Bergfreiheit, Galenit und ein Ort namens „Berge“
Tarnowitz ist eine Stadt, die es ohne Erz nicht gäbe. Gewonnen wurde Galenit, Bleiglanz, aus dem sich sowohl Blei als auch das darin eingelagerte Silber gewinnen ließ. 1526 erhielt der Ort von Herzog Johann II. von Oppeln und Markgraf Georg von Brandenburg-Ansbach die Bergfreiheit und ein eigenes Bergrecht. Die ersten Bergleute kamen aus Franken — aus den hohenzollernschen Gebieten um Ansbach und Bayreuth — sowie aus dem böhmischen Revier um Kuttenberg; deutsch und tschechisch wurde hier zuerst gesprochen, polonisiert hat sich die Stadt erst später. Der Namensteil „Góry“, Berge, meint nicht die Landschaft, sondern die Schächte und Halden ringsum.
Die Blütezeit endete mit dem 16. Jahrhundert. In größerer Tiefe wurde das Grubenwasser zum beherrschenden Problem, Pferdegöpel schafften es nicht heraus, und der Dreißigjährige Krieg zerstörte, was an Wasserhaltung noch funktionierte. Fast zwei Jahrhunderte lag der Bergbau brach.
Wiederbelebt wurde er unter preußischer Verwaltung von Friedrich Wilhelm von Reden und Friedrich Anton von Heynitz, die 1776 gemeinsam die englischen Industriereviere bereist hatten. Im Oktober 1783 begann das Abteufen, und am 16. Juli 1784 stieß man im Schacht „Rudolphine“ in achtzehn Metern Tiefe auf reiche Erze. Die neue königliche Grube erhielt den Namen Friedrichsgrube und arbeitete bis in die 1910er Jahre.
Das Wasser als eigentliches Denkmal
Ausgezeichnet wurde Tarnowitz nicht für das Erz, sondern für die Art, wie man hier das Wasser in den Griff bekam. Den ersten Schritt machte eine Dampfmaschine, die am 19. Januar 1788 anlief — die erste im Königreich Preußen und eine der ersten auf dem europäischen Festland. Sie trieb die Pumpen der Erzgruben an und machte die tieferen Sohlen überhaupt erst zugänglich.
Den zweiten Schritt machte der Tiefe Friedrichstollen. Den Entwurf der Bergmeister Thürnagel und Eisleben genehmigte man im Dezember 1820, angeschlagen wurde der Stollen am 21. April 1821 in Ptakowitz. Der 4568 Meter lange Hauptlauf wurde gleichzeitig von vierzehn Ortsbrüsten aus vorgetrieben, erreichbar über schmale Lichtlöcher; fünfundzwanzig weitere Schächtchen dienten der Belüftung. Bei drei bis vier Metern Vortrieb pro Woche dauerte das dreizehn Jahre, bis der Stollen am 15. Juli 1834 feierlich in Betrieb ging.
Das Mundloch fasste man in ein klassizistisches Sandsteinportal, heute „Brama Gwarków“, das Tor der Bergleute. Die offene Rösche führt das Wasser nach knapp neunhundert Metern in die Drama. Insgesamt hinterließen vier Jahrhunderte Bergbau über zwanzigtausend Schächte und mehr als hundertfünfzig Kilometer Grubenbaue.
Was Besucher zu sehen bekommen
Das Historische Silberbergwerk zeigt einen Ausschnitt der alten Friedrichsgrube. Der seit dem 5. September 1976 begehbare Rundweg verläuft in vierzig Metern Tiefe, ist 1740 Meter lang und verbindet die Schächte „Anioł“ (Engel), „Żmija“ (Viper) und „Szczęść Boże“ (Glückauf). Rund zweihundertsiebzig Meter werden mit dem Boot zurückgelegt. Am Weg liegen drei Kammern zwischen fünfhundert und zweitausend Quadratmetern, dazu Abbauorte und Arbeitsplätze des 18. und 19. Jahrhunderts. Unter Tage herrschen konstant zehn Grad. Über Tage gehört ein Freilichtmuseum mit Dampfmaschinen, Lokomobilen und Dampflokomotiven dazu, umrundet von einer fünfhundert Meter langen Schmalspurbahn.
Der Schwarze-Forelle-Stollen (Sztolnia Czarnego Pstrąga) ist ein sechshundert Meter langer Abschnitt des Tiefen Friedrichstollens, schon seit 1957 zugänglich und jahrzehntelang die längste Untertage-Bootsfahrt Polens. Man steigt über eine gewundene Treppe zur Anlegestelle im Schacht „Ewa“ oder „Sylwester“ hinab — gefahren wird im Pendelverkehr — und wird dann durch den Stollen gestakt, während der Führer erzählt. Der Gang ist zwischen 1,2 und 2,5 Meter breit, bis zu vier Meter hoch, das Wasser knapp einen Meter tief. An der Firste wachsen junge, feine Tropfsteine.
Anreise
- Mit dem Auto — Tarnowitz liegt am Kreuz der Autobahnen A1 und A4, gut fünfzehn Kilometer nördlich von Kattowitz; Bergwerk und Stollen haben eigene Parkplätze, liegen aber etwa fünf Kilometer voneinander entfernt.
- Mit der Bahn — Tarnowskie Góry ist ein großer Knotenbahnhof mit direkten Zügen aus Katowice, Gliwice und Opole; zum Silberbergwerk fährt ein Stadtbus.
- Mit dem Flugzeug — der Flughafen Katowice-Pyrzowice liegt rund dreißig Kilometer entfernt und ist von mehreren deutschen Städten aus angebunden.
- An einem Tag — beide Untertage-Touren lassen sich gut verbinden; das Bergwerk braucht mehr Zeit und gehört an den Anfang.
Gut zu wissen
Die Einschreibung erfolgte am 9. Juli 2017 auf der 41. Sitzung des Welterbekomitees in Krakau. Sie umfasst achtundzwanzig Einzelobjekte in Tarnowskie Góry, Bytom (Beuthen) und der Gemeinde Zbrosławice: Grubenbaue, Strecken, Schächte, Stollen, eine Wäschehalde und einen Park vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Welterbe erstreckt sich über rund 1673 Hektar mit einer Pufferzone von etwa 2774 Hektar. Das Silberbergwerk ist zugleich Ankerpunkt der Europäischen Route der Industriekultur.
Für beide Touren gilt: warm anziehen und Schuhe wählen, die nass werden dürfen. Der Weg im Bergwerk ist barrierefrei, in den Stollen führt eine Treppe hinunter. Besichtigt wird nur mit Führung; fremdsprachige Führungen sind vorher anzumelden. Teile der Grubenbaue sind Winterquartier für Fledermäuse und daher außerhalb der Besucherwege gesperrt.
Anreise und praktische Infos
- Lage
- Tarnowskie Góry (Tarnowitz), Bytom und Gemeinde Zbrosławice, Woiwodschaft Schlesien
- UNESCO-Welterbe seit
- 9. Juli 2017, als Ensemble aus 28 Einzelobjekten
- Fläche
- rund 1673 Hektar, Pufferzone etwa 2774 Hektar
- Rundweg im Silberbergwerk
- 1740 Meter in 40 Metern Tiefe, davon etwa 270 Meter im Boot
- Schwarze-Forelle-Stollen
- 600 Meter Bootsfahrt zwischen den Schächten „Ewa“ und „Sylwester“
- Temperatur unter Tage
- konstant etwa 10 °C
- Dauer
- etwa 1,5 Stunden im Bergwerk, etwa 40 Minuten im Stollen
- Hinweis
- nur mit Führung; fremdsprachige Touren nach Voranmeldung
- Aktuelle Öffnungszeiten und Tickets
- Historisches Silberbergwerk, Schwarze-Forelle-Stollen
Wann am besten
Unter Tage spielt das Wetter keine Rolle, und oben zeigt sich das Dramatal am Stollenmundloch von seiner besten Seite. Weniger Gruppen als im Juli, also leichter einen passenden Termin zu finden.
Hochsaison und Veranstaltungszeit: im Juli erinnert ein Bergfest an die Entdeckung der Erze, im Juni beteiligt sich das Bergwerk an der schlesischen Industriade. Der Temperatursprung von zwanzig Grad beim Einfahren überrascht die meisten.
Ruhige Zeit für eine Einfahrt, und die Wäschehalde mit ihrer seltenen Galmeiflora lohnt dann einen Spaziergang.
Bergwerk und Stollen bleiben geöffnet, aber die Tage sind kurz und die Besuchszeiten kürzer als in der Saison. In den gesperrten Bauen überwintern Fledermäuse.
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Entfernungen in Luftlinie ab „Bergwerk von Tarnowskie Góry (Tarnowitz)" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.
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