Ein Garten hinter dem Palais
Der Garten entstand 1676 als barocke Anlage hinter dem Palais, das Jan Dobrogost Krasiński, Woiwode von Płock, zwischen 1677 und 1695 errichten ließ. Den Entwurf lieferte der niederländische Architekt Tylman van Gameren, den Bauschmuck der Tympana schuf Andreas Schlüter — derselbe Bildhauer, der später das Berliner Zeughaus und das Stadtschloss prägte. Anfangs maß der Garten nicht einmal dreieinhalb Hektar.
Das Palais schließt die Anlage im Osten zum Krasiński-Platz hin ab; seine Schauseite blickt auf den Platz, die Gartenfront auf den Park. Heute zeigt es die wertvollsten Bestände der Polnischen Nationalbibliothek, die das Gebäude 1958 übernahm und es nach langer Sanierung am 21. Mai 2024 für Besucher öffnete.
Seit 1768 für alle offen
Am 5. Dezember 1765 kaufte der polnische Staat Palais und Garten als Sitz der Kronschatzkommission. Drei Jahre später, am 1. April 1768, wurde der Garten öffentlich zugänglich gemacht — eine für Europa früh getroffene Entscheidung, zwei Generationen vor der Zeit, in der die meisten Stadtparks entstanden.
Fast ein Jahrhundert lang war die Nachbarschaft vom Theater geprägt: von 1790 bis 1883 stand beim Palais das Gebäude des Nationaltheaters. 1824 eröffnete im benachbarten Dückert-Palais eine Anstalt für künstliche Mineralwässer, wo man eine Kur nehmen konnte, ohne in ein Heilbad zu reisen. Bis zur Anlage des Sächsischen Gartens war der Krasiński-Garten der größte Barockpark Warschaus.
Szanior macht aus dem Barock eine Landschaft
Die Wegeführung von heute entstand zwischen 1891 und 1895 unter Franciszek Szanior, dem Stadtgärtner Warschaus. Er ersetzte die regelmäßigen Barockparterres durch einen englischen Landschaftspark mit geschwungenen Wegen, unregelmäßigen Baumgruppen und bewusst gesetzten Sichtachsen.
Damals wurde auch der Teich mit künstlicher Kaskade angelegt, in dem heute eine Skulptur von Leon Machowski steht: fünf Fischer in einem Boot mit einem großen Fisch. Aus Szaniors Pflanzungen haben Arten überlebt, die in Warschau selten sind — Ginkgo, Schwarznuss, Baumhasel und Kaukasische Flügelnuss. Anfang des 21. Jahrhunderts brüteten hier im Sommer siebenundzwanzig bis neunundzwanzig Vogelarten.
Zwei Kriege am Gartenrand
Am Abend des 29. November 1830, dem ersten Tag des Novemberaufstands, gewannen die Aufständischen am Westrand des Gartens ein Gefecht gegen ein russisches Regiment und nahmen anschließend das benachbarte Zeughaus mit seinen Waffen ein. Ein Gedenkstein markiert die Stelle.
In der Besatzungszeit lag der Garten unmittelbar hinter der Grenze des Warschauer Ghettos, die entlang der Świętojerska verlief; an der Andersa und der Świętojerska markieren heute Tafeln im Boden diesen Verlauf. Im Warschauer Aufstand wurde der Park zum Kampfgebiet: das Bataillon „Chrobry I” richtete in den Ruinen der Simons-Passage eine Redoute ein und sperrte den Weg zur Altstadt. Am 31. August 1944 bombardierte die deutsche Luftwaffe das Gebäude; über zweihundert Menschen starben, davon hundertzwanzig Aufständische.
Nach dem Krieg wuchs der Garten auf die heutigen 11,8 Hektar, weil die Grundstücke zerstörter Mietshäuser einbezogen wurden. Von 2013 bis 2014 suchten Archäologen im Nordteil nach dem versteckten Archiv des Bund. Es wurde nicht gefunden, dafür kamen Kellergeschosse der Häuser an der Świętojerska, Alltagsgegenstände und menschliche Knochen zum Vorschein.
