Sehenswürdigkeit der Region Pieninen

Nationalpark