Was genau geschützt ist
„Altstadt“ ist hier ein umgangssprachlicher Name. Das Gebiet innerhalb der Planty hat offiziell nie so geheißen: bis 1954 war es ein eigener Katasterbezirk mit dem Namen I. Śródmieście, und der heutige Stadtbezirk I Stare Miasto reicht weit darüber hinaus. Der historische Kern selbst umfasst knapp 150 Hektar — an einem Tag zu Fuß zu bewältigen, solange man nicht in jeder Kirche stehen bleibt.
Der Denkmalschutz begann früher als oft angenommen. Am 22. Mai 1933 wurde das Stadtgefüge innerhalb der Planty als Ensemble in die Denkmalliste eingetragen, nicht als Sammlung einzelner Häuser. 1978 kam die Altstadt zusammen mit dem Wawel, der früheren Vorstadt Stradom und der einst selbstständigen Stadt Kazimierz auf die erste UNESCO-Welterbeliste; der Eintrag trägt die Nummer 29 und wurde 2010 präzisiert. Am 16. September 1994 erklärte eine Verordnung des Staatspräsidenten einen noch größeren Bereich zum Denkmal der polnischen Geschichte.
Geschützt ist vor allem der Plan: der Verlauf der Straßen, die Größe der Parzellen, die Linie der niedergelegten Mauern. Das ändert auch die Art des Besuchs — ziellos durch die Gassen zu laufen ist hier keine vertane Zeit, denn das Muster selbst ist das Denkmal.
Das Schachbrett von 1257
Unter den heutigen Bürgerhäusern liegen deutlich ältere Schichten. Am Fuß des Wawel, im Bereich der Kanonicza- und Grodzka-Straße, fanden Archäologen Spuren der Siedlung Okół, seit mindestens dem frühen 9. Jahrhundert von einer Eichenpalisade umgeben. In einem Keller an der Kanonicza kam eine Truhe aus dem 9. Jahrhundert zum Vorschein, in der 4200 eiserne Äxte von über vier Tonnen Gesamtgewicht lagen — damals ein Zahlungsmittel. Es ist der größte Fund dieser Art überhaupt und zeigt, wie wohlhabend der Ort schon vor der Stadtgründung war.
Das heutige Straßennetz entstand nach einer Katastrophe: der Mongoleneinfall von 1241 zerstörte die Siedlung, und der neue Plan — ein regelmäßiges Schachbrett um einen sehr großen quadratischen Markt — wurde 1257 bei der Stadtgründung nach Magdeburger Recht abgesteckt. 1259 kam der nächste Überfall, den von 1287 konnte die Stadt bereits abwehren.
Die Mauern wuchsen über zwei Jahrhunderte. Am Ende umschlossen sie die Stadt auf rund drei Kilometern mit 46 Türmen und sieben Haupttoren. Okół, bis ins 13. Jahrhundert eigenständig, wurde mitsamt der Straße nach Wieliczka einbezogen — deshalb ist der südliche Teil der Altstadt weniger regelmäßig gezeichnet als die Umgebung des Marktes.
Die Planty an der Stelle der Mauern
Den Abbruch der verfallenen Befestigung beschloss die österreichische Verwaltung, ausgeführt wurde er in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts, zur Zeit des Herzogtums Warschau. Dem Beharren von Professor Feliks Radwański ist zu danken, dass der nördliche Abschnitt blieb: die Barbakane von 1499, das Florianstor und drei Türme. Durch dieses Tor zogen die Krönungszüge ein, und genau dieses Argument entschied die Debatte.
Der Graben wurde zugeschüttet, auf dem Mauerstreifen entstanden die Planty — ein grüner Ring, der die Altstadt heute deutlicher begrenzt als eine Mauer, weil man ihn von jeder Querstraße aus sieht. Zwischen den Bäumen stehen Denkmäler aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, unter anderem der Obelisk für Florian Straszewski, einen der Schöpfer der Anlage, und ein Kopernikus als Student vor dem Collegium Novum. Eine Runde um den ganzen Ring erklärt die Form der Stadt schneller als jede Karte.
Der Königsweg
Quer durch die Altstadt führt die Route der Krönungszüge. Der Königsweg beginnt an der Florianskirche in Kleparz, außerhalb der alten Mauern, führt durch Barbakane und Florianstor, die Floriańska-Straße hinunter zum Hauptmarkt und dann die Grodzka hinauf zum Wawel. Das ist keine für Gäste erfundene Strecke, sondern der historische Weg der Herrscher zur Krönung und zur letzten Ruhe.
Unterwegs liegen die bekannten Bauten — Hauptmarkt und Tuchhallen, die Marienkirche, das Collegium Maius, der Wawel — und dazu vieles, was ohne Plan entdeckt wird: die Renaissance-Gasse Kanonicza, die von Giovanni Trevano barockisierte Peter-und-Paul-Kirche, die Annenkirche vom Ende des 17. Jahrhunderts. Zu jeder vollen Stunde erklingt vom Turm der Marienkirche das Hejnał, in vier Richtungen gespielt; daran merkt man am einfachsten, wie weit man sich vom Markt entfernt hat.
