Sehenswürdigkeit der Region Woiwodschaft Niederschlesien

Wahlstatt — Dientzenhofers Barockkirche auf dem Schlachtfeld von 1241

In Legnickie Pole, dem früheren Wahlstatt bei Liegnitz, steht eine Kirche, die Kilian Ignaz Dientzenhofer über zwei gekreuzten Ellipsen entwarf und Cosmas Damian Asam ausmalte. Die Benediktiner bauten sie dort, wo seit dem 13. Jahrhundert an die Niederlage gegen die Mongolen und den Tod Herzog Heinrichs II. erinnert wird.

fot. PetrusSilesius, CC BY-SA 2.0 de · Wikimedia Commons

Die Schlacht bei Liegnitz

Am 9. April 1241 trafen während des ersten Mongoleneinfalls nach Polen die Truppen Herzog Heinrichs II. des Frommen auf ein mongolisches Heer. Auf christlicher Seite kämpften schlesische, kleinpolnische, großpolnische, oppelnsche und mährische Ritter sowie Templer; beide Heere werden auf einige tausend Mann geschätzt. Die Schlacht endete mit einer Niederlage, der Herzog fiel.

Seine Witwe Anna, eine böhmische Königstochter, soll den Leichnam an einem anatomischen Merkmal erkannt haben; bestattet wurde er im Franziskanerkloster in Breslau. Der schlesische Herrschaftsverband der Heinriche zerfiel, die Wiedervereinigung der polnischen Teilfürstentümer verzögerte sich um Jahrzehnte.

Die Forschung streitet bis heute über den genauen Ort: Die Quellen nennen Wahlstatt beziehungsweise Dobre Pole, das nicht zwingend mit dem heutigen Dorf identisch ist. Die Erinnerung an die Schlacht hat sich aber fest mit diesem Ort verbunden.

Vom Gedenkstift zur Abtei

Die Stiftung ging von den Frauen der Familie aus: der heiligen Hedwig von Andechs, der Mutter des Gefallenen, und seiner Witwe Anna von Böhmen. Sie gründeten eine Propstei und übergaben sie Benediktinern aus dem böhmischen Opatowitz. In der Reformationszeit ging der Besitz verloren; erst 1703 kaufte Abt Othmar Daniel Zinke aus Braunau ihn zurück.

Der Neubau begann 1719. 1723 erhielten die Benediktiner die Erlaubnis zu einer eigenen Pfarrei, im selben Jahr wurde der Grundstein für das Kloster gelegt, fünf Jahre später der für die Kirche. 1729 stand der Rohbau, am 7. Oktober 1731 weihte Bischof Elias von Sommerfeld die Kirche, der Ausbau zog sich bis 1733.

Ellipsen und Fresken

Den Entwurf lieferte Kilian Ignaz Dientzenhofer, einer der bedeutendsten Barockarchitekten Mitteleuropas. Das Schiff beruht auf zwei gekreuzten, gestreckten Ellipsen, die schräg zur Hauptachse stehen — der Raum scheint sich dadurch um den Betrachter zu drehen, statt ihn geradewegs zum Altar zu führen. Darüber spannen sich elliptische Kuppelgewölbe.

Die halbrunde Westfassade trägt Panoplien aus gemeißelten Waffen, Schilden und Fahnen und wird von zwei viereckigen Türmen mit barocken Hauben und Fürstenkronen flankiert; das Hauptportal ruht auf Atlanten. Die Skulpturen an Fassade und im Inneren sowie den Orgelprospekt schuf Karl Joseph Hiernle.

Die Deckenfresken malte Cosmas Damian Asam im Sommer 1733; sie zeigen die Missionstätigkeit der Benediktiner einschließlich der Klostergründung an diesem Ort, über dem Chor die Beweinung Heinrichs des Frommen. Das Hauptaltarbild von 1730 — die Auffindung des Leichnams durch die heilige Hedwig — stammt vom flämischen Maler Johan Franz de Backer, die Bilder der vier Seitenaltäre vom Böhmen Wenzel Lorenz Reiner, die Orgel vom schlesischen Orgelbauer Adam Horatio Casparini.

Was aus dem Kloster wurde

Nach dem Übergang Schlesiens an Preußen und der Säkularisation von 1810 wurde der Klosterbesitz eingezogen. Von 1838 bis 1920 war hier die preußische Kadettenanstalt untergebracht, später eine Napola, in den letzten Kriegsjahren ein Kriegsgefangenenlager. Nach 1945 übernahm die sowjetische Armee die Gebäude, die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben.

Von 1957 bis 1990 diente der Komplex als psychiatrische Klinik, seither als Pflegeheim. Die Kirche blieb in Gebrauch: 1992 wurde sie Diözesanwallfahrtskirche, Papst Johannes Paul II. besuchte den Ort 1997, und am 15. Juni 2014 erhielt sie den Rang einer Basilica minor; seit 2017 ist sie Kollegiatkirche.

Daneben steht die ältere gotische Kirche, bis 1945 evangelisch. Seit 1961 beherbergt sie das Museum der Schlacht bei Liegnitz, eine Außenstelle des Kupfermuseums in Legnica.

Anreise

  • Mit dem Auto — das Dorf liegt rund 10 km südöstlich von Legnica direkt an der Autobahn A4 Wrocław — Legnica und eignet sich gut als Zwischenstopp auf der Fahrt Richtung Dresden oder Kraków.
  • Mit der Bahn — der Ort liegt an der Strecke Jaworzyna Śląska — Legnica; von Legnica aus dauert die Fahrt rund eine Viertelstunde.
  • Mit dem Bus — Regionalbusse ab Legnica, am Wochenende seltener als werktags.
  • Flugzeug — der nächste internationale Flughafen ist Wrocław, etwa eine Autostunde entfernt.

Hinweise für den Besuch

Für deutschsprachige Gäste ist Wahlstatt doppelt interessant: als Spitzenwerk des böhmisch-schlesischen Barock und als Erinnerungsort, dessen Name in der deutschen Sprache weiterlebt. Ein Rundgang beginnt sinnvollerweise im Museum in der gotischen Kirche und führt dann in die Basilika.

Die Kirche ist Pfarr- und Wallfahrtskirche; während der Gottesdienste tritt die Besichtigung zurück. Für die Kuppelfresken lohnt sich ein Fernglas. Wer mehr Zeit hat, verbindet den Besuch mit Legnica und dem dortigen Piastenschloss.

Der Komplex aus Basilika, Dreifaltigkeitskirche, Kloster und Gartenpavillon wurde durch Verordnung des polnischen Staatspräsidenten vom 14. April 2004 zum Geschichtsdenkmal erklärt — die höchste nationale Schutzstufe in Polen.

Anreise und praktische Infos

Lage
Legnickie Pole (Wahlstatt), Powiat Legnica, Woiwodschaft Niederschlesien — rund 10 km südöstlich von Legnica an der A4
Bauzeit
Kirche 1719–1733, Weihe am 7. Oktober 1731; Kloster ab 1723
Künstler
Entwurf Kilian Ignaz Dientzenhofer, Fresken Cosmas Damian Asam (1733), Skulpturen Karl Joseph Hiernle, Hauptaltarbild Johan Franz de Backer (1730), Orgel Adam Horatio Casparini
Raumform
Schiff über zwei gekreuzten, schräg gestellten Ellipsen mit elliptischen Kuppelgewölben
Die Schlacht
9. April 1241, Niederlage des Ritterheeres unter Heinrich II. dem Frommen gegen die Mongolen; der Herzog fiel
Museum
Museum der Schlacht bei Liegnitz in der gotischen Dreifaltigkeitskirche, seit 1961, Außenstelle des Kupfermuseums Legnica
Denkmalschutz
Denkmalregister Nr. 58 vom 29. März 1949; Geschichtsdenkmal seit 14. April 2004; Basilica minor seit 15. Juni 2014
Zeitbedarf
eine Stunde für die Kirche, zwei mit Museum und Klostergelände
Aktuelle Öffnungszeiten und Eintritt
Kupfermuseum Legnica, Träger des Schlachtmuseums
Mapa: Google Maps · 51.1458, 16.2428

Wann am besten

Frühling

Der Jahrestag der Schlacht fällt auf den frühen April, Gedenkveranstaltungen sind dann wahrscheinlich. Über den niedrigen Feldern sind beide Kirchen weithin sichtbar.

Sommer

Die meisten Besucher und Wallfahrten, auch wegen der Lage an der Autobahn. Das kühle Innere ist bei Hitze ein guter Grund für eine längere Pause.

Herbst

Ruhiges Licht auf der hellen Fassade und wenig Betrieb. Die Fresken kommen bei Tageslicht am besten zur Geltung, und das wird im Herbst knapper.

Winter

Wenig los; die Kirche ist vor allem zu den Gottesdiensten geöffnet, das Museum arbeitet im Winterrhythmus. Vorher nachsehen lohnt sich.

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