Sehenswürdigkeit der Region Warschau

Der Königsweg in Warschau — eine Achse, an der die ganze Stadt aufgereiht ist

Vom Schlossplatz bis nach Wilanów zieht sich eine Folge von Straßen und Alleen, an der fast alles liegt, was man in Warschau sehen sollte. Der Königsweg ist kein einzelnes Denkmal, sondern eine Route: gut zehn Kilometer, auf denen sich die Stadtgeschichte der Reihe nach erzählen lässt.

fot. Hrs Poland, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Was der Königsweg ist

Der Name ist informell und bezeichnet keine einzelne Straße. Die Achse beginnt am Schlossplatz (plac Zamkowy), führt über Krakowskie Przedmieście und Nowy Świat in die Ujazdowski-Allee (Aleje Ujazdowskie) und erreicht über die Straßen Belwederska und Sobieskiego schließlich Wilanów. Das sind gut zehn Kilometer — zu Fuß mit Pausen ein ganzer Tag.

„Königlich“ ist nicht geschönt: An beiden Enden liegen Herrschersitze, das Königsschloss und das Schloss Wilanów, die private Residenz Johanns III. Sobieski. Dazwischen passiert man den Łazienki-Park und das Belweder-Palais.

Seit 1994 steht die Achse als Teil des „historischen Stadtgefüges mit dem Königsweg und Wilanów“ unter dem Status Pomnik historii, der höchsten polnischen Denkmalkategorie. Geschützt ist nicht ein einzelnes Haus, sondern die gesamte Anlage: Straßenraum, Maßstab, Baumbestand, Blickachsen.

Abschnitt für Abschnitt entstanden

Der älteste Teil war einfach die Ausfallstraße der mittelalterlichen Stadt. Schon im 14. Jahrhundert wuchs an der Krakauer Pforte eine Vorstadt, und der Weg führte von hier nach Czersk und weiter nach Krakau — daher der Name Krakowskie Przedmieście („Krakauer Vorstadt“), heute etwas über einen Kilometer lang. Vollständig gepflastert wurde die Straße um 1762, Gaslaternen kamen 1855.

Nowy Świat („Neue Welt“) heißt so nach der Besiedlung, die im 17. Jahrhundert außerhalb der Stadtmauern an der alten Straße nach Ujazdów entstand; der Abschnitt ist rund einen Kilometer lang.

Am überraschendsten ist der jüngste Teil. Die heute etwa 1,6 km lange Ujazdowski-Allee wurde 1722–1732 auf Anordnung Augusts II. als Kalvarienweg angelegt: vierzehn Meter breit, mit Linden bepflanzt, mit 28 Kapellen nach Entwürfen von Joachim Daniel Jauch. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden die Kapellen abgebrochen, aus dem Prozessionsweg wurde eine Prachtallee. Der Ujazdowski-Park kam erst 1893–1896 hinzu.

Was man unterwegs sieht

Der erste Abschnitt ist der dichteste: die Annenkirche mit Aussichtsturm, die Karmeliterkirche, der Präsidentenpalast, der Potocki-Palast, die Heilig-Kreuz-Basilika, die Visitantinnenkirche, das Kazimierz-Palais mit dem Hof der Universität Warschau und der Staszic-Palast. Dazwischen stehen die Denkmäler für Mickiewicz, Kopernikus, Poniatowski und Kardinal Wyszyński.

Hinter Nowy Świat öffnet sich der Platz der drei Kreuze mit der Alexanderkirche, danach wechselt der Charakter völlig: die Ujazdowski-Allee ist breit, beschattet und von Palais und Villen gesäumt, in denen sich nach dem Ersten Weltkrieg Gesandtschaften und Botschaften einrichteten.

Weiter südlich liegen rechts der Łazienki-Park mit dem Palast auf der Insel, dann das Belweder, und am Ende das Schloss Wilanów mit seinen Gärten. Die letzten Kilometer über die Straßen Belwederska und Sobieskiego sind gewöhnliche Stadtstraßen — hier steigen die meisten in den Bus um.

