Geologie — ein Meer von vor 90 Mio. Jahren
Das Heuscheuergebirge ist ein geologisches Phänomen Europas — ein Sandsteinplateau, das vor ~90 Mio. Jahren auf dem Grund eines Kreidemeeres entstand. Auf den Grund sanken Schichten aus Sand, Schlamm und Muscheln und bildeten dicke Lager aus Sandstein und Mergel. Nach dem Rückzug des Meeres und der Hebung der Sudeten wurde der Sandstein durch Wasser- und Verwitterungserosion geformt — Wasser drang in die Bindemittel ein, erweiterte die Spalten und schuf die charakteristische Landschaft.
Daher der Name „Heuscheuergebirge“ bzw. polnisch Tafelgebirge — nach den flachen, tafelartigen Gipfeln, im Unterschied zu typischen alpinen Spitzen. Der Große Heuscheuerberg ist eines der größten solcher Plateaus (~250 ha), der Kleine Heuscheuerberg (sein Nachbar) das zweite. Geologisch ähnliche Formationen finden sich in der Böhmischen Schweiz (auf tschechischer Seite) und teilweise in der Sächsischen Schweiz (Deutschland).
Aufstieg — die Anna-Treppen von 1814
Der klassische Aufstieg erfolgt von Karłów (~750 m ü. M.) über steinerne Treppen, die 1814 in den Fels gehauen wurden — einer der ersten formell angelegten Wanderwege Polens. Die Treppen ließ Herzogin Anna von Mecklenburg-Strelitz entwerfen, die den Gipfel einem breiteren Publikum zugänglich machen wollte (zuvor war der Zugang nur den Einheimischen vorbehalten).
Die Route: Parkplatz in Karłów → 665 Stufen → Plateau → Route innerhalb des Labyrinths → Abstieg über dieselben Treppen. Dauer: 2,5–3 Std. in ruhigem Tempo, mehr mit Kindern und beim Fotografieren. Die letzten 30 Min. des Aufstiegs können für weniger fitte Personen eine Herausforderung sein.
Die berühmtesten Formationen
- Thron des Urahnen — eine thronförmige Formation, das berühmteste Motiv des Heuscheuerbergs
- Glucke — ein Felsblock, der an eine sitzende Henne erinnert
- Kamel — ein Fels mit dem Aussehen eines Kamels
- Elefant, Affe, Affenmensch — weitere tiergestaltige Formationen
- Höllchen — ein schmaler, dunkler Korridor zwischen den Felsen (einer der fotogensten)
- Teufelsküche — eine tiefe Kluft mit in den Fels ausgehöhlten „Töpfen“
- Aussichtspunkte — vom oberen Plateaurand Panorama auf das Riesengebirge und die tschechischen Sudeten
Praktisches
- Ticket für den Nationalpark Heuscheuergebirge: ~10 zł / Tag (Kassen in Karłów)
- Parkplatz: in Karłów, kostenpflichtig ~15 zł/Tag, in der Saison rasch belegt
- Schwierigkeit: mittel (665 Stufen sind anstrengend, aber verteilt)
- Schuhe: Trekkingschuhe (Felsen nach Regen rutschig)
- Berghütte „Na Szczelińcu“: auf dem Plateau, warme Mahlzeiten, regionale Küche
- Winter: Route geöffnet, aber Treppen vereist — Grödel empfehlenswert
- Andrang: im Juli/August Warteschlangen auf den Treppen. Komm früh morgens (vor 9:00)
Anreise und praktische Infos
- Höhe
- 919 m ü. M. (höchster im NP Heuscheuergebirge)
- Startpunkt
- Karłów (Parkplatz)
- Ausflugsdauer
- 2,5–3 Std.
- Nationalpark-Ticket
- ~10 zł / Tag
- Parkplatz
- ~15 zł / Tag
- Berghütte
- Auf dem Plateau, ganzjährig geöffnet
Wann am besten
Mai – frisches Grün, wenig Andrang, optimale Zeit.
Gedränge. Komm früh. An heißen Tagen Schutz im Schatten der Felsen.
September – goldene Buchen, Nebel zwischen den Felsen, die schönste Zeit.
Treppen vereist — Grödel obligatorisch. Der Zauber verschneiter Formationen.
Weitere Sehenswürdigkeiten in Glatzer Kessel
Entfernungen in Luftlinie ab „Großer Heuscheuerberg" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.
Übernachten in der Nähe
Unterkünfte aus unserer Liste, von denen Großer Heuscheuerberg fußläufig oder mit kurzer Anfahrt erreichbar ist.