Sehenswürdigkeit der Region Woiwodschaft Masowien

Nationalpark Kampinos — Binnendünen und Moore vor den Toren Warschaus

Polens zweitgrößter Nationalpark beginnt wenige Kilometer hinter den westlichen Stadtteilen Warschaus. Geschützt wird die Puszcza Kampinoska (Kampinos-Heide) mit ihren abwechselnden Streifen aus Binnendünen und Mooren — und mit dem Elch, der 1951 wieder angesiedelt wurde und seither im Wappen des Parks steht.

fot. Wojsyl, CC BY-SA 2.5 · Wikimedia Commons

Ein Urwald am Rand der Hauptstadt

Gegründet wurde der Park am 16. Januar 1959. Mit 385,44 km² ist er nach dem Biebrza-Nationalpark der zweitgrößte Polens; eine Pufferzone von fast 37.800 Hektar soll den Siedlungsdruck aus dem Ballungsraum abfedern. Verwaltungssitz ist Izabelin unmittelbar am Waldrand, erreichbar mit Warschauer Vorortbussen.

Das Schutzgebiet liegt im Urstromtal der Weichsel, zwischen Weichsel und Bzura. Vom Warschauer Zentrum bis zum ersten Wanderweg braucht man weniger als eine Stunde — eine Nähe zur Großstadt, die kein anderer polnischer Nationalpark kennt. Rund eine Million Menschen kommen jährlich, allerdings sehr ungleich verteilt: während an den östlichen Eingängen bei Truskaw und Laski am Wochenende Gedränge herrscht, bleibt der westliche Teil Richtung Sochaczew selbst im Juli fast leer.

Seit dem Jahr 2000 gehört das Gebiet als „Puszcza Kampinoska" zum Weltnetz der UNESCO-Biosphärenreservate und ist zugleich Natura-2000-Gebiet.

Dünen und Moore in Streifen

Die Landschaft entstand am Ende der letzten Kaltzeit. Die damals viel breiter strömende Weichsel hinterließ Sande, die der Wind zu Dünenwällen aufwarf — teils über zehn Meter hoch, mit deutlich erkennbaren Flanken. Es ist der größte und besterhaltene Binnendünenkomplex Polens, und europaweit sind so unberührte Dünenfelder im Binnenland selten geworden.

Zwischen den Sandwällen liegen vernässte Senken, und das Ganze ordnet sich zu einem markanten Muster: zwei Dünen- und zwei Moorstreifen, die von Ost nach West parallel zum alten Flusslauf verlaufen. Wer den Wald quert, wechselt mehrfach zwischen trockenem Kiefernwald auf dem Dünenrücken und Schwarzerlen-Bruchwald, in dem das Wasser den halben Frühling über auf dem Pfad steht.

Wald bedeckt knapp drei Viertel der Fläche, überwiegend Kiefer auf Sand; in den Senken wachsen Erlenbruch- und Auwälder, auf besseren Böden Eichen-Hainbuchenwälder. Über tausend Farn- und Blütenpflanzen sind nachgewiesen, darunter die seltene Schwarzbirke, eine Varietät der Sandbirke, die als Besonderheit des Gebietes gilt.

Elch, Biber, Luchs

  • Elch — 1951 wieder angesiedelt, heute Dauerbewohner der Moorstreifen und Wappentier des Parks; beste Beobachtungszeit ist die Dämmerung an den feuchten Wiesen.
  • Europäischer Biber — seit 1980 zurück und inzwischen der eigentliche Wasserbauingenieur des Gebietes.
  • Luchs — 1992 wieder eingebürgert, für Besucher praktisch nie zu sehen, im Schnee aber an den Spuren erkennbar.
  • Vögel — über zweihundert Arten festgestellt, etwa einhundertfünfzig davon Brutvögel; in den Mooren brütet der Kranich.
  • Fledermäuse — siebzehn Arten, die Höhlenbäume und verlassene Gebäude am Waldrand nutzen.
  • Insekten — mehr als zweitausend beschriebene Arten, viele von ihnen an Totholz gebunden.

Palmiry und die Geschichte des Waldes

Weglosigkeit, Moore und fehlende befahrbare Straßen machten den Wald seit dem Januaraufstand von 1863 zum Rückzugsraum für Aufständische. Dieselbe Eigenschaft bestimmte seine Rolle während der deutschen Besatzung.

