Der Hügel ist älter als die Stadt
Die Anhöhe im Stadtteil Zamłynie wirkt heute unscheinbar: auf einer Seite fließt die Bytomka herum, auf den anderen liegen feuchte Wiesen, früher Sumpf. Genau diese Kombination — wenige Meter Höhe und Wasser ringsum — machte den Ort im 11. Jahrhundert zur natürlichen Wahl für eine Burg.
Die Burg Beuthen entstand wahrscheinlich in der Mitte des 11. Jahrhunderts, während der polnisch-böhmischen Kämpfe um Schlesien; sie sollte den Weg nach Krakau sperren. Erste schriftliche Nennungen stammen aus den 1120er Jahren und von 1136. Ihre größte Bedeutung hatte sie um 1200 als Sitz eines Bezirks und später einer Kastellanei — bis daneben die Stadt gegründet wurde und das Zentrum vom Hügel auf den Markt wanderte.
Die Befestigungen selbst wurden bislang nicht gefunden, doch Archäologen der Schlesischen Universität stießen hier auf Keramik des 12. Jahrhunderts. Die Burg diente offenbar dem Schutz der Gebiete, in denen Silber- und Bleierze gewonnen wurden — dasselbe Erz, das Jahrhunderte später Beuthen und Tarnowitz zu Bergbauzentren machte.
Vier Kirchen an derselben Stelle
Eine romanische Steinkirche stiftete hier um 1170 Herzog Bolesław IV. der Kraushaarige. Wie sie aussah, ist aus einer ungewöhnlichen Quelle bekannt: Ihr Baukörper erscheint auf dem Jaksa-Tympanon aus der abgebrochenen Abteikirche im Breslauer Stadtteil Ołbin. Nach der Einnahme Beuthens durch die Hussiten 1430 gingen Kirche und Burg mit großer Wahrscheinlichkeit unter.
Danach standen auf dem Hügel zwei hölzerne Kirchen; 1598 nennen die Quellen nur noch eine solche. Der Bau des 17. Jahrhunderts wurde 1681 umgebaut und diente bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts als Friedhofskirche. 1880 ließ ihn Pfarrer Norbert Bonczyk abbrechen, weil Einsturzgefahr bestand.
Die vierte Kirche, die heutige, wurde ein Jahr später fertig: ein neugotischer Ziegelbau, einschiffig, mit einem einzigen in die Fassade eingebundenen Turm, entworfen von Jan Kowolik. Die Weihe fand am 7. Juni 1881 statt. Die Margaretenpfarrei, 1660 mit der Pfarrei Mariä Himmelfahrt vereinigt, gilt als die älteste der Stadt — die erste Pfarrkirche Beuthens stand nämlich nicht in der Stadt, sondern hier.
Eine Glocke aus Troppau
Im Turm hängt eine einzige Glocke, dem heiligen Johannes Nepomuk geweiht und etwa sechzig Kilogramm schwer. Gegossen hat sie 1734 Franziskus Stanke in Troppau; sie ist damit rund hundertfünfzig Jahre älter als das Gebäude, in das sie kam. Die Orgel verfügt über neun Register.
Archäologische Arbeiten bringen bis heute Neues: 2018 fand man in der Vorhalle die Überreste eines unter dem Boden Bestatteten. Die Kirche steht seit 2015 im Denkmalregister der Woiwodschaft Schlesien; der Burgplatz selbst ist unter einer eigenen, deutlich älteren Nummer eingetragen.
Rings um die Kirche
- Pfarrfriedhof — seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts genutzt, umgibt die Kirche vollständig
- Missionshaus St. Margareta — Sitz der Steyler Missionare, die seit 1940 auf dem Hügel sind und die Pfarrei führen
- Burgplatz — eigenständig geschützt, oberirdisch ohne sichtbare Reste
- Wiesen an der Bytomka — Rest der Sümpfe, die die Burg besser schützten als jeder Wall
- Blick nach Schomberg — gut zu sehen sind die Türme der Herz-Jesu-Kirche, oberschlesische Moderne im Maßstab einer Kathedrale
Anfahrt
- Mit dem Bus — Linien aus dem Zentrum von Bytom in Richtung Szombierki und Miechowice, dann wenige Minuten bergauf
- Mit der Bahn — Bahnhof Bytom, weiter mit dem Bus oder zu Fuß durch Zamłynie
- Mit dem Auto — Zufahrt von Szombierki her, Parken an der Kirche
- Zu Fuß — vom Markt in Bytom etwa vierzig Minuten entlang des Bytomka-Tals
Praktische Hinweise
Hier lohnt es, die Reihenfolge umzudrehen: erst der Hügel, dann der Markt. Erst dann wird deutlich, dass die Stadt nicht um ihre Kirche gewachsen ist, sondern sich zwei Kilometer von ihr entfernt hat und die Kirche mit ihrem Friedhof auf dem alten Burgplatz zurückließ.
Das Innere ist vor allem zu den Gottesdiensten zugänglich; außerhalb davon fragt man am besten in der Pfarrei nach. Von außen und vom Friedhof aus lässt sich die Kirche jederzeit umgehen, und die Lage ist hier ohnehin interessanter als jedes Baudetail.
Bytom gibt einem Tagesausflug einen klaren Rhythmus: Margaretenhügel, die moderne Kirche in Szombierki, das Oberschlesische Museum und die Jugendstilhäuser im Zentrum. Auch die zum UNESCO-Welterbe zählenden Tarnowitzer Untertagewerke sind nicht weit.
Anreise und praktische Infos
- Lage
- Bytom (Beuthen), Stadtteil Zamłynie — Margaretenhügel an der ulica Małgorzatki, über der Bytomka
- Erbaut
- fertiggestellt 1881, geweiht am 7. Juni 1881; Entwurf von Jan Kowolik
- Stil
- Neugotik, Ziegelbau, einschiffig, mit einem Turm
- Vorgängerbauten
- romanische Kirche von etwa 1170 und zwei Holzkirchen; die heutige ist die vierte
- Schutzstatus
- Denkmalregister der Woiwodschaft Schlesien seit 2015; der Burgplatz separat eingetragen
- Träger
- Pfarrei St. Margareta, geführt von den Steyler Missionaren, Diözese Gliwice
- Zeitbedarf
- eine halbe Stunde für Kirche und Friedhof, mehr mit einem Abstieg ins Bytomka-Tal
- Aktuelle Öffnung und Tickets
- der Zugang zum Hügel ist frei; über Gottesdienste und die Öffnung des Innenraums informiert die Pfarrei St. Margareta sowie das Portal der Diözese Gliwice
Wann am besten
Die Wiesen an der Bytomka werden schnell grün, und ohne Laub ist die Form der Anhöhe noch gut zu erkennen.
Der alte Friedhof bietet den meisten Schatten in diesem Teil der Stadt; abends liegt das Licht schön auf der Ziegelfassade.
Die beste Zeit für diesen Ort: Nebel im Tal und alte Friedhofsbäume machen aus dem Hügel eine eigene Insel.
Die kurzen Tage begrenzen den Besuch, doch von der verschneiten Anhöhe reicht der Blick bis zu den Türmen von Szombierki.
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Entfernungen in Luftlinie ab „St.-Margareten-Kirche in Bytom" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.
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