Sehenswürdigkeit der Region Roztocze

Die Altstadt von Zamość — eine Renaissance-Idealstadt in Ostpolen

Zamość ist nicht gewachsen, sondern am Reißbrett entstanden: ein polnischer Kanzler bestellte 1580 bei einem italienischen Architekten eine ideale Stadt. Der quadratische Große Markt, das rechtwinklige Straßennetz und der siebeneckige Festungsgrundriss sind bis heute erhalten — seit 1992 steht die Altstadt auf der UNESCO-Welterbeliste.

fot. MaKa, CC BY-SA 2.5 · Wikimedia Commons

Eine Stadt, die bei einem Architekten bestellt wurde

Jan Zamoyski, Kanzler und Großhetman der polnisch-litauischen Adelsrepublik, hatte in Padua studiert und wollte auf seinem Grund eine Stadt nach italienischen Regeln haben — an der Handelsstraße von Lublin nach Lemberg. Das Stadtgründungsprivileg stellte er 1580 aus, den Entwurf bestellte er bei Bernardo Morando, einem aus Italien geholten Architekten, der hier blieb und zeitweise sogar Bürgermeister war. Weil der Stifter in Padua studiert hatte, nennt man Zamość bis heute das Padua des Nordens.

Morandos Plan gilt als anthropomorph: der Palast der Zamoyski als Kopf, die Grodzka-Straße quer über den Markt als Rückgrat, die Querstraßen als Arme, die Bastionen als Gliedmaßen zur Verteidigung. Zwei kleinere Plätze, der Salzmarkt und der Wassermarkt, entsprachen den inneren Organen. Das klingt nach Architekturtheorie, ist aber vor Ort in einer Stunde Spaziergang nachprüfbar: alle Straßen kreuzen sich im rechten Winkel, und das Ganze steckt in einem Siebeneck.

Der Große Markt und die Laubengänge

Der Große Markt ist ein Quadrat von 100 Metern Seitenlänge — kleiner als der Krakauer Hauptmarkt, dafür geschlossen und vollständig. In der Mitte steht nichts: das Rathaus wurde in die Nordreihe geschoben, damit es die Blickachse zum Palast nicht verdeckt. Der manieristisch-barocke Bau hat einen achteckigen Uhrturm von etwa 52 Metern Höhe und eine weit ausschwingende Freitreppe aus dem 18. Jahrhundert, die längst als Wahrzeichen der Stadt gilt.

Die Marktreihen bestehen aus Bürgerhäusern mit Laubengängen; deshalb heißt Zamość auch die Stadt der Arkaden. Am reichsten geschmückt sind die armenischen Häuser aus dem 17. Jahrhundert mit Attiken und geschnitzten Portalen. In einem von ihnen, dem Haus zum Engel, befindet sich seit 1941 das Regionalmuseum. Die Farben der Fassaden sind nicht beliebig gewählt, sondern bei mehreren Restaurierungen wiederhergestellt worden.

Armenier, Griechen und Juden

Eine geplante Handelsstadt braucht Kaufleute, also verteilte Zamoyski Privilegien: Armenier, Griechen und Juden durften sich ansiedeln, eigene Gemeinden gründen und Gotteshäuser bauen. Die jüdische Gemeinde entstand 1588, zunächst aus sephardischen Familien aus Italien, Spanien, Portugal und der Türkei, im folgenden Jahrhundert kamen aschkenasische hinzu. Die spätrenaissancezeitliche Synagoge vom Anfang des 17. Jahrhunderts steht noch und beherbergt nach ihrer Sanierung ein Zentrum zur Geschichte der Juden von Zamość. Aus dieser Stadt stammen der Schriftsteller Jizchok Lejb Perez und der Dichter Salomon Ettinger; hier wurde auch Rosa Luxemburg geboren.

Die zweite Säule waren Kirche und Schule. Die Kollegiatkirche — heute Kathedrale des Bistums Zamość-Lubaczów — entstand von 1587 bis 1630 nach Morandos Entwurf; der freistehende Glockenturm dient auch als Aussichtsturm. 1594 gründete Zamoyski die Akademie von Zamość; zu ihren Lehrern gehörte Stanisław Staszic, und nach der Ersten Teilung Polens schloss die österreichische Verwaltung sie 1784.

Eine Festung, die Kosaken und Schweden nicht nahmen

Die Befestigungen wuchsen von 1579 bis 1618. Der Stadtumfang betrug zu Beginn des 17. Jahrhunderts rund 2500 Meter, die Gräben waren gut zehn Meter breit und sechs bis sieben Meter tief, und an den Ecken des Siebenecks standen sieben Bastionen im Abstand von etwa zweihundert Metern — genau die Reichweite der damaligen Artillerie. Vollendet hat das Werk der venezianische Festungsbaumeister Andrea dell'Acqua. Die Probe kam schnell: 1648 hielt die Stadt der Belagerung durch Kosaken und Tataren unter Bohdan Chmelnyzkyj stand, 1656 den Schweden, denen schwere Geschütze fehlten.

