Sehenswürdigkeit der Region Woiwodschaft Podlachien

Die Moschee von Kruszyniany — Polens älteste hölzerne Moschee

Im äußersten Nordosten Polens, wenige Kilometer vor der belarussischen Grenze, steht ein dunkelgrüner Holzbau, der auf den ersten Blick an eine Dorfkirche erinnert. Erst die Halbmonde auf den Türmen verraten: Hier beten seit über drei Jahrhunderten die Nachfahren litauischer Tataren.

fot. Basia Lasocka, CC BY-SA 3.0 pl · Wikimedia Commons

Ein Dorf als Soldzahlung

Die litauischen Tataren, auch Lipka-Tataren genannt, dienten seit dem späten 14. Jahrhundert als leichte Reiterei im Großfürstentum Litauen und später in der polnisch-litauischen Adelsrepublik. Sie hatten eigene Fahnen, eigene Befehlshaber und ein eigenes Recht, ihren Glauben zu behalten. Als die Staatskasse in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts den ausstehenden Sold nicht mehr aufbringen konnte, zahlte König Johann III. Sobieski in Land. Kruszyniany war eines dieser Dörfer.

Was als Notlösung gedacht war, hielt Jahrhunderte. Die Tataren blieben, bewirtschafteten den Boden und behielten den Islam, gaben aber ihre Sprache auf: Umgangssprache wurde Polnisch, später auch Belarussisch. Übrig blieben die Religion, die Familiennamen und der Friedhof.

Die Moschee wird erstmals 1717 erwähnt. Das heutige Gebäude ist jünger und stammt wahrscheinlich aus der zweiten Hälfte des 18. oder der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts; eine Steintafel erinnert an eine Renovierung von 1846. Ein genaues Baudatum kennt niemand.

Warum dieser Bau wie eine Dorfkirche aussieht

Die Moschee ist ein Blockbau aus Holz, rechteckig, etwa zehn mal dreizehn Meter groß. Die Verschalung ist dunkelgrün gestrichen — Grün gilt im Islam als Farbe des Propheten — das Dach ist mit Schindeln gedeckt. An der Nordseite stehen zwei Türme mit gedrückten Hauben, auf dem First sitzt ein drittes, kleineres Türmchen. Alle drei tragen einen Halbmond.

Ohne diese Halbmonde wäre der Bau von den hölzernen Kirchen und orthodoxen Gotteshäusern der Region kaum zu unterscheiden. Genau darin liegt sein Reiz: Die tatarischen Zimmerleute holten sich keine Vorbilder von der Krim oder aus Anatolien, sondern bauten so, wie man hier baute, und änderten nur, was das Gebet verlangte. Deutsche Besucher, die osteuropäische Holzarchitektur kennen, erkennen das Bauprinzip sofort wieder.

Einige Dutzend Kilometer entfernt steht in Bohoniki eine zweite, einige Generationen jüngere Tatarenmoschee. Beide Orte bilden zusammen mit ihren Friedhöfen eine einzige Denkmaleintragung.

Der Innenraum

Eine hölzerne Trennwand teilt den Raum in zwei ungleiche Hälften: den größeren Saal für die Männer und den kleineren Bereich für die Frauen, nach oben hin durch einen durchscheinenden weißen Vorhang abgeschlossen. Beide Teile haben ihren eigenen Eingang.

In der nach Südosten, also nach Mekka ausgerichteten Wand liegt der Mihrab, eine flache Gebetsnische, in der die heiligen Bücher aufbewahrt werden. Daneben steht der Minbar, die Kanzel des Imams. Der Boden ist mit Teppichen ausgelegt, denn gebetet wird barfuß und kniend.

An den Wänden hängen Muhire — gerahmte Kalligraphien mit Koranversen, oft gestickt oder von Hand gemalt. Da der Islam keine Figurendarstellung kennt, übernimmt die Schrift hier die Rolle, die anderswo Bilder spielen. Der Raum ist klein und schlicht: ein dörfliches Gotteshaus, kein Repräsentationsbau.

Der Mizar

Wenige hundert Meter entfernt liegt auf einer bewaldeten Anhöhe der Mizar, der muslimische Friedhof. Er entstand vermutlich schon gegen Ende des 17. Jahrhunderts, also vor dem heutigen Moscheebau; der älteste lesbare Grabstein trägt die Jahreszahl 1696.

Die Gräber sind unauffällig: rohe Feldsteine, oft unbearbeitet, aufrecht gesetzt und so ausgerichtet, dass die Verstorbenen nach Mekka blicken. Ältere Steine tragen arabische Inschriften, jüngere polnische — mit Namen, die polnisch klingen und doch zu muslimischen Familien gehören. Beerdigt wird hier bis heute.

Wer zwischen den Gräbern umhergeht, sollte das im Kopf behalten: Dies ist kein Freilichtmuseum, sondern ein genutzter Familienfriedhof.

Schutzstatus

Am 22. Oktober 2012 erklärte der polnische Staatspräsident das Ensemble „Bohoniki und Kruszyniany — Moscheen und Mizare” zum Geschichtsdenkmal (Pomnik historii), der höchsten nationalen Schutzkategorie. Die Begründung hebt ausdrücklich hervor, dass die Bauten ein materielles Zeugnis der religiösen Vielfalt der alten Adelsrepublik sind.

In der Nacht vom 28. auf den 29. Juni 2014 wurden Moschee und Friedhof mit Sprühfarbe beschmiert. Die Spuren wurden beseitigt, die Ermittlungen führten zu keinem Ergebnis.

Regelmäßige Freitagsgebete finden hier kaum noch statt, denn die tatarische Gemeinde ist klein und verstreut. Voll wird die Moschee an den großen Festtagen, vor allem zum Opferfest, wenn Familien aus ganz Polen anreisen.

Anreise

  • Mit dem Auto — von Białystok ostwärts über Gródek und Krynki, gut eine Stunde Fahrt; das letzte Stück führt über schmale Landstraßen.
  • Öffentlich — Überlandbusse von Białystok fahren bis Krynki, von dort sind es noch einige Kilometer. Die Verbindungen sind dünn, die Rückfahrt sollte man vorher prüfen.
  • Mit dem Rad — der ausgeschilderte Tatarenweg verbindet Kruszyniany mit Bohoniki, Sokółka und Krynki und ist die schönste Art, beide Tatarendörfer an einem Tag zu sehen.
  • In der Nähe — der Wald von Knyszyn und das Kloster Supraśl liegen nah, Białowieża einige Dutzend Kilometer südlich.

Praktische Hinweise

Die Moschee ist ein genutztes Gotteshaus. Schuhe werden vor dem Eingang ausgezogen, Frauen bedecken Kopf und Schultern, gesprochen wird leise. Geöffnet wird von der örtlichen muslimischen Gemeinde und nicht von einem Museum, deshalb lohnt sich eine vorherige Absprache, besonders außerhalb der Saison.

Für Moschee und Friedhof genügt eine Stunde. Wer länger bleibt, bekommt etwas anderes geboten: ein stilles Grenzdorf mit Holzhäusern und sehr wenigen Einwohnern.

Die Gegend gehört zum Grenzgebiet, in dem Ausweiskontrollen vorkommen. Personalausweis oder Reisepass gehören ins Gepäck.

Anreise und praktische Infos

Lage
Dorf Kruszyniany, Gemeinde Krynki, Woiwodschaft Podlachien — gut vierzig Kilometer Luftlinie östlich von Białystok, nahe der Grenze zu Belarus
Umfang des Denkmals
hölzerne Moschee und der Mizar, der muslimische Friedhof auf der nahen Anhöhe
Alter
erste Erwähnung einer Moschee in Kruszyniany 1717; der heutige Bau stammt aus dem späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert
Schutzstatus
Geschichtsdenkmal (Pomnik historii) seit dem 22. Oktober 2012, gemeinsam mit Bohoniki
Zeitbedarf
etwa eine Stunde für Moschee und Friedhof, ein halber Tag für den ganzen Tatarenweg
Verhalten
Schuhe ausziehen, Frauen bedecken Kopf und Schultern
Aktuelle Öffnungszeiten und Tickets
Objekteintrag beim polnischen Denkmalinstitut NID
Mapa: Google Maps · 53.1777, 23.8138

Wann am besten

Frühling

Das Dorf wacht langsam auf, die alten Bäume über dem Friedhof treiben erst aus, und man sieht weit über die Felder. Gute Zeit für die Radtour.

Sommer

Die meisten Gäste kommen jetzt, vor allem an Wochenenden und zu den islamischen Festen. Dafür trifft man eher jemanden, der von der Geschichte des Dorfes erzählt.

Herbst

Das Laub über dem Mizar färbt sich rotbraun, im Dorf wird es sehr still. Für Fotografen vermutlich die beste Jahreszeit.

Winter

Die dunkelgrünen Wände im Schnee sind ein eigenes Bild. Im Winter ist der Innenraum allerdings oft nur nach Absprache zugänglich.

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Entfernungen in Luftlinie ab „Moschee von Kruszyniany" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.

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