Sehenswürdigkeit der Region Woiwodschaft Masowien

Sächsischer Garten — Warschaus erster öffentlicher Park, 1727

Ein barocker Königsgarten, den August der Starke den Warschauern schon 1727 öffnete, und damit einer der ersten öffentlich zugänglichen Parks Europas. Heute sind es rund fünfzehn Hektar alter Baumbestand mitten in der Innenstadt, mit sächsischen Sandsteinfiguren, einem Wasserspeicher nach dem Vorbild des Vestatempels und einer Fontäne von 1855.

fot. Marcin Białek, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Eine sächsische Anlage mitten in Warschau

Für deutsche Gäste ist dieser Park ein besonders direkter Berührungspunkt: er entstand unter August dem Starken, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, der 1713 den vorhandenen Palast Morsztyns erwarb und das Gelände als barocken Garten ausbauen ließ. Die Anlage gehört zur Sächsischen Achse, einer stadträumlichen Komposition aus Palast, Garten und Straßenzügen in einer Linie.

An den Parterres arbeitete ab 1713 Joachim Heinrich Schultze, ab 1735 Gothard Paul Thörl; am Gesamtentwurf werden Matthäus Daniel Pöppelmann und Zacharias Longuelune genannt. Der Garten entstand im Wesentlichen zwischen 1713 und 1733.

Entscheidend ist das Jahr 1727: am 27. Mai gab der König den Garten für die Bevölkerung frei. Damit war er der erste öffentliche Park Warschaus und einer der ersten überhaupt. Nach Schäden während des Kościuszko-Aufstands 1794 wurde die Anlage im 19. Jahrhundert zu einem englischen Landschaftspark umgestaltet, nach einem Plan von James Savage zwischen 1816 und 1827.

Figuren, Wasserspeicher, Fontäne

Erhalten sind etwa zwanzig allegorische Sandsteinfiguren, überwiegend aus der Werkstatt von Johann Georg Plersch und vor 1745 entstanden. Sie zeigen die Jahreszeiten, Wissenschaften, Künste und Tugenden. Ein Plan von 1745 verzeichnete noch rund siebzig Sockel — die leeren Podeste im Park sind also kein Zufall, sondern Kriegsfolge: vier Figuren wurden 1944 bei der Sprengung des Sächsischen Palais zerstört und später rekonstruiert.

Mitte des 19. Jahrhunderts gestaltete der Architekt Enrico (Henryk) Marconi den Nordwesten des Gartens um: ein Teich mit Weiden und darüber ein Wasserspeicher in Form eines Rundtempels nach dem Vestatempel in Tivoli. 1855 ging die erste Warschauer Wasserleitung in Betrieb, und mit ihr die Große Fontäne, die größte in den Parks der Stadt. Sie wurde 2006 und 2007 grundlegend restauriert; seit 2007 steuert ein Rechner Wasserführung und Abendbeleuchtung.

Was der Krieg genommen hat

Vieles muss man sich hinzudenken. Das hölzerne Sommertheater arbeitete ab 1870 und bot über tausend Plätze; es brannte im September 1939 während der Verteidigung Warschaus ab. Das Palmenhaus von 1894 wurde im Warschauer Aufstand zerstört, der Durchbruch der Marszałkowska nahm dem Garten einen Teil des westlichen Randes.

1942 war der Park für Polen gesperrt. Nach Kriegsende musste er von Minen geräumt werden, im April 1945 kehrten die Bewohner zurück. Wasserspeicher und Fontäne wurden wiederhergestellt, Theater und Brühlsches Palais nicht. Vom 1944 gesprengten Sächsischen Palais blieben drei Arkaden der Kolonnade: dort liegt seit 1925 das Grabmal des Unbekannten Soldaten nach einem Entwurf von Stanisław Ostrowski. Formal gehört es schon zum Piłsudski-Platz, doch Garten und Grabmal besucht man in einem Gang.

Kleinigkeiten, die sich lohnen

Eine marmorne Sonnenuhr von 1863, gestiftet von Antoni Szeliga Magier, steht noch im Park und zeigt weiterhin die Zeit an. Dazu ein Denkmal für die Dichterin Maria Konopnicka und der Teich, an dem im Sommer halb Warschau sitzt. Am östlichen Rand grenzt der Garten an das Gelände, auf dem die Westseite des Piłsudski-Platzes wieder aufgebaut werden soll; dort laufen derzeit Voruntersuchungen, das Umfeld verändert sich also.