Fünf Belagerungen hat Zamość erlebt und nur ein einziges Mal wurde es im Sturm genommen — 1809 von polnischen Truppen, die es den Österreichern abnahmen. Von 1821 bis 1831 wurde die Festung grundlegend modernisiert, wobei viele Altstadthäuser ihr ursprüngliches Aussehen verloren. Im Novemberaufstand kapitulierte Zamość als letzter polnischer Widerstandspunkt. Ein Erlass Zar Alexanders II. vom 21. November 1866 hob die Festung auf — und weil man beim Abbruch schlampte, blieb erstaunlich viel stehen.

Erhalten sind die Bastion VII mit einem Mauerstück, zwei Kavaliere (in einem richtete die russische Verwaltung das Gefängnis ein, in dem Walerian Łukasiński saß) sowie das Lubliner, das Lemberger und das Szczebrzeszyner Tor. Einen halben Kilometer südlich der Mauern liegt die Rotunde, eine Geschützstellung von 54 Metern Durchmesser. Unter deutscher Besatzung machten die Deutschen daraus eine Erschießungsstätte; über achttausend Menschen starben dort, viele von ihnen vertriebene Bewohner der Region. Heute ist dort eine Gedenkstätte, für die man Zeit einplanen sollte.

Anreise

  • Mit dem Auto — Zamość liegt an den Nationalstraßen 17 und 74, etwa 90 km südöstlich von Lublin und rund 240 km von Warschau; in der Altstadt gilt eine eingeschränkte Zufahrt, geparkt wird am Rand, an den Planty oder am Stadtpark.
  • Mit der Bahn — der Bahnhof liegt an der Strecke Zawada–Hrubieszów, vom Großen Markt sind es rund fünfzehn Minuten zu Fuß; es gibt wenige Verbindungen, der Fahrplan lohnt einen Blick vorab.
  • Mit dem Bus — die meisten Fernbusse kommen aus Lublin und Rzeszów, die Haltestellen liegen in Gehweite der Altstadt.
  • Mit dem Fahrrad — von der Altstadt führt eine rote Radroute nach Nielisz und dort weiter auf den Fernradweg Green Velo.

Praktische Hinweise

Die kleine Größe ist der Vorteil: die ganze Altstadt passt in ein Quadrat von wenigen hundert Metern und lässt sich zu Fuß ohne Eile ansehen. Den besten Überblick geben zwei Stellen — der Glockenturm der Kathedrale und die Wälle an der Bastion VII. Erst von oben wird klar, dass hier keine Kleinstadt mit Marktplatz liegt, sondern eine Festung mit einer Stadt darin.

Im Sommer wird der Große Markt zur Bühne für das Theatersommer-Festival, das es seit 1976 gibt, und für Folklorefestivals. Wer Ruhe sucht, kommt früh am Morgen oder im September. Zamość ist außerdem ein guter Ausgangspunkt für das Roztocze: der Nationalpark Roztocze beginnt gut fünfzehn Kilometer südwestlich, direkt an der Stadtgrenze liegen zwei kleine Naturschutzgebiete.

Anreise und praktische Infos

Lage
Zamość, Woiwodschaft Lublin; etwa 90 km südöstlich von Lublin
Fläche der Altstadt
rund 75 Hektar
Großer Markt
Quadrat von 100 m Seitenlänge, Rathaus in der Nordreihe
Rathausturm
achteckig, etwa 52 m hoch
UNESCO-Welterbe
seit 1992, als Beispiel einer Renaissancestadt in Mitteleuropa
Dauer des Besuchs
ein halber Tag für die Altstadt, mehr mit Museen und Rotunde
Aktuelle Öffnungszeiten und Tickets
offizielle Seite der Stadt Zamość
Mapa: Google Maps · 50.7206, 23.2586

Wann am besten

Frühling

Mai und Juni sind die angenehmste Zeit für eine Runde über die Wälle: das Grün ist da, die Hitze noch nicht. Die Laubengänge geben Schatten, sobald die Mittagssonne drückt.

Sommer

Der Große Markt ist voll von Festivals und Aufführungen, in der Altstadt wird es eng. Frühmorgens ist alles leer, und dann liegt das Licht günstig auf den Ostfassaden.

Herbst

September und Oktober sind hier am ruhigsten — Museen ohne Warteschlangen, und vom Glockenturm reicht der Blick weit über die Hügel des Roztocze.

Winter

Kurze Tage und ein deutlich kontinentales Klima; der Januar ist kälter als an der Ostsee. Dafür sieht der verschneite Markt aus wie auf den alten Festungsplänen.

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Entfernungen in Luftlinie ab „Altstadt von Zamość" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.

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