Woiwodschaft Opole (Oppeln) — Polens kleinste Region, ein erloschener Vulkan und ein Schloss mit 99 Türmchen.
Die kleinste Woiwodschaft Polens liegt beiderseits der Oder, zwischen Oberschlesien und den Sudeten. Für deutschsprachige Gäste ist es zugleich die Region mit der größten deutschen Minderheit des Landes — mit dem Annaberg, dem Renaissanceschloss der schlesischen Piasten in Brieg und dem vollständig erhaltenen Mauerring von Patschkau.
Was Sie vor der Reise wissen sollten
Mit 9412 km² ist Opole (Oppeln) die kleinste und am wenigsten bevölkerte Woiwodschaft Polens. Das hat einen praktischen Vorteil: Von der Stadt Opole erreicht man die tschechische Grenze, Brzeg (Brieg) an der Oder und Paczków (Patschkau) am Sudetenrand jeweils in etwa einer Stunde, ein Standort genügt also für die ganze Region. Hauptachse ist die Oder, von Süden mündet die Glatzer Neiße, von Norden die Malapane. Die drei großen Seen bei Nysa, Otmuchów und Turawa sind Stauseen und dienen auch dem Hochwasserschutz.
Der bekannteste Ort der Region ist der Annaberg (Góra Świętej Anny, 408 m), ein unscheinbarer Hügel mit vulkanischer Vergangenheit: Seine Nephelinite entstanden beim Einbruch einer Caldera vor etwa 27 Millionen Jahren. Oben stehen eine Basilika und ein Franziskanerkloster, begonnen im späten 15. Jahrhundert, dazu der Renaissancehof von 1733–1749; am Hang liegt ein Kalvarienberg mit vierzig Kapellen der Jahre 1700–1709. In einem alten Steinbruch wurde ein Amphitheater mit einem Denkmal von Xawery Dunikowski für die schlesischen Aufstände angelegt. Seit 2004 ist der Berg nationales Geschichtsdenkmal, seit 2010 Teil eines Geoparks. Für deutsche Besucher ist er auch als Wallfahrtsort und Erinnerungsort der Region vertraut.
Zwei Residenzen erzählen sehr verschiedene Geschichten. Das Piastenschloss in Brzeg gilt als reifstes Renaissancebauwerk Schlesiens: Die Flügel von 1541 bis 1547 errichteten die italienischen Architekten Jakob und Franz Parr für Herzog Georg II., und das Torhaus trägt eine Galerie von vierundzwanzig Büsten — oben polnische Herrscher, unten schlesische Herzöge. Heute beherbergt es das Museum der schlesischen Piasten und ist seit 2018 Geschichtsdenkmal. Schloss Moschen (Moszna) wirkt dagegen wie eine Bühnenkulisse: Nach dem Brand von 1896 baute die Familie Tiele-Winckler es in zwei Etappen aus — neugotisch 1896–1900, neurenaissance 1913–1914 — auf 365 Räume und 99 Türme und Türmchen. Der Park umfasst über hundert Hektar mit alten Rhododendren, deren Blüte Ende Mai von Kammerkonzerten begleitet wird.
Paczków hat etwas bewahrt, was in Polen fast einmalig ist: einen geschlossenen Mauerring. Die steinerne Befestigung von etwa 1350 misst 1200 Meter, ist bis zu sieben Meter hoch und umfasst noch neunzehn Schalentürme sowie vier Tortürme, der Breslauer davon rund dreißig Meter hoch. Daher der Beiname polnisches Carcassonne. Im 16. Jahrhundert wurde auch die Johanneskirche in die Verteidigung einbezogen: Das Dach wurde abgesenkt und hinter Schildmauern mit Attika verborgen. Opole selbst erscheint bereits 845 beim Bayerischen Geographen, erhielt vor 1217 Stadtrecht und bewahrt aus der Piastenzeit den Piastenturm aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Das Rathaus erhielt 1864 einen sechzig Meter hohen Turm nach dem Vorbild des Florentiner Palazzo Vecchio; die Häuserzeile am Mühlgraben heißt Oppelner Venedig. Seit 1963 findet im Amphitheater das Festival des polnischen Liedes statt.
Die Natur verteilt sich auf drei Landschaftsparks mit ganz unterschiedlichem Charakter. Das Oppagebirge (Góry Opawskie) ist der östlichste Sudetenausläufer auf polnischem Gebiet; höchster Punkt auf polnischer Seite ist die Bischofskoppe mit knapp 890 Metern und einem Aussichtsturm, Ausgangsorte sind Głuchołazy (Bad Ziegenhals), Jarnołtówek und Pokrzywna. Ganz anders der Stobrawa-Landschaftspark zwischen Oder und Stober: flach, waldreich und mit über fünfzigtausend Hektar einer der größten des Landes.
