Sehenswürdigkeit der Region Woiwodschaft Schlesien

Nikiszowiec in Kattowitz — eine Bergarbeitersiedlung aus rotem Backstein

Neun geschlossene Blocks aus unverputztem Ziegel, durch Torbögen verbunden und um einen einzigen Platz gruppiert. Die Siedlung für die Belegschaft der Zeche Giesche entwarfen die Berliner Architekten Emil und Georg Zillmann; seit 2011 ist sie polnisches Geschichtsdenkmal.

fot. Marta Morawa, CC BY-SA 3.0 pl · Wikimedia Commons

Eine Siedlung, gebaut von einer Zeche

Nikiszowiec entstand nicht als Stadtteil, sondern als Wohnort für die Belegschaft eines einzigen Betriebs. Bauherr war die Bergbaugesellschaft Georg von Giesches Erben, die Siedlung war für die Kumpel der Zeche „Giesche“ bestimmt, nach 1945 „Wieczorek“ genannt. Der Name geht auf den Nickischschacht zurück.

Der Entwurf stammt von 1908, die Architekten waren die Vettern Emil und Georg Zillmann aus Berlin-Charlottenburg, die für dieselbe Gesellschaft schon die Nachbarsiedlung Giszowiec (Gieschewald) geplant hatten. Die beiden Anlagen sind bewusste Gegensätze: Gieschewald eine Gartenstadt mit Einfamilienhäusern im Grünen, Nikiszowiec dagegen städtisch, dicht und aus dunklem Backstein.

Der erste Block wurde 1911 bezogen, der letzte erst nach dem Ersten Weltkrieg fertig. Der ursprüngliche Plan blieb unvollständig — der vorgesehene Siedlungspark wurde nie angelegt. Die Bauleitung lag bei Anton Uthemann, dem Direktor der Gesellschaft.

Bauweise und Grundrisse

Die Siedlung bedeckt etwa 15 Hektar und besteht aus neun Blocks, jeder ein geschlossener Karree-Bau mit Innenhof. Mehr als tausend Bergmannsfamilien wohnten hier. Die übliche Wohnung hatte zwei Zimmer und Küche auf rund 63 m², die kleinere Variante Zimmer, Kammer und Küche auf etwa 53 m². Eine Toilette teilten in der Regel zwei Haushalte; Bad und Waschhaus waren gemeinschaftlich.

Die Fassaden blieben unverputzt, und genau daraus bezieht Nikiszowiec seine Wirkung: eine einheitliche Farbe, ein gleichmäßiger Fensterrhythmus und dennoch viel Detail — Erker, Torbögen, wechselnde Ziegelverbände, von Block zu Block andere Fenstergewände. Die Zillmanns vermieden Monotonie ohne jeden Zierrat.

Die Anlage war als eigene kleine Welt geplant. Am Platz lagen Konsumläden, ein Gasthaus, zwei Schulen und die Kirche; im größten Hof standen Kesselhaus, Bad mit Waschhaus, Verwaltung und ein Ledigenheim. Zur Arbeit waren es wenige Minuten — die Zeche lag gegenüber.

Platz und Annenkirche

Der langgezogene Platz Wyzwolenia ist die einzige größere Öffnung in der dichten Bebauung und bis heute das Zentrum: hier stehen die Bänke, hier finden die Märkte statt. Weil der Platz kein regelmäßiges Rechteck ist und die Blocks ihn in unterschiedlichen Winkeln fassen, sieht er von jeder Seite anders aus.

Beherrscht wird er von der Annenkirche, einem neobarocken Bau aus demselben dunklen Ziegel, ebenfalls von den Zillmanns entworfen. Begonnen 1914, durch Krieg und Inflation unterbrochen, wurde sie erst 1927 vollendet. Sie ist deutlich größer, als die Einwohnerzahl verlangt hätte, und wirkt zwischen den Wohnblocks beinahe wie eine Kathedrale.

Museum im Waschhaus, Maler unter Tage

Im früheren Wasch- und Badehaus an der Rymarska-Straße sitzt seit 2011 die ethnologische Abteilung des Museums der Geschichte Kattowitz; davor war dort ab 1996 die Galerie „Magiel“. Gezeigt wird der Alltag der Siedlung: eine nachgebaute Bergmannswohnung, der Arbeitsalltag der Frauen, Familien- und Kirchenfeste.

Die zweite Dauerausstellung widmet sich der Janower Gruppe, einem Kreis malender Bergleute der Zeche „Wieczorek“, der sich unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg im Werksklub bildete. Der bekannteste war Teofil Ociepka, Maschinist im Zechenkraftwerk, dessen phantastische, okkult geprägte Bilder ihn neben Nikifor zum wichtigsten polnischen Vertreter der naiven Malerei machten. Lech Majewski verfilmte die Geschichte der Gruppe als „Angelus“.

Schutz, Termine, Anfahrt

  • Denkmalschutz — der städtebauliche Grundriss ist seit 1978 eingetragen, die Gebäude selbst seit 2013.
  • Geschichtsdenkmal — durch Verordnung des polnischen Präsidenten vom 14. Januar 2011.
  • Route der Technikdenkmäler — Mitglied seit 2006, gemeinsam mit Gieschewald und Dutzenden weiteren Industrieanlagen Oberschlesiens.
  • Märkte — der Handwerkermarkt vor Weihnachten ist der bekannteste Termin, sein sommerliches Gegenstück ist das Kirchweihfest zur Patronin Anna.
  • Anfahrt — vom Zentrum Kattowitz einige Kilometer nach Osten über die Szopienicka; Busse fahren bis an die Siedlung, die Fahrt dauert etwa zwanzig Minuten.
  • Hinweis — die Siedlung ist bewohnt; die Innenhöfe sind privat, besichtigt wird von den Straßen und Durchgängen aus.

Anreise und praktische Infos

Lage
östliches Kattowitz, Stadtteil Janów-Nikiszowiec, an der Szopienicka- und Zamkowa-Straße
Entstehung
Entwurf 1908, Bau ab 1911 bis in die 1920er Jahre; Architekten Emil und Georg Zillmann
Größe
etwa 15 Hektar, neun geschlossene Blocks mit Innenhöfen
Schutzstatus
Geschichtsdenkmal seit dem 14. Januar 2011, Denkmalregister seit 1978
Sehenswert
Platz Wyzwolenia, Annenkirche, Museum im früheren Waschhaus, Torbögen und Höfe
Dauer
zwei Stunden für die Siedlung, drei mit Museum
In der Nähe
Gieschewald (Giszowiec), Zeche „Wieczorek“, Szopienice, Route der Technikdenkmäler
Aktuelle Zeiten und Tickets
die Siedlung besteht aus öffentlichen Straßen und ist frei zugänglich; Öffnungszeiten der Ausstellungen nennt das Museum der Geschichte Kattowitz
Mapa: Google Maps · 50.2434, 19.0816

Wann am besten

Frühling

In den Höfen schlagen die Bäume aus, und das helle Laub vor dunklem Ziegel ist das Motiv, für das Fotografen hierherkommen.

Sommer

Die beste Zeit für den Weg zwischen Nikiszowiec und Gieschewald; im Juli wird das Kirchweihfest der Patronin gefeiert.

Herbst

Nebel und nasse Fassaden — dann sieht die Siedlung aus wie auf den Bildern der Janower Maler.

Winter

Zeit des Handwerkermarkts auf dem Platz: der belebteste und gleichzeitig vollste Moment des Jahres.

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Entfernungen in Luftlinie ab „Nikiszowiec (Nickischschacht)" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.

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Übernachten in der Nähe

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