Anreise

  • Mit der Metro — die Stationen Ratusz Arsenał und Świętokrzyska liegen wenige Gehminuten von den Eingängen entfernt.
  • Mit Tram und Bus — die Marszałkowska und die Królewska sind Hauptachsen des Nahverkehrs, Haltestellen gibt es auf beiden Seiten des Parks.
  • Zu Fuß — der Garten liegt zwischen Piłsudski-Platz und Marszałkowska, eine Viertelstunde von der Altstadt. Er verbindet sich gut mit einem Stadtspaziergang.
  • Mit dem Auto — mitten in der Parkgebührenzone und in einem der dichtesten Verkehrsbereiche der Stadt; der Nahverkehr ist hier klar schneller.

Gut zu wissen

Der Park ist frei zugänglich, Planung braucht es nicht. Morgens und am frühen Abend ist es deutlich angenehmer als in der Mittagspause, wenn die Büros der Umgebung hier spazieren gehen. Für eine Runde mit Stopps an den Figuren und an der Fontäne reicht eine Stunde.

Die Wege sind befestigt und überwiegend eben, also auch mit Kinderwagen oder Rollstuhl brauchbar. An heißen Tagen ist dies einer der wenigen schattigen Flecken dieses Stadtteils. Im Winter wirkt die Anlage leer, zeigt aber ohne Laub ihre Komposition am deutlichsten.

Anreise und praktische Infos

Lage
Warschauer Innenstadt, zwischen Piłsudski-Platz und Marszałkowska
Fläche
rund fünfzehn Hektar
Sehenswert
barocke Sandsteinfiguren, Große Fontäne, Wasserspeicher als Rundtempel, Sonnenuhr, Teich
Für die Bevölkerung geöffnet
27. Mai 1727
Status
seit 1965 im Denkmalregister; die Sächsische Achse liegt im Bereich des Historischen Denkmals „Warschau — historisches Stadtgefüge mit Königsweg und Wilanów“
Dauer
eine Stunde für eine Runde in Ruhe
Anreise ohne Auto
Metro Ratusz Arsenał oder Świętokrzyska, Tram und Bus auf Marszałkowska und Królewska
Barrierefreiheit
befestigte, überwiegend ebene Wege; Eintritt frei
Aktuelle Zeiten und Tickets
der Park ist frei zugänglich und kostenlos; Hinweise zu Arbeiten und Sperrungen veröffentlicht die Grünflächenverwaltung der Stadt Warschau
Mapa: Google Maps · 52.2406, 21.0086

Wann am besten

Frühling

Kastanien und alte Linden treiben aus, der Park füllt sich nach dem Winter rasch. Gute Zeit für die Figuren, solange das Laub sie noch nicht verdeckt.

Sommer

Die beliebteste Jahreszeit: Schatten, Wasser und Bänke an der Fontäne. In der Mittagszeit ist es hier dicht.

Herbst

Das schönste Licht des Jahres, besonders nachmittags am Teich, und weniger Besuch als im Sommer.

Winter

Leer und klar: ohne Laub ist die Komposition am besten zu lesen. Die Fontäne läuft dann nicht.

Weitere Sehenswürdigkeiten in der Woiwodschaft Masowien

Entfernungen in Luftlinie ab „Sächsischer Garten in Warschau" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.

MariensztatDie erste Wohnsiedlung des Nachkriegs-Warschaus, 1948–1949 auf dem Gelände einer Gründung
~862 m Luftlinie
Krasiński-GartenBarocker Palaisgarten von 1676, seit 1768 öffentlich: Teich, alte Bäume und Denkmäler des
~967 m Luftlinie
Neustadt WarschauHistorisches Viertel nördlich der Altstadt: ab 1408 eigene Stadt, mit eigenem Markt und de
~1,4 km Luftlinie
Nationalpark KampinosSeit 1959 Nationalpark: 385 km² Dünen und Moore direkt westlich von Warschau, UNESCO-Biosp
~31 km Luftlinie

Übernachten in der Nähe

Wir arbeiten an einer Liste geprüfter Unterkünfte in der Region Woiwodschaft Masowien. Wenn Sie eine Pension, ein Ferienhaus oder ein Apartment in der Umgebung betreiben — melden Sie es an.

Objekt hinzufügen →