Eine Stadt auf Salz
Salz wurde hier seit der Antike gewonnen, und in der Industriezeit ging das so weit, dass die Stadt unter sich selbst einzusinken begann. Die ersten Bergschäden sind für 1907 belegt und bremsten die Entwicklung über Jahrzehnte. Das Bergwerk „Solno“ arbeitete von 1928 bis 1986 und wurde wegen Wassereinbruchsgefahr geschlossen; in den achtziger Jahren endete die Salzgewinnung in der Umgebung.
Dieselbe Geologie verschaffte der Stadt aber ein zweites Leben. Unter Inowrocław liegt Sole, stark mineralisiertes Wasser mit Natriumchlorid, Sulfat- und Chloridionen sowie Eisen, Zink, Magnesium und Kalzium. 1875 gründete eine Gruppe örtlicher Unternehmer um den Arzt Zygmunt Wilkoński eine Aktiengesellschaft für die Solequellen und begann, ein Kurviertel zu bauen. Von diesem Jahr an rechnet man das Bad.
Die Anlage wuchs in Etappen: Badehaus ab 1876, Moorbadehaus 1924/25, Inhalatorium 1928/29. Der gesamte Komplex der Kuranstalt steht seit 2016 im Denkmalregister. Man besichtigt hier also nicht nur einen Park, sondern Kurarchitektur der Jahrhundertwende, die weiterhin ihrem ursprünglichen Zweck dient.
Der Kurpark
Der Park entstand 1876 zusammen mit dem Bad, auf Anregung von Lucjan Grabski und nach einem Entwurf des Gärtners Michał Budziński. Den Anfang machte ein ein Hektar großer französischer Garten um das erste Badehaus. Heute umfasst die Anlage 85 Hektar und gehört damit zu den größten Kurparks Polens: 1925 kamen mehr als vierzig Hektar hinzu, 2012 ein weiterer Abschnitt im Südwesten mit Teich und Duftgarten.
Den alten Ostteil erkennt man an altem Baumbestand, der Konzertmuschel, der Trinkhalle und den Promenaden mit Blumenteppichen, für die jedes Jahr über hundertzehntausend Pflanzen gesetzt werden. Dazu kommen der Hauptteich mit beleuchteten Fontänen seit 2006 und die „Päpstlichen Gärten“ von 2008, nach vatikanischem Vorbild mit vielen Nadelgehölzen.
Der Park sammelt außerdem Dinge, die in keinem Entwurf stehen: einen riesigen Pfau, der als Sonnenuhr dient, ein Denkmal für Zygmunt Wilkoński, eine Bank mit der Figur von General Władysław Sikorski, Skulpturen wie „Ziemowit“ und „Drei Grazien“ sowie einen als Naturdenkmal geschützten Findling namens „Edmund“.
Das Gradierwerk und was es bewirkt
Das Gradierwerk steht im Westteil des Parks und wurde 2001 eröffnet, nach Bauarbeiten ab 1994. Es hat die Form zweier verbundener Vielecke, ist neun Meter hoch und rund dreihundert Meter lang; oben verläuft eine Terrasse, auf der man die ganze Konstruktion umgehen kann.
Das Prinzip ist alt und einfach: Sole rieselt über Wände aus Schwarzdornreisig, verdunstet dabei und hinterlässt in der Luft ein salziges Aerosol, dessen Zusammensetzung dem Meeresklima nahekommt. Man steht oder geht darin, üblicherweise eine halbe bis eine Stunde. Solche Inhalationen setzt man bei Erkrankungen der oberen Atemwege, bei Allergien, Emphysem und Bluthochdruck ein.
Zwei praktische Folgen: In der Nähe legt sich ein feiner Salzfilm auf Kleidung und Brille, der sich abwaschen lässt. Und das Aerosol wirkt am stärksten bei windstillem, warmem Wetter — bei Frost wird die Anlage abgestellt, damit sie nicht einfriert. Neben dem Gradierwerk liegt ein Duftgarten mit Rosen, Pfingstrosen, Lilien und Kräutern.
Stadt, Anfahrt, Hinweise
- Basilika Mariä Namen — romanische Kirche vom Ende des 12. Jahrhunderts, 1834 ausgebrannt und lange nur „die Ruine“ genannt, 1901/02 wiederaufgebaut, seit 2008 Basilica minor.
- Lächelnde Madonna — gotische Skulptur von etwa 1370 bis 1380, das wertvollste Stück der Basilika.
- Trinkhalle und Palmenhaus — Mineralwasser direkt an der Quelle, das Palmenhaus von 2013 daneben.
- Bahn — Inowrocław ist ein wichtiger Eisenbahnknoten; vom Bahnhof zum Park eine Viertelstunde zu Fuß.
- Auto — Landesstraßen 15 und 25 führen durch die Stadt; Bydgoszcz und Toruń liegen jeweils unter einer Fahrstunde.
- Dauer — ein halber Tag für Park und Gradierwerk, ein ganzer mit der Stadt.
Anreise und praktische Infos
- Lage
- Kujawien, Woiwodschaft Kujawien-Pommern, nahe Bydgoszcz und Toruń
- Was es ist
- staatlich anerkanntes Solebad, in Betrieb seit 1875
- Heilmittel
- Natriumchlorid-Sole und Heilmoor
- Indikationen
- obere Atemwege, Allergien, Rheuma und Bewegungsapparat, Bluthochdruck
- Kurpark
- 85 ha; angelegt 1876, erweitert 1925 und 2012
- Gradierwerk
- eröffnet 2001; zwei verbundene Vielecke, 9 m hoch, etwa 300 m lang, Terrasse oben
- Denkmalschutz
- Komplex der Kuranstalt im Denkmalregister seit 2016
- In der Stadt
- Basilika Mariä Namen vom Ende des 12. Jahrhunderts
- Dauer
- ein halber bis ein ganzer Tag
- Aktuelle Öffnungszeiten und Tickets
- offizielle Seite der Stadt Inowrocław
Wann am besten
Der Park erwacht früher als die Umgebung, weil die Beete zeitig bepflanzt werden, und das Gradierwerk nimmt nach der Winterpause den Betrieb wieder auf. Gute Zeit für ruhige Spaziergänge.
Die Blumenteppiche stehen voll, und es kommen die meisten Gäste; am Gradierwerk wird es an Wochenendnachmittagen eng. Der alte Baumbestand im Ostteil gibt reichlich Schatten.
Die beste Zeit zum Inhalieren: noch warm, weniger Wind, weniger Menschen. Die Herbstfarben setzen ungleichmäßig ein, weil die Gehölze aus verschiedenen Jahrzehnten stammen.
Bei Frost wird das Gradierwerk abgestellt; vorher den Betriebsstand prüfen. Es bleiben der Parkspaziergang, die Trinkhalle und die Basilika.
Weitere Sehenswürdigkeiten in Thorn
Entfernungen in Luftlinie ab „Inowrocław (Hohensalza) — Solebad" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.
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