Ein eigenes Kapitel sind die Tiefenzeit und die heutige Zweisprachigkeit. In Krasiejów bei Opole liegt eine der reichsten Fundstellen triassischer Wirbeltiere Europas, rund 230 Millionen Jahre alt; hier beschrieb Jerzy Dzik 2003 den Archosaurier Silesaurus opolensis, dazu kommen Metoposaurier, Phytosaurier und Stagonolepis. Die Region ist außerdem das Zentrum der deutschen Minderheit in Polen: Die Volkszählung 2021 zählte hier fast sechzigtausend Menschen mit deutscher Nationalität, in vielen Gemeinden ist Deutsch Hilfssprache, und die Ortstafeln sind zweisprachig. Das Freilichtmuseum des oppelner Dorfes in Bierkowice am Stadtrand von Opole zeigt die ländliche Seite Schlesiens.
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Sankt Annaberg
Vulkanischer Härtling über dem Odertal mit der Annabasilika, einem barocken Kalvarienberg und dem Aufstandsdenkmal.
Mehr lesen →Basilika St. Jakobus und Agnes in Nysa (Neisse)
Die größte Kirche von Nysa (Neisse): gotische Halle von 1424–1430, achtzehn Kapellen, unvollendeter Glockenturm und Breslauer Bischofsgräber.
Mehr lesen →Piastenschloss Brieg
Renaissanceresidenz der Herzöge von Brieg mit Arkadenhof und Büstengalerie am Torbau, heute Museum der Schlesischen Piasten.
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Zeit für den Park von Moschen — Rhododendren und Azaleen blühen Ende Mai und Anfang Juni. Im Oppagebirge sind die Wege noch leer, Oder und Neiße führen viel Wasser.
Badesaison an den Stauseen von Nysa, Otmuchów und Turawa, in Opole Konzerte im Amphitheater und Spaziergänge am Mühlgraben. Auf dem Annaberg die meisten Wallfahrten.
Die Buchenwälder des Oppagebirges färben sich gelb, im Stobrawa-Park ziehen Kraniche. Gute Zeit für Schlösser ohne Warteschlangen.
Die Region ist flach und mild, im Winter zählen daher die Innenräume: das Piastenmuseum in Brzeg, die paläontologische Ausstellung in Krasiejów und die Barockkirchen des Oppelner Landes.
Anreise und Wissenswertes
- Anreise
- Über die Autobahn A4 von Breslau oder Katowice (Abfahrten Opole, Prudnik, Nysa), aus Tschechien über die Grenzübergänge bei Głuchołazy; Bahnverbindungen nach Opole, Brzeg und Nysa
- Standorte
- Opole für die Mitte, Brzeg für den Norden, Nysa oder Głuchołazy für das Oppagebirge, Krapkowice und Gogolin für den Annaberg
- Beste Reisezeit
- Mai und Juni für die Schlossparks, September und Oktober für das Oppagebirge
- Entfernungen
- Die Region ist klein — von Opole ist fast alles in einer Stunde erreichbar, ein Standort reicht für die ganze Reise
- Zweisprachigkeit
- In vielen Gemeinden ist Deutsch Hilfssprache, Ortstafeln sind polnisch und deutsch beschriftet
- Aktuelle Zeiten und Tickets
- das offizielle Tourismusportal der Woiwodschaft und die Seiten der einzelnen Objekte
Wie weit zu den Sehenswürdigkeiten
Ungefähre Entfernungen (Luftlinie) vom Zentrum Woiwodschaft Opole (Oppeln) — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße ist es oft weiter.
- Sankt Annaberg
- ~28 km vom Zentrum Woiwodschaft Opole (Oppeln) (Luftlinie)
- Piastenschloss Brieg
- ~40 km vom Zentrum Woiwodschaft Opole (Oppeln) (Luftlinie)
- Basilika St. Jakobus und Agnes in Nysa (Neisse)
- ~44 km vom Zentrum Woiwodschaft Opole (Oppeln) (Luftlinie)
Wo liegt Woiwodschaft Opole (Oppeln)
Häufige Fragen — Woiwodschaft Opole (Oppeln)
Was lohnt sich in der Woiwodschaft Opole zu sehen?
Wo findet man eine Unterkunft in der Woiwodschaft Opole?
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