Zwischen 1939 und 1941 richtete die deutsche Besatzungsmacht im Wald bei Palmiry eine Erschießungsstätte ein; über zweitausend Menschen wurden hier ermordet, viele von ihnen Angehörige der Warschauer Intelligenz, im Rahmen einer gezielten Aktion gegen die polnischen Eliten. Auf der Waldlichtung entstand nach dem Krieg ein Mausoleums-Friedhof mit Museum — der stillste Ort des gesamten Parks und eine der wichtigsten Gedenkstätten Masowiens.

Im Sommer 1944 lag bei dem Dorf Wiersze die Gruppe „Kampinos" der polnischen Heimatarmee mit über dreitausend Soldaten; das von ihr kontrollierte Gebiet wurde damals „Unabhängige Republik Kampinos" genannt. Nach Dutzenden Gefechten endete ihre Geschichte am 29. September 1944 bei Jaktorów. Auf den Wanderwegen stehen bis heute Gräber und steinerne Tafeln aus diesen Jahren, oft an Stellen, an denen längst kein Dorf mehr liegt.

Anreise und Wege

  • Mit dem Vorortbus — Warschauer Linien fahren bis Izabelin, Truskaw und Laski, also direkt an mehrere Wegeinstiege; die einfachste Variante ohne Auto.
  • Mit dem Auto — von Osten über Izabelin, von Süden über Leszno, von Westen über Sochaczew; Parkplätze an den Haupteingängen sind am Wochenende vormittags belegt.
  • Mit der Bahn — Bahnhöfe in Sochaczew und Modlin liegen an gegenüberliegenden Rändern des Waldes, weiter geht es mit dem Bus.
  • Mit dem Rad — ein markierter Radrundweg umfährt den Park auf knapp einhundertfünfzig Kilometern, mit mehreren Abkürzungen.
  • Zu Fuß — rund 360 Kilometer Wanderwege und zehn Lehrpfade; das Gelände ist flach, die Tagesetappen werden dadurch lang, und unterwegs gibt es kaum Trinkwasser.

Praktische Hinweise

Ein Flachlandpark verlangt eine andere Planung als ein Gebirge. Aussichtspunkte zur Orientierung fehlen, und Kilometer um Kilometer Kiefernwald sieht sich ähnlich — Karte und geladenes Handy helfen mehr als gute Kondition. Auf Sandwegen kommt man langsamer voran, als das Höhenprofil vermuten lässt.

Im Frühjahr und nach längerem Regen stehen die Moorstreifen unter Wasser, Teile der Pfade sind dann nur mit Gummistiefeln passierbar. Juli und August sind Mückenzeit, in den Bruchwäldern spürbar unangenehm. Am angenehmsten wandert es sich im frühen Frühling und im Oktober.

Gut kombinieren lässt sich der Besuch mit der Gedenkstätte Palmiry im Norden, mit Żelazowa Wola, dem Geburtsort Frédéric Chopins wenige Kilometer westlich des Parks, und mit der weitläufigen Festung Modlin jenseits der Weichsel.

Anreise und praktische Infos

Lage
Puszcza Kampinoska im Weichsel-Urstromtal, Woiwodschaft Masowien, westlich an Warschau angrenzend; Verwaltung in Izabelin
Fläche
385,44 km² — zweitgrößter Nationalpark Polens; Pufferzone fast 37.800 Hektar
Gründungsjahr
1959
Schutzstatus
Nationalpark, seit 2000 UNESCO-Biosphärenreservat „Puszcza Kampinoska", Natura-2000-Gebiet
Wege
etwa 360 km Wanderwege, zehn Lehrpfade, Radrundweg um den Park
Zeitbedarf
drei Stunden für eine kurze Runde bis zwei Tage für die Querung
Aktuelle Öffnungszeiten und Tickets
offizielle Website des Parks
Mapa: Google Maps · 52.3167, 20.5667

Wann am besten

Frühling

Die beste Zeit für Vögel: Kraniche rufen aus den Mooren, und in den Bruchwäldern blüht die Krautschicht vor dem Laubaustrieb. Das Wasser steht hoch, manche Pfade sind ohne Gummistiefel nicht begehbar.

Sommer

Die Dünen heizen sich auf wie ein Strand, in den Bruchwäldern wird es stickig und mückenreich. Die Tage sind lang — früh aufbrechen lohnt sich, auch wegen der Elche am Wiesenrand.

Herbst

Der Wald wird durchsichtig, die Insekten verschwinden, die Sandwege sind trocken. Der Oktober ist hier der angenehmste Monat für lange Etappen.

Winter

In Frostwochen frieren die Moore zu und öffnen Durchgänge, die sonst unpassierbar sind. Im Schnee lassen sich Spuren lesen, doch der Tag ist kurz und der Abend im Wald sehr dunkel.

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