Worauf man achten sollte
- Barocktor an der Stare Nalewki — mit einem Zaunstück das einzige erhaltene Element der ursprünglichen Anlage, 2012 restauriert
- Teich mit der Fischerskulptur — im westlichen, landschaftlich gestalteten Teil
- Denkmal des Bataillons „Chrobry I” — 1989 enthüllt, von Jerzy Pietras, am Standort des nördlichen Gebäudes der Simons-Passage
- Monte-Cassino-Denkmal — von 1999, von Gustaw Zemła und Wojciech Zabłocki, außerhalb des Zauns
- Denkmal für die Frauen des Warschauer Aufstands — 2021 enthüllt, von Monika Osiecka, am Krasiński-Platz
- Bunker für Stadtpräsident Stefan Starzyński — in den 1930er Jahren gebaut, acht Räume, über einen Meter dicke Wände; Starzyński nutzte ihn nie, Anwohner schon
- Königliches Zeughaus — westlich des Parks, heute Staatliches Archäologisches Museum
Der Streit um die Bäume
2011 entschied die Stadt einen Wettbewerb zur Erneuerung des Gartens und wollte die Konzeption des späten 19. Jahrhunderts wiederherstellen, also zu Szanior zurückkehren. Die Umsetzung löste einen der lautesten Warschauer Baumkonflikte aus: Ende 2012 wurden 337 Bäume gefällt, etwa ein Drittel des Bestandes.
Ausführende und Verwaltung erklärten, die meisten seien aus Gesundheitsgründen entfernt worden, der Rest aus kompositorischen; Kritiker hielten die Eingriffe für zu weitgehend, und die Presse berichtete, ein Teil der Arbeiten sei ohne archäologische Untersuchung erfolgt. 2014 wurden knapp hundert neue Bäume und über zehntausend Sträucher gepflanzt. Bei den Arbeiten fanden sich Ziegelreste, wahrscheinlich vom Badeni-Palais.
Unter Denkmalschutz steht der Garten seit dem 1. Juli 1965, gemeinsam mit dem Tor an der Nalewki und als Teil des Palais-Ensembles.
Anfahrt
- Metro — Station Ratusz Arsenał, Ausgang Richtung Zeughaus, von dort wenige Minuten
- Straßenbahn — Haltestellen an der Andersa und der Długa, am Nord- und Südrand des Gartens
- Zu Fuß von der Altstadt — vom Barbakan die Długa nach Westen, keine zehn Minuten
- Gleich daneben — das Krasiński-Palais mit der Ausstellung der Nationalbibliothek, das Zeughaus mit dem Archäologischen Museum und das Viertel Muranów mit den Ghetto-Denkmälern
Praktische Hinweise
Der Garten ist frei zugänglich und von allen vier Seiten offen, er passt gut als Etappe auf dem Weg von der Altstadt nach Muranów. Für einen Rundgang genügen drei Viertelstunden; die Wege sind befestigt und überwiegend flach, am Teich und am Spielplatz ist es am belebtesten.
Es lohnt sich, mit dem Blick für Geschichte zu kommen: auf knapp zwölf Hektar liegen vier Schichten übereinander — barocker Residenzgarten, Stadtpark des 19. Jahrhunderts, Ghettogrenze und Kampffeld des Aufstands. Die Denkmäler stehen verstreut, einige außerhalb des Zauns, und werden leicht übersehen, wenn man nur dem Hauptweg folgt.
Anreise und praktische Infos
- Lage
- Warschau-Śródmieście, zwischen Świętojerska, Andersa, Stare Nalewki, Długa und dem Krasiński-Platz
- Fläche
- 11,8 Hektar; ursprünglich keine dreieinhalb Hektar
- Angelegt
- 1676 als Barockgarten am Krasiński-Palais
- Öffentlich seit
- 1. April 1768
- Sehenswert
- Barocktor an der Stare Nalewki, Teich mit Fischerskulptur, Denkmal des Bataillons „Chrobry I”, seltene Bäume aus Szaniors Pflanzungen
- Schutzstatus
- Denkmalregister seit dem 1. Juli 1965, als Teil des Krasiński-Palais-Ensembles
- Dauer
- drei Viertelstunden für den Garten, ein halber Tag mit Palais und Zeughaus
- Zugang
- Eintritt frei, Wege befestigt und meist flach
- Aktuelle Öffnung und Tickets
- der Park ist frei zugänglich; über Arbeiten und Sperrungen informiert die Warschauer Grünflächenverwaltung, über die Ausstellung im Palais die Nationalbibliothek
Wann am besten
Ginkgo und Flügelnuss treiben später aus als die heimischen Bäume und sind dann gut zu erkennen. Die Pflanzungen von 2014 blühen im Mai am reichsten.
Den meisten Schatten gibt der alte Bestand am Teich; am Spielplatz ist es schon morgens lebhaft.
Der Ginkgo wird leuchtend gelb — sein schönster Moment im Jahr. Gute Zeit, den Garten mit der Ausstellung im Palais zu verbinden.
Jetzt treten das Relief des Geländes und das Barocktor hervor, die im Sommer vom Laub verdeckt sind. Auch die Aufstandsdenkmäler sieht man am besten.
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Entfernungen in Luftlinie ab „Krasiński-Garten" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.
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