Zerstörung, Wiederaufbau, Verkehrsberuhigung

Der Königsweg sieht heute nicht aus wie vor 1939, und er ist auch keine getreue Rekonstruktion. Die Bebauung von Krakowskie Przedmieście und Nowy Świat wurde bei der Verteidigung Warschaus 1939 und im Warschauer Aufstand zerstört und danach nach einem Konzept wiederaufgebaut, das die Straße bewusst vereinheitlichte.

Dabei wurden die Häuser niedriger ausgeführt: an Krakowskie Przedmieście auf zwei bis vier Geschosse, an Nowy Świat auf zwei — die Maximalhöhe der Zeit des Königreichs Polen. Manche Fassaden erhielten einen klassizistischen Zuschnitt, den sie vorher nicht hatten. Der Wiederaufbau von Nowy Świat begann im März 1947, am 22. Juli 1949 wurde die Straße freigegeben; an Krakowskie Przedmieście war das Meiste 1951 fertig.

Die zweite Umgestaltung betraf den Autoverkehr. 1996 wurde die Fahrbahn am Nowy Świat von vierzehn auf sieben Meter verengt und der Individualverkehr herausgenommen; Krakowskie Przedmieście folgte 2006–2008 nach einem Entwurf von Krzysztof Domaradzki. Heute bleibt in der Mitte eine schmale Spur für Busse und Taxis, der Rest gehört den Fußgängern.

Anfahrt und Hinweise

  • Metro — die Linie M2 bedient beide Enden des innerstädtischen Abschnitts: Ratusz Arsenał und Nowy Świat-Uniwersytet.
  • Bus — mehrere Linien fahren über Krakowskie Przedmieście und die Ujazdowski-Allee bis Wilanów; so lässt sich der südliche Teil ohne Fußweg zurücklegen.
  • Zu Fuß — am besten in zwei Etappen: Schlossplatz bis Platz der drei Kreuze als Spaziergang, Łazienki und Wilanów als eigene Ziele.
  • Auto — keine gute Idee: Nowy Świat und Krakowskie Przedmieście sind für den Individualverkehr gesperrt, Parken in der Umgebung ist teuer und schwierig.
  • Gut zu wissen — dies ist ein lebendiger Teil der Stadt: am Präsidentenpalast finden regelmäßig Staatsakte und Demonstrationen statt, Straßenabschnitte können dann gesperrt sein.

Anreise und praktische Infos

Lage
Warschauer Innenstadt und Stadtteil Wilanów, vom Schlossplatz bis zum Schloss Wilanów
Länge
gut zehn Kilometer; Krakowskie Przedmieście rund 1 km, Nowy Świat rund 1 km, Ujazdowski-Allee rund 1,6 km
Dauer
zwei Stunden für den innerstädtischen Spaziergang, ein ganzer Tag mit Innenbesichtigungen
Denkmalschutz
Pomnik historii seit 1994, als Teil des historischen Stadtgefüges mit Königsweg und Wilanów
Aktuelle Öffnungszeiten und Eintritt
Königsschloss Warschau, Museum Schloss Wilanów
Mapa: Google Maps · 52.2364, 21.0180

Wann am besten

Frühling

Die beste Zeit für die ganze Achse: Allee und Łazienki werden grün, und im Innenstadtabschnitt ist noch wenig Gedränge.

Sommer

Lange Abende und Straßencafés am Nowy Świat, doch zwischen Schlossplatz und Platz der drei Kreuze gibt es kaum Schatten — besser vormittags oder nach siebzehn Uhr gehen.

Herbst

Ujazdowski-Allee und Łazienki in Herbstfarben sind der schönste Teil der Route; der kurze Tag erzwingt aber eine Wahl zwischen Spaziergang und Museen.

Winter

Der Innenstadtabschnitt ist beleuchtet und nach Einbruch der Dunkelheit besonders fotogen; der südliche Teil durch die Parks verliert dagegen viel von seinem Reiz.

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Entfernungen in Luftlinie ab „Warschauer Königsweg (Trakt Królewski)" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.

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