ist frei zugänglich und kostenlos; Hinweise zu Arbeiten und Sperrungen veröffentlicht die Grünflächenverwaltung der Stadt Warschau
Wann am besten
Kastanien und alte Linden treiben aus, der Park füllt sich nach dem Winter rasch. Gute Zeit für die Figuren, solange das Laub sie noch nicht verdeckt.
Die beliebteste Jahreszeit: Schatten, Wasser und Bänke an der Fontäne. In der Mittagszeit ist es hier dicht.
Das schönste Licht des Jahres, besonders nachmittags am Teich, und weniger Besuch als im Sommer.
Leer und klar: ohne Laub ist die Komposition am besten zu lesen. Die Fontäne läuft dann nicht.
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