Warum das alles noch steht
Krakau war vom 11. Jahrhundert bis 1596 das politische Zentrum Polens; dann verlegte Sigismund III. Wasa den Hof nach Warschau. Das Bistum entstand im Jahr 1000, gekrönt wurde hier seit dem 14. Jahrhundert, die Universität gründete Kasimir der Große. Nach der Verlegung der Residenz verlor die Stadt an Bedeutung — und wurde deshalb nicht umgebaut, was sich als Glück erwies.
Später half die Haltung der Zeit: unter österreichischer Herrschaft galten die Baudenkmäler als Zeugnisse nationaler Identität. 1876 übergab Fürst Władysław Czartoryski seine Sammlungen der Stadt, drei Jahre später entstand das Nationalmuseum. Der große Brand von 1850 vernichtete viel Bausubstanz, aber der Wiederaufbau ließ den Straßenplan unberührt.
Entscheidend war der 18. Januar 1945: sowjetische Truppen nahmen die Stadt ein, die deutschen Einheiten zogen ohne Verteidigung ab. Es gab keine Straßenkämpfe und keine planmäßigen Sprengungen, deshalb blieb die Bebauung der Altstadt im Original erhalten — anders als in fast allen polnischen Städten dieser Größe. Diese Echtheit, nicht das Alter einzelner Häuser, ist hier das Wertvollste.
Anreise
- Mit der Bahn — Kraków Główny liegt unmittelbar an den Planty, vom Hauptmarkt trennen ihn wenige Minuten Fußweg durch die Barbakane; das ist der bequemste Zugang zur Altstadt.
- Mit Tram und Bus — die Linien umfahren die Planty und führen nicht in den Kern hinein; die Haltestellen am Słowacki-Theater, am Allerheiligenplatz und an der Basztowa liegen wenige Minuten vom Markt.
- Mit dem Auto — innerhalb der Planty gilt eine eingeschränkte Zufahrt mit Parkgebühren, viele Gassen sind gesperrt; am einfachsten stellt man den Wagen am Rand des Zentrums ab und geht zu Fuß weiter.
- Vom Flughafen — von Kraków-Balice fährt ein Zug zum Hauptbahnhof, die Fahrt dauert etwa zwanzig Minuten.
Praktische Hinweise
Die Altstadt ist dicht bebaut: auf knapp hundertfünfzig Hektar stehen über ein Dutzend Kirchen, mehrere Museen und ganze Viertel von Bürgerhäusern. Alles an einem Tag zu sehen führt zu müden Beinen und wenig Erinnerung. Besser teilt man das Gebiet auf — Markt und Umgebung, das Universitätsviertel im Westen, Kanonicza und Grodzka im Süden — und lässt dazwischen Zeit für eine Bank in den Planty.
Früh am Morgen ist der Markt fast leer, und dann erkennt man seine Proportionen am besten; im Sommer ist am Nachmittag kaum ein gerader Weg möglich. Überall liegt Kopfsteinpflaster, oft uneben — bequeme Schuhe sind hier kein Stilthema, sondern praktisch, besonders mit Kindern oder Kinderwagen. Türme und Untergrundrouten lassen nur begrenzt viele Gäste pro Tag ein, deshalb klärt man die Zeiten besser vor dem Aufbruch.
Anreise und praktische Infos
- Lage
- Krakau, Woiwodschaft Kleinpolen; Gebiet innerhalb der Planty
- Fläche
- knapp 150 Hektar
- UNESCO-Welterbe
- seit 1978, zusammen mit Wawel, Stradom und Kazimierz
- In der Denkmalliste
- seit 22. Mai 1933, als Stadtgefüge innerhalb der Planty
- Denkmal der polnischen Geschichte
- seit 16. September 1994
- Ehemalige Stadtmauer
- rund 3 km Umfang, 46 Türme und sieben Haupttore
- Dauer des Besuchs
- mindestens ein ganzer Tag nur für das Gebiet innerhalb der Planty
- Aktuelle Öffnungszeiten und Tickets
- offizielles Tourismusportal der Stadt Krakau
Wann am besten
Mai und Juni sind der beste Kompromiss: die Planty sind grün, die Tage lang, und die Menschenmengen haben das Juliniveau noch nicht erreicht. Morgens ist es oft kühl, eine Jacke lohnt sich.
Die meisten Gäste im Jahr und Hitze auf dem offenen Markt, wo es kaum Schatten gibt. Am besten früh morgens und nach acht Uhr abends unterwegs sein und mittags in Innenräume oder in die Planty ausweichen.
September und Oktober sind merklich ruhiger, und das tief stehende Licht über den Fassaden gehört zum Schönsten des Jahres. Die Tage werden schnell kürzer, also früh beginnen.
Kurz, feucht und auf dem Pflaster manchmal glatt, doch der Dezembermarkt und die Stille im Januar haben ihren eigenen Reiz. Kirchen und Museen sind dann der angenehmste Teil des Besuchs.
Weitere Sehenswürdigkeiten in Krakau
Entfernungen in Luftlinie ab „Altstadt von Krakau" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.
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