Vom Exerzierplatz zum Landschaftspark
Den größten Teil des 19. Jahrhunderts war dies freie Fläche: das Marsfeld (Pole Marsowe), ein Platz für Truppenparaden, benannt nach dem Pariser Champ de Mars. Zwischen den Paraden fanden hier Volksfeste und Ausstellungen statt, eine landwirtschaftliche 1876 und eine Hygieneausstellung 1887. Für größere Ausstellungen war der Platz zu klein, also entschied man sich für einen Park.
Den Auftrag erhielt Franciszek Szanior, einer der wichtigsten polnischen Gartenarchitekten seiner Zeit. Gebaut wurde 1893–1896 auf Initiative des städtischen Pflanzungskomitees und unter Stadtpräsident Sokrates Starynkiewicz. Auf 5,7 Hektar entstand ein Landschaftspark mit unregelmäßigen Baumgruppen, geschwungenen Wegen und offenen Rasenräumen, durchzogen von geraden Alleen. Die östliche Nachbarfläche ging an das Ujazdowski-Krankenhaus, ein Teil am Platz Na Rozdrożu an einen Kirchenbau.
Eine Brücke für die Technikgeschichte
Mittelpunkt ist der Ujazdowski-Teich mit 0,4 Hektar, entworfen von Ingenieur William Heerlein Lindley, der auch Warschaus Wasser- und Kanalnetz baute. Das Wasser fällt über Granitblöcke, die wie ein natürlicher Fels geschichtet sind.
Über den Südteil des Teichs führt die Lindley-Brücke. Ihr Tragwerk besteht aus Eisenbeton — erstmals im damaligen Königreich Polen und nach Angaben der Forschung erst die zweite Brücke dieser Bauart weltweit, nach einem schweizerischen Bauwerk von 1894. Die kleine Bogenbrücke ist in wenigen Schritten überquert und sieht nach nichts Besonderem aus, gehört aber zu den frühen Zeugnissen des Betonbaus.
Skulpturen, Bäume und eine Waage
- Gladiator von Pius Weloński (1880) und Perseus von Théodore Gruyère (um die Jahrhundertwende).
- Eva von Edward Wittig (1911), eine der bekanntesten Skulpturen im öffentlichen Raum Warschaus.
- Paderewski-Denkmal von Michał Kamieński, nach dem Zweiten Weltkrieg aufgestellt, und der Gedenkstein für den Kinderbuchautor Stanisław Jachowicz (1930).
- Eine Personenwaage von 1898, seit 1912 im Park und weiterhin in Betrieb.
- Drei Naturdenkmale: eine Schwarznuss, ein Spitzahorn der Sorte Schwedleri und eine Stieleiche; im Westteil eine Kastanienallee.
Krieg, Register, Wiederherstellung
Im September 1939 wurden im Park Gefallene der Stadtverteidigung begraben. Im Frühjahr 1944 verbot die Besatzungsmacht Polen den Zutritt; nach der Minenräumung gab man die Anlage im April 1945 den Bewohnern zurück.
Am 1. Juli 1965 wurde der Park unter der Nummer 168/3 ins Denkmalregister eingetragen. Die vollständige Wiederherstellung von Wegen, Bepflanzung und Ausstattung endete 2002. Der Park ist eingezäunt und nachts geschlossen — anders als die offenen Parks an der Weichsel.
Anfahrt und Hinweise
- Zu Fuß — der Park liegt am Königsweg: vom Platz Trzech Krzyży etwa fünfzehn Minuten die Aleje Ujazdowskie hinauf, der Łazienki-Park folgt direkt südlich.
- Bus — Linien über die Aleje Ujazdowskie halten an beiden Parkseiten, an der Piękna und am Platz Na Rozdrożu.
- Metro — Station Politechnika (Linie M1), von dort eine Viertelstunde über die Koszykowa.
- Auto — Botschaftsviertel mit knappen, gebührenpflichtigen Stellplätzen; der Nahverkehr ist die bessere Wahl.
- Kombinieren — gut als Zwischenstopp zwischen Nowy Świat, dem Ujazdowski-Schloss mit dem Zentrum für zeitgenössische Kunst und den Łazienki.
Anreise und praktische Infos
- Lage
- Warschauer Innenstadt, an den Aleje Ujazdowskie zwischen der Straße Piękna und dem Platz Na Rozdrożu
- Fläche
- 5,7 Hektar, davon 0,4 Hektar Teich
- Entstehung
- 1893–1896 nach dem Entwurf von Franciszek Szanior
- Schutzstatus
- Denkmalregister seit dem 1. Juli 1965, Nummer 168/3; drei Bäume sind Naturdenkmale
- Dauer
- halbe bis dreiviertel Stunde, mit Spielplatz oder Pause am Teich länger
- In der Nähe
- Łazienki-Park und Ujazdowski-Schloss im Süden, Platz Trzech Krzyży und Nowy Świat im Norden
- Aktuelle Zeiten und Tickets
- der Eintritt ist frei, die Anlage ist eingezäunt und nachts geschlossen; zuständig ist die Grünflächenverwaltung der Stadt Warschau
Wann am besten
Die beste Zeit hier: blühende Kastanien, frisches Grün und viele Vögel am Teich.
Unter den alten Bäumen ist es deutlich kühler als auf der Prachtstraße. Die Bänke am Wasser sind mittags schnell besetzt.
Jetzt zeigt sich Szaniors Pflanzplan: die Arten färben sich unterschiedlich schnell, der Park sieht wochenlang jeden Tag anders aus.
Ohne Laub ist die ganze Komposition zu sehen — Wegeführung, Kaskade und Brückenkonstruktion. Bei Frost friert der Teich zu.
Weitere Sehenswürdigkeiten in Warschau
Entfernungen in Luftlinie ab „Ujazdowski-Park" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.
Übernachten in der Nähe
Wir arbeiten an einer Liste geprüfter Unterkünfte in der Region Warschau. Wenn Sie eine Pension, ein Ferienhaus oder ein Apartment in der Umgebung betreiben — melden Sie es an.
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