Ein Zugeständnis mit eingebautem Verfallsdatum
Der Westfälische Friede von 1648 beendete den Krieg, änderte in Schlesien aber wenig: Den Lutheranern wurden weiterhin Kirchen genommen. Erst auf schwedischen Druck gestand Kaiser Ferdinand III. drei Neubauten zu — je einen in den Erbfürstentümern Schweidnitz, Jauer und Glogau. Die Auflagen waren so gefasst, dass die Bauten möglichst unauffällig und möglichst kurzlebig ausfallen sollten.
Erlaubt waren nur vergängliche Materialien: Holz, Lehm, Stroh und Sand. Der Bauplatz musste außerhalb der Stadtmauern liegen, aber in Kanonenschussweite; kein Turm, keine Glocken, Bauzeit höchstens ein Jahr, Finanzierung allein durch die Gemeinden. Türme und Glocken kamen erst nach der Altranstädter Konvention von 1707 hinzu. Die Glogauer Kirche verbrannte 1758 beim Stadtbrand und wurde in dieser Form nie wieder aufgebaut.
Eine Kathedrale aus Fachwerk
Mit der Aufgabe betraut wurde Albrecht von Säbisch, Festungsbaumeister aus Breslau — er löste sie als Ingenieur, nicht als Kirchenbaumeister. Die Konstruktion ist reines Fachwerk: ein Holzskelett, ausgefacht mit Lehm und Stroh, getragen von einem schweren Balkenrahmen, ohne gemauerte tragende Wände. Der Grundriss folgt dem Kreuz, und jeder Quadratmeter wurde genutzt, denn es ging um Platz für möglichst viele Menschen.
Jauer entstand 1654–1655, Schweidnitz 1656–1657, dort unter Mitwirkung des Zimmermanns Andreas Kaemper. Die Schweidnitzer Kirche misst rund vierundvierzig auf dreißig Meter, ihr Innenraum umfasst über tausend Quadratmeter und bot etwa siebeneinhalbtausend Gläubigen Platz. Beide gelten heute als die größten hölzernen Sakralbauten Europas.
Das Innere
Bescheiden ist nur die Außenhaut. Innen laufen in beiden Kirchen vier Emporengeschosse übereinander an den Wänden entlang — anders wäre die Menschenmenge nicht unterzubringen gewesen. In Jauer sind die Emporenbrüstungen mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament bemalt, dazwischen Landschaften mit Burgen und die Wappen der Familien, die den Bau bezahlt haben.
In Schweidnitz stammt die barocke Deckenmalerei aus den 1690er Jahren, von Christian Süßenbach und Christian Kolitschka. Der Hauptaltar kam Mitte des 18. Jahrhunderts hinzu, die Kanzel eine Generation früher. Die erste Orgel baute Gottfried Klose in den 1660er Jahren; das heutige Instrument stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert. In Jauer wurde die Barockorgel Mitte des 19. Jahrhunderts ersetzt und zu Beginn dieses Jahrhunderts wieder auf ihren damaligen Zustand zurückgeführt.
Anreise
- Mit dem Auto — von Dresden über die A4 und die polnische A4 bis Legnica oder Wrocław, dann Landstraße; zwischen Jawor und Świdnica liegen etwa fünfunddreißig Kilometer.
- Mit der Bahn — beide Städte haben Regionalverbindungen ab Wrocław (Breslau); vom Bahnhof sind es jeweils rund fünfzehn Minuten zu Fuß.
- An einem Tag — beide Kirchen lassen sich gut kombinieren, sinnvoll ist Jauer am Vormittag und Schweidnitz am Nachmittag.
Gut zu wissen
Beide Häuser sind aktive Gemeindekirchen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, keine Museen. Bei Gottesdiensten, Konzerten und Trauungen bleiben sie für Besucher geschlossen, ein Blick auf die Gemeindeseite vorab lohnt sich. Im Inneren ist es auch im Hochsommer kühl.
Die Aufnahme in die Welterbeliste erfolgte 2001, 2017 kam die polnische Auszeichnung als Geschichtsdenkmal hinzu. In Świdnica findet im Sommer ein Musikfestival mit Konzerten in der Kirche statt — die Akustik des Fachwerkbaus ist ein eigener Grund für einen zweiten Besuch am Abend.
Anreise und praktische Infos
- Lage
- Jawor (Jauer) und Świdnica (Schweidnitz), Woiwodschaft Niederschlesien
- Bauzeit
- Jauer 1654–1655, Schweidnitz 1656–1657
- Baumeister
- Albrecht von Säbisch, Festungsbaumeister aus Breslau
- UNESCO-Welterbe seit
- 2001
- Entfernung zwischen beiden
- rund 35 Kilometer
- Dauer
- etwa eine Stunde je Kirche, ein Tag für beide samt Fahrt
- Hinweis
- aktive Gemeindekirchen — Besichtigung außerhalb der Gottesdienste
- Aktuelle Öffnungszeiten und Tickets
- Friedenskirche Świdnica, Friedenskirche Jawor
Wann am besten
Ruhige Zeit für einen Besuch: noch vor der Saison, aber schon hell genug, um die Emporenmalerei zu lesen.
Die meisten Gäste und die meisten Veranstaltungen; in Świdnica läuft dann das sommerliche Musikfestival.
Kein Andrang, gute Sicht — und die Fahrt zwischen beiden Städten durch das Sudetenvorland zeigt sich von ihrer besten Seite.
Die Innenräume sind empfindlich kalt, geheizt wird ein Fachwerkbau dieser Größe nicht. Die Öffnungszeiten sind kürzer.
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Entfernungen in Luftlinie ab „Friedenskirchen in Jauer und Schweidnitz" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.
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