Dorf, Jesuiten, Industrieller
Die erste Nennung ist früh und ganz unspektakulär: 1347 erscheint die Siedlung zu der Hayde im Besitz der Familie von Glaubitz. 1538 kaufte die Stadt Glatz das Dorf als Ausstattung ihres Hospitals, Ende des 16. Jahrhunderts kam es an die Jesuiten, 1645 brannten es die Schweden nieder. 1706–1707 errichteten die Jesuiten einen Hof, der ab der Mitte des 18. Jahrhunderts Kurgäste aufnahm — der erste Beleg für den Kurbetrieb.
Über das säuerliche, moussierende Wasser wurde bereits im 17. Jahrhundert geschrieben, genutzt wurde es ernsthaft erst viel später. Nach der Aufhebung des Ordens 1773 fiel der Besitz an den preußischen Staat, und erst nach 1873 kaufte der Breslauer Industrielle Wenzel Hoffmann das Bad. Ab 1879 wurde das örtliche Moorlager abgebaut, 1890 kam die Bahn von Glatz.
Der eigentliche Sprung kam zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit einem Eigentümerwechsel und erheblichem Kapital. 1903–1904 wurde die Quelle Grosser Sprudel (Wielka Pieniawa) erbohrt, 1906 öffnete ein komfortables Kurhaus mit hundertdreißig Zimmern, das heutige Sanatorium gleichen Namens. In den folgenden Jahrzehnten vervielfachte sich die Zahl der Kurgäste, und Bad Altheide holte die älteren Bäder des Kessels ein, ohne deren Geschichte zu haben.
Das Wasser
Die Wässer von Polanica sind Calcium-Bicarbonat-Sauerbrunnen mit sehr hohem Kohlensäuregehalt. Die wichtigste und zugleich jüngste Fassung ist der Grosse Sprudel aus der Bohrung vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Daneben arbeiten unter anderem die Quellen Józef und Jerzy, deren Wasser abgefüllt wird. Insgesamt nutzt das Bad mehrere Fassungen, einen Teil für Trinkkuren, einen Teil für Bäder.
Das zweite Heilmittel ist das Moor aus dem örtlichen Lager, seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts in Gebrauch. Die Indikationen sind klar umrissen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Erkrankungen des Verdauungstrakts. Dazu kommen Programme zur Rauchentwöhnung, womit der Ort in der polnischen Bäderlandschaft eine eigene Nische besetzt.
Die Lage übernimmt einen Teil der Arbeit. Die Stadt reicht von etwa dreihundertfünfzig bis fünfhundertsechzig Meter Höhe, im Tal der Reinerzer Weistritz (Bystrzyca Dusznicka) am Fuß des Höllenbergs am südöstlichen Rand des Heuscheuergebirges; der Südteil, Sokołówka, steigt bereits in die Hänge des Habelschwerdter Gebirges. Das Klima ist mild und submontan — geschützt, ohne harte Kontraste.
Ein Kurviertel aus einem Guss
Das Zentrum von Polanica liest sich leicht, weil es in kurzer Zeit und nach einem Konzept entstand. Der Kurpark wurde 1906 angelegt; nach der Erneuerung von 2011 sind alte Bäume, Azaleen, Rhododendren und Magnolien wieder zur Geltung gekommen, die im Mai blühen und den Park dann völlig verwandeln. Am Park steht das Kurhaus mit der Trinkhalle von 1911, in Jugendstil- und klassizistischen Formen, mit Wandelhalle — der Ort, an dem man bei schlechtem Wetter einfach hin und her geht.
Wenige Schritte weiter liegt das Kurtheater, eröffnet 1925, mit knapp dreihundert Plätzen; nach der Modernisierung von 2010–2011 erfüllt es weiterhin seine ursprüngliche Aufgabe. Dazu kommen die neobarocke Kirche Mariä Himmelfahrt von 1910, der alte Jesuitenhof vom Beginn des 18. Jahrhunderts und der Bahnhof von 1890.
Polanica ist klein — rund sechstausend Einwohner auf siebzehn Quadratkilometern — und das kommt ihm zugute. Von der Trinkhalle zum Theater, von dort zur Kirche und zurück in den Park sind es jeweils wenige Minuten, ohne Umsteigen und ohne Planung. Ein Kurort, den man an einem Nachmittag zu Fuß kennenlernt und in dem man dann eine Woche bleibt.
Schach, Lyrik und Amateurfilm
Kulturell spielt Polanica eine Rolle, die zu seiner Größe nicht passt, und das vor allem durch Schach. Das Akiba-Rubinstein-Memorial, benannt nach einem der stärksten Spieler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, zog über Jahrzehnte Spitzenspieler hierher; in der Stadt steht ein Denkmal für ihn. In Schachkreisen ist der Name Polanica bekannter als in Reiseführern.
Die zweite Linie sind Literatur und Film. 1966–1974 fanden hier die Glatzer Poesiefrühlinge statt, von 1965 bis 2010 das Internationale Amateurfilmfestival POL-8 — eine der langlebigsten Veranstaltungen dieser Art in Europa. Beides ist heute vor allem an Namen und Tafeln ablesbar, erklärt aber, warum eine so kleine Stadt ein Theater mit richtigem Zuschauerraum besitzt.
Anreise
- Mit dem Auto — Fernstraße 8 (Europastraße E67) von Glatz, etwa zwölf Kilometer nach Südwesten; die Stadt liegt direkt daran.
- Woiwodschaftsstraße 388 — die ruhigere Verbindung Richtung Duszniki-Zdrój und Habelschwerdter Gebirge.
- Mit der Bahn — Station an der Strecke Glatz–Kudowa-Zdrój, Bahnhofsgebäude von 1890 im Stadtgebiet.
- Mit dem Bus — der Busbahnhof liegt zentral, nahe am Kurviertel.
- Mit dem Flugzeug — nächster Flughafen ist Breslau (Wrocław), gut hundert Kilometer entfernt.
Praktische Hinweise
Polanica ist der bequemste Ausgangspunkt für den Glatzer Kessel ohne Auto: an der Fernstraße, mit Bahn- und Busbahnhof im Zentrum, und von hier aus sind Duszniki, Kudowa und Glatz gleichermaßen nah. Zugleich ist der Ort still genug, um abends einfach im Park zu sitzen.
Wer wählen kann, kommt im Mai — dann blühen Azaleen und Rhododendren im Kurpark, und nur dann ist dieser Park wirklich sehenswert. Anwendungen, Öffnungen und Theaterprogramm wechseln mit der Saison; verlässlich ist dafür die Seite der Stadt.
Anreise und praktische Infos
- Lage
- Tal der Reinerzer Weistritz am Fuß des Höllenbergs, südöstlicher Rand des Heuscheuergebirges, Woiwodschaft Niederschlesien, Kreis Kłodzko; etwa zwölf Kilometer von Glatz
- Höhe
- etwa 350 bis 560 Meter über dem Meer
- Was es ist
- staatlich anerkanntes Heilbad; säuerliche Wässer im 17. Jahrhundert erwähnt, Kuren im Jesuitenhof ab Mitte des 18. Jahrhunderts
- Heilmittel
- kohlensäurereiche Calcium-Bicarbonat-Sauerbrunnen und Heilmoor aus örtlichem Lager
- Hauptquellen
- Grosser Sprudel (erbohrt 1903–1904), Józef und Jerzy
- Indikationen
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Erkrankungen des Verdauungstrakts; Programme zur Rauchentwöhnung
- Kurpark
- 1906 angelegt, 2011 erneuert; Azaleen, Rhododendren, Magnolien
- Kurarchitektur
- Kurhaus mit Trinkhalle von 1911 (Jugendstil und Klassizismus, Wandelhalle), Kurtheater von 1925, Kurhaus von 1906
- Weitere Baudenkmale
- neobarocke Kirche Mariä Himmelfahrt von 1910, Jesuitenhof von 1706–1707, Bahnhof von 1890
- Kultur
- Akiba-Rubinstein-Memorial (Schach), Glatzer Poesiefrühlinge 1966–1974, Festival POL-8 von 1965 bis 2010
- Größe
- rund sechstausend Einwohner, Fläche gut siebzehn Quadratkilometer
- Aufenthalt
- ein Nachmittag für den Kurort selbst; als Basis für den Kessel mehrere Tage
- Aktuelle Zeiten und Preise
- offizielle Seite der Stadt Polanica-Zdrój
Wann am besten
Der Mai ist hier der wichtigste Monat: Azaleen, Rhododendren und Magnolien blühen im Kurpark. Im April ist der Park noch kahl, dafür leer und still.
Volle Saison mit Konzerten und Leben auf der Promenade. Bei Hitze wird es im Tal schwer, dann lohnt der Weg nach oben ins Habelschwerdter Gebirge oder an den Rand der Heuscheuer.
Gute Zeit für Kur und Spaziergänge: weniger Gäste, gefärbte Hänge des Höllenbergs, noch stabiles Wetter.
Kurbetrieb und Wandelhalle laufen ganzjährig, bei schlechtem Wetter ersetzt die Trinkhalle den Spaziergang. Im Tal liegt oft wenig Schnee; zum Skifahren fährt man nach Zieleniec.
Weitere Sehenswürdigkeiten in Glatzer Kessel
Entfernungen in Luftlinie ab „Polanica-Zdrój (Bad Altheide) — Kurort" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.
Übernachten in der Nähe
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