Sehenswürdigkeit der Region Woiwodschaft Lublin

Schloss Kozłówka — ein Interieur, das nie neu eingerichtet wurde

Der Sitz der Magnatenfamilie Zamoyski nördlich von Lublin hat seine Ausstattung von der Wende zum 20. Jahrhundert fast vollständig behalten: dieselben Stuckdecken, Kachelöfen, Parkettböden und Bilder, die schon die letzten Besitzer sahen. In der früheren Remise hängt dagegen die einzige Sammlung sozialistisch-realistischer Kunst Polens.

fot. Janmad, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Vom Landsitz eines Woiwoden zum Familiensitz

Gebaut wurde das Schloss 1736–1742 für Michał Bieliński, den Woiwoden von Kulm (Chełmno). Als Architekt gilt der Italiener Józef II Fontana, und die Anlage folgt dem barocken Schema entre cour et jardin: das Haus in der Mitte, auf der einen Seite der Ehrenhof, auf der anderen der Garten.

1799 kam der Besitz an die Familie Zamoyski und blieb bis 1944 in ihrer Hand. Lange war Kozłówka nur ein Gut unter mehreren. Erst Konstanty Zamoyski machte es gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu seinem Hauptsitz und ließ umbauen — bis in die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg.

Damals entstanden die auf Arkaden gestellte Säulenvorhalle, die Gartenterrasse mit Freitreppe und die beiden hohen Seitentürme. Aus einem bescheidenen Landschloss wurde eine der aufwendigsten Residenzen im damals russisch beherrschten Königreich Polen.

Alles echt, nichts rekonstruiert

Was Kozłówka von fast allen polnischen Residenzen unterscheidet, ist der originale Zustand der Räume. Neobarocke und neoklassizistische Deckenbilder nach Entwürfen von Jan Heurich dem Jüngeren, Öfen aus Meißener Kacheln, Marmorkamine und Eichenparkett sind keine Nachkriegskopien, sondern die Substanz von vor über hundert Jahren.

Die Wände sind dicht behängt: Familienporträts, Bildnisse von Personen aus dem Umfeld des Hauses und dazwischen Kopien europäischer Meisterwerke. Solche Kopien zu bestellen war im 19. Jahrhundert üblich und galt als Zeichen von Bildung. Hinzu kommen Möbel, Spiegel, Teppiche, Porzellan, vergoldete Bronzen und Silber aus dem alten Bestand.

Technisch war das Haus seiner Zeit voraus. In den Türmen stecken große Wasserbehälter, im Erdgeschoss und im ersten Stock wurden Badezimmer eingebaut — am östlichen Rand des Zarenreichs eine Seltenheit.

Fideikommiss und ein Turnerlager

1903 genehmigte Zar Nikolaus II. nach langem Bemühen der Familie das Fideikommiss Kozłówka: der Besitz durfte weder geteilt noch verkauft werden und ging stets an den ältesten Erben. Deshalb blieb die Sammlung als Ganzes zusammen.

1928 richtete Adam Michał Zamoyski, Besitzer und Vorsitzender des Turnvereins „Sokół“, im Schlossgarten das Trainingslager der polnischen Turnmannschaft für die Olympischen Spiele in Amsterdam ein.

Juli 1944 — und warum die Sammlung blieb

Anfang Juli 1944 brachte die Familie die wertvollsten Stücke — Miniaturen, Medaillons, Porzellan, Elfenbeinarbeiten — vor der heranrückenden Front zu Bekannten nach Warschau. Gerade dieser Teil ging verloren: er verbrannte im Warschauer Aufstand. Was in Kozłówka blieb, überdauerte.

Um den 20. Juli besetzte die Rote Armee das Schloss und quartierte dort einen Kommandeur ein. Der zuständige Offizier sorgte persönlich dafür, dass die zurückgelassene Ausstattung nicht geplündert wurde — ein ungewöhnlicher Vorgang, dem das Haus seinen heutigen Zustand verdankt.

Seit November 1944 ist das Schloss Staatsbesitz und diente fast sofort musealen Zwecken; eine Zeit lang lagerte hier das Kunstministerium Bestände aus ganz Polen ein. In den 1970er Jahren wurde es wieder im vollen Sinn Museum, seit 1992 heißt es Zamoyski-Museum. Die gesamte Schloss- und Parkanlage ist seit dem 16. Mai 2007 polnisches Geschichtsdenkmal (Pomnik historii).

Die Remise voller Lenin-Denkmäler

Die zweite Sehenswürdigkeit liegt in der früheren Remise. Die Galerie des Sozialistischen Realismus ist die einzige ihrer Art in Polen: über eintausendsechshundert Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen, Grafiken und Plakate aus der ersten Hälfte der 1950er Jahre. Vieles kam nach 1956 hierher, als diese Kunst ihre offizielle Rolle verlor und in Depots verschwand.

Draußen stehen abgebaute Denkmäler von Bolesław Bierut, Lenin und Julian Marchlewski. Während des Rundgangs laufen Parteireden, Wochenschauausschnitte und Lieder der Epoche über Lautsprecher. Der Abstand von wenigen Schritten zwischen Magnatensalon und Propagandakunst ist der eigentliche Reiz des Ortes.

Kapelle, Garten und Umgebung

Neben dem Schloss steht eine Kapelle nach dem Vorbild der Schlosskapelle von Versailles, mit einer Kopie des Grabmals von Zofia Zamoyska, geborene Czartoryska. Vor dem Haus liegt ein Garten im französischen Barockstil, ringsum ein Park von etwa zwanzig Hektar, in dem auch ein Denkmal für napoleonische Soldaten steht.

Südlich schließt der Landschaftspark Kozłówka an, sodass sich der Besuch ohne Auto um einen Waldspaziergang verlängern lässt. Für deutsche Gäste ist Kozłówka gut mit Lublin und Kazimierz Dolny zu einer Lublin-Runde zu verbinden.

Anreise

  • Mit dem Auto — rund neun Kilometer westlich von Lubartów und knapp dreißig Kilometer nördlich von Lublin; am Museum gibt es einen Parkplatz.
  • Ohne Auto — mit Bahn oder Bus nach Lubartów, weiter mit dem Regionalbus Richtung Kamionka.
  • Mit dem Rad — von Lubartów durch den Landschaftspark, flach und ohne nennenswerte Steigungen.

Praktische Hinweise

Das Schloss wird in Führungen besucht und die Zahl der Einlässe pro Tag ist begrenzt; in der Saison lohnt es, früh zu kommen oder vorher nach einer Reservierung zu fragen. Die Galerie und die Remise werden getrennt besichtigt — für alles zusammen ist ein halber Tag realistisch.

Die Räume sind zum Schutz der Ausstattung abgedunkelt, was beim Fotografieren enttäuschen kann. Im Hof und im Garten gilt das nicht; die beste Ansicht der Säulenvorhalle hat man von der Zufahrt.

Anreise und praktische Infos

Lage
Dorf Kozłówka, Powiat Lubartów, Woiwodschaft Lublin, etwa dreißig Kilometer nördlich von Lublin
Sehenswert
Schlossräume, Kapelle, Galerie des Sozialistischen Realismus in der Remise, Barockgarten und Park
Alter
Bau 1736–1742, Umbau um die Wende zum 20. Jahrhundert
Status
Geschichtsdenkmal (Pomnik historii) seit 2007, Sitz des Zamoyski-Museums
Zeitbedarf
etwa zwei Stunden für Schloss und Kapelle, ein halber Tag mit Galerie und Park
Anreise ohne Auto
Bahn oder Bus nach Lubartów, weiter mit dem Regionalbus Richtung Kamionka
Barrierefreiheit
Park und Hof ohne Hindernisse; im Schloss führt der Weg über mehrere Etagen und Treppen
Aktuelle Öffnungszeiten und Tickets
offizielle Seite des Zamoyski-Museums in Kozłówka
Mapa: Google Maps · 51.4596, 22.4894

Wann am besten

Frühling

Der Garten wird gerade grün, im Haus ist es noch ruhig — vor den Mai-Feiertagen die bequemste Zeit für eine Führung.

Sommer

Die meisten Gäste, besonders an Wochenenden und bei Schulfahrten. Die Kühle der Säle ist bei Hitze ein Argument für sich.

Herbst

Der Park färbt sich, es kommen weniger Gruppen, und das Nachmittagslicht steht gut auf der Vorhalle. Gute Zeit für einen Spaziergang in den Landschaftspark.

Winter

Die stillsten Monate, allerdings ist der Rundgang dann oft eingeschränkt — vorher nachfragen. Die Räume sind nicht geheizt, also warm anziehen.

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Entfernungen in Luftlinie ab „Schloss Kozłówka" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.

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~25 km Luftlinie
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Übernachten in der Nähe

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