Ein Tal voller Residenzen
Das Hirschberger Tal (polnisch Kotlina Jeleniogórska) ist mit rund 273 Quadratkilometern das größte Becken der Sudeten nach dem Glatzer Kessel; es liegt zwischen 250 und 400 Metern Höhe. Im Süden begrenzt es das Riesengebirge, im Osten das Landeshuter Kamm und die Rudawy Janowickie, im Westen das Isergebirge, im Norden das Bober-Katzbach-Gebirge. Der Bober durchquert das Tal, bei Hirschberg (Jelenia Góra) münden Lomnitz und Zacken.
Diese Lage — eine weite Talsohle mit Blick auf verschneite Kämme — machte die Gegend im 19. Jahrhundert berühmt. Güter kauften hier das preußische Königshaus um Friedrich Wilhelm III. und adlige Familien, darunter die Radziwiłł, Czartoryski, Schaffgotsch und Hohenzollern. Umbauten entwarfen Karl Friedrich Schinkel und Friedrich August Stüler, die Gärten legte Peter Joseph Lenné an — dieselben Namen, die damals in Potsdam und Berlin arbeiteten.
Zu Besuch kamen unter anderem Goethe, Caspar David Friedrich, Frédéric Chopin und John Quincy Adams. Für deutsche Reisende ist das Tal deshalb oft auch eine Fahrt zu vertrauten Namen: Erdmannsdorf heißt heute Mysłakowice, Fischbach ist Karpniki, Stonsdorf ist Staniszów, Bad Warmbrunn gehört als Cieplice zu Jelenia Góra.
Kulturpark und Geschichtsdenkmal
Den Kulturpark richtete der Gemeindeverband Karkonosze am 24. Oktober 2008 nach dem polnischen Denkmalschutzgesetz ein. Geschützt wird damit keine Einzelanlage, sondern die Landschaft: die Schloss- und Parkensembles im südlichen, mittleren, nördlichen und östlichen Teil des Beckens samt angrenzender Abschnitte der umliegenden Gebirge.
Zum Gebiet gehören unter anderem Buchwald (Bukowiec), Jannowitz (Janowice Wielkie), Hirschberg mit Bad Warmbrunn und Hermsdorf, Fischbach, Lomnitz, Mysłakowice, Stonsdorf, Kowary sowie Wojanów und Bobrów.
Drei Jahre später kam die zweite Schutzebene. Am 20. September 2011 erklärte der polnische Staatspräsident elf der Anlagen zum Geschichtsdenkmal unter dem Titel „Schlösser und Landschaftsparks des Hirschberger Tals“: Buchwald, das Hirschberger Paulinum, das Schaffgotsch-Ensemble in Bad Warmbrunn, Schloss Fischbach samt der Villa „Eichenhof“, Ciszyca in Kowary, Lomnitz, Erdmannsdorf, Ober-Stonsdorf, Wojanów und Wojanów-Bobrów. Vorangetrieben hat das die 2005 gegründete Stiftung Tal der Schlösser und Gärten, die auch eine Aufnahme ins UNESCO-Welterbe anstrebt.
Burgen, Tiroler Häuser und was sonst dazugehört
Über dem Tal liegen Burgruinen, mehrere Jahrhunderte älter als die Schlösser. Die bekannteste ist der Kynast (Chojnik) auf einem steilen Felsen über Hermsdorf; dazu kommen Bolczów in den Rudawy Janowickie, Sokolec, Niesytno und Reste der Burg Rybnica. Sie bilden den Horizont, auf den die Parkalleen ausgerichtet wurden, und waren ein Lieblingsmotiv der Romantiker.
In Erdmannsdorf stehen die Tiroler Häuser — gebaut für protestantische Auswanderer aus dem Zillertal, die Friedrich Wilhelm IV. auf seinen Gütern ansiedelte. In Kowary gehört außerdem die weitläufige Sanatoriumsanlage Wysoka Łąka zum Kulturpark, entstanden, als die Luft des Tals als Heilmittel galt.
Nicht alles ist zugänglich. Ein Teil der Residenzen befindet sich in privater Hand oder wird anders genutzt, manche warten noch auf ihre Sanierung. Die Parks stehen meist offen, ein Spaziergang lohnt sich also auch vor verschlossenen Türen.
Anreise
- Bahn — bis Jelenia Góra; von dort bedient eine Lokalstrecke Richtung Karpacz und Kowary mehrere Orte im Tal.
- Auto — über die Schnellstraße S3 und weiter über Bolków oder Lwówek Śląski; im Tal selbst ist das Auto praktisch, weil zwischen den Schlössern oft mehr als zehn Kilometer liegen.
- Fahrrad — die Talsohle ist flach und ausgeschilderte Routen verbinden die meisten Anlagen; die angenehmste Art, das Tal an einem Tag zu sehen.
- Zu Fuß — markierte Wege führen von Jelenia Góra auf den Kynast und in die Rudawy Janowickie, mit Blick von oben auf die Residenzen.
Hinweise für den Besuch
Wer alles an einem Tag sehen will, sieht am Ende vor allem Tore. Besser sind drei, höchstens vier Anlagen und genug Zeit für die Parks: Lenné entwarf Ausblicke, keine Beete, und erst beim Gehen zeigt sich, wie genau die Gipfel des Riesengebirges in die Sichtachsen gesetzt wurden.
Jedes Objekt hat eigene Regeln und einen eigenen Kalender, man prüft sie also besser einzeln vorab. Im September, zu den Europäischen Tagen des Denkmals, öffnen deutlich mehr Türen als sonst.
Das Tal lässt sich gut mit dem Riesengebirge verbinden: vormittags der Aufstieg zum Kynast oder zur Schneekoppe, nachmittags Schlösser und Gärten.
Anreise und praktische Infos
- Lage
- Hirschberger Tal, Woiwodschaft Niederschlesien; Gemeinden Mysłakowice, Podgórzyn und Janowice Wielkie sowie Jelenia Góra und Kowary
- Kulturpark
- eingerichtet am 24. Oktober 2008 vom Gemeindeverband Karkonosze
- Geschichtsdenkmal
- seit dem 20. September 2011, als „Schlösser und Landschaftsparks des Hirschberger Tals“
- Anlagen im Eintrag
- elf Schloss- und Parkensembles
- Hirschberger Tal
- rund 273 km², 250 bis 400 Meter Höhe
- Gestalter
- Gärten von Peter Joseph Lenné, Bauten unter anderem von Karl Friedrich Schinkel und Friedrich August Stüler
- Dauer
- mindestens zwei Tage für eine sinnvolle Auswahl
- Aktuelle Öffnungszeiten und Tickets
- Seite der Stiftung Tal der Schlösser und Gärten
Wann am besten
Mai und Juni zeigen die Parks von ihrer besten Seite: das Laub ist noch licht, die Sichtachsen zum Riesengebirge offen, auf den Kämmen liegt der letzte Schnee.
Die meisten Objekte sind geöffnet und die Tage lang, ideal für die Kombination aus Tal und Gebirge. Juli und August sind allerdings auch im ganzen Riesengebirge Hochsaison.
September und Oktober sind die schönste Zeit — Landschaftsparks wurden für das Herbstlaub entworfen, und zu den Tagen des Denkmals öffnen sonst verschlossene Häuser.
Manche Residenzen schränken den Besuch ein und die Parks liegen oft unter Schnee. Dafür entspricht der Blick auf die verschneiten Kämme genau dem, was die Romantiker gemalt haben.
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Entfernungen in Luftlinie ab „Kulturpark des Hirschberger Tals" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.
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