Warum hier eine Festung steht
Nach den Schlesischen Kriegen behielt Preußen Schlesien, doch Österreich hatte den Verlust nicht hingenommen, und ein Rückeroberungsversuch galt als realistisch. Der kürzeste Weg aus Böhmen führte über den Silberberger Pass auf 586 Metern, zwischen Eulengebirge und Warthagebirge. Diesen Durchgang zu sperren, war für Friedrich II. eine Frage von erstem Rang.
Gebaut wurde zwischen 1765 und 1777 nach den Plänen des preußischen Ingenieurs Ludwig Wilhelm Regler, die der König selbst überarbeitete. Die Werke verteilen sich auf zwei Anhöhen über dem Pass, den Spitzberg (627 m) und den Hohen Stein; insgesamt entstanden sechs Forts.
Vier- bis viereinhalbtausend Arbeiter waren zwölf Jahre beschäftigt, die Kosten überstiegen anderthalb Millionen Taler. Aufgebracht wurde das Geld über eine Sondersteuer, die den Schlesiern als „Silberberger Heimsuchung“ in Erinnerung blieb.
Der Donjon — eine Stadt hinter Mauern
Den Kern bildet ein Kranz von Bastionen und Scheren mit dem Donjon in der Mitte. Er besteht aus vier durch Kurtinen verbundenen Türmen; die Anlage misst rund sechzig Meter im Durchmesser, die Mauern sind über zehn Meter stark. Von der Krone hat man den besten Blick ins Warthagebirge.
Im Inneren liegen auf drei Ebenen die Kasematten. Die Festung sollte eine lange Belagerung ohne Nachschub überstehen, also gab es Magazine, Zeughaus, Kapelle, Gefängnis, Lazarett, Bäckerei, Brauerei und Handwerkerwerkstätten. Die Vorräte waren auf drei bis fünf Monate ausgelegt.
Platz war für mehr als dreieinhalbtausend Soldaten, dazu 264 Geschütze und Mörser und neun in den Fels getriebene Brunnen; die tiefsten reichen mehrere Dutzend Meter hinab.
Die eine Bewährungsprobe, 1807
Eingenommen wurde die Festung nie, ernsthaft geprüft nur einmal. Im Sommer 1807, im Krieg Preußens gegen Frankreich, rückten bayerische und württembergische Truppen der Rheinbundarmee vor. Den Sturmversuch vom 28. Juni wies die Besatzung unter Oberst Bogislaus von Schwerin ab; wenige Tage später beendete der Friede von Tilsit die Kämpfe.
Ihre Blütezeit war da schon vorbei. Nach 1800 fehlten der Anlage einflussreiche Fürsprecher, und die Entwicklung der Artillerie machte solche Werke rasch wertlos. In den 1830er und 1840er Jahren dienten die Kasematten als Haftort für Oppositionelle; hier saßen unter anderem Wilhelm Wolff und der Schriftsteller Fritz Reuter ein.
Anfang 1860 erging der Befehl zur Aufgabe der Festung. Die letzten Soldaten zogen 1867 ab, danach nutzte man die Werke einige Jahre als Versuchsgelände für Artillerie und Sprengstoffe.
Ruine, Ausflugsziel, Lager
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entdeckten die preußischen Behörden den Fremdenverkehr: der Abbruch wurde gestoppt, die Festung für Besucher geöffnet. Um 1900 erschloss die Eulengebirgsbahn, eine Zahnradstrecke, den Pass zwischen den Forts; die Strecke ist längst stillgelegt, die Viadukte stehen noch. Nach dem Ersten Weltkrieg richtete man im Hauptfort ein Restaurant ein.
Der Zweite Weltkrieg beendete diese Entwicklung. In den Forts Spitzberg und Hohenstein bestand von Dezember 1939 bis September 1941 das Straflager Oflag VIII B für polnische Offiziere. Über dreihundert Gefangene waren hier, darunter Konteradmiral Józef Unrug, 1939 Befehlshaber der polnischen Küstenverteidigung.
In der Nacht vom 5. auf den 6. Mai 1940 gelang neun Offizieren der Ausbruch aus den Mauern. Drei von ihnen erreichten über mehrere Länder Syrien, wo die polnische Karpaten-Schützenbrigade aufgestellt wurde; die übrigen sechs wurden gefasst.
Was heute zu sehen ist
Nach 1945 verfiel die Anlage und wurde geplündert. Die Aufräumarbeiten begannen 1965 an einem der Forts, 1969 folgte der Spitzberg, und 1974 eröffnete im Donjon ein Waffenmuseum. Heute ist ein großer Teil zugänglich, in der Regel mit Führung: Kasematten, Höfe und die Aussichtsterrasse.
Seit dem 14. April 2004 ist die Festung durch Verordnung des polnischen Staatspräsidenten Geschichtsdenkmal; in die Denkmalliste kam sie schon 1961. Das Dorf Srebrna Góra (Silberberg) unterhalb der Forts ist zugleich ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen im Eulengebirge.
Anreise
- Mit dem Auto — Srebrna Góra liegt an der Straße von Ząbkowice Śląskie (Frankenstein) Richtung Nowa Ruda, etwa dreißig Kilometer von Kłodzko (Glatz); Parkplätze im Dorf und am Pass.
- Ohne Auto — Bahn bis Ząbkowice Śląskie oder Dzierżoniów, weiter mit dem Bus nach Srebrna Góra.
- Zu Fuß — vom Dorf führen markierte Wege hinauf, etwa eine halbe Stunde steiler Anstieg.
- Auf Tour — die Festung liegt an den Kammwegen des Eulengebirges, nicht weit von der Hohen Eule.
Praktische Hinweise
In den Kasematten ist es das ganze Jahr über kühl, auch im Hochsommer — eine Jacke gehört unabhängig vom Wetter dazu. Der Untergrund ist steinig und stellenweise rutschig, festes Schuhwerk lohnt sich.
Für eine Führung sind etwa zwei Stunden zu rechnen, mit den Außenforts ein halber Tag. Eingelassen wird zu festen Zeiten, in der Saison also mit Wartezeit; außerhalb der Ferien ist oft weniger zugänglich, ein Blick auf die offizielle Seite vorab hilft.
Der Blick von der Krone des Donjons entschädigt für den Aufstieg, doch bei tiefen Wolken, im Eulengebirge keine Seltenheit, sieht man wenig. Wer die Aussicht will, plant einen Reservetag ein.
Anreise und praktische Infos
- Lage
- über dem Silberberger Pass im Eulengebirge, bei Srebrna Góra, Gmina Stoszowice, Woiwodschaft Niederschlesien
- Sehenswert
- Donjon mit Kasematten, die Forts Spitzberg und Hohenstein, Aussichtsterrasse ins Warthagebirge
- Alter
- erbaut 1765–1777 nach Plänen von Ludwig Wilhelm Regler
- Status
- Geschichtsdenkmal (Pomnik historii) seit 2004, Denkmalliste seit 1961
- Zeitbedarf
- etwa zwei Stunden mit Führung, ein halber Tag mit den Außenforts
- Anreise ohne Auto
- Bahn nach Ząbkowice Śląskie oder Dzierżoniów, weiter mit dem Bus
- Barrierefreiheit
- steiler Anstieg, Steintreppen und unebene Böden in den Kasematten
- Aktuelle Öffnungszeiten und Tickets
- offizielle Seite der Festung Silberberg
Wann am besten
Die Hänge kommen unter dem Schnee hervor, vor der Saison ist es still. Am Pass kann es noch kalt und windig sein.
Der größte Teil der Anlage ist geöffnet, dafür kommen viele Gruppen, vor allem am Wochenende. In den Kasematten bleibt es kühl.
Buntes Laub im Eulengebirge und die beste Fernsicht vom Donjon. Die Tage sind kurz, der Aufstieg gehört in den Vormittag.
Schnee und Ruhe, aber der Anstieg ist oft vereist und weniger zugänglich als im Sommer.
Weitere Sehenswürdigkeiten in Glatzer Kessel
Entfernungen in Luftlinie ab „Festung Silberberg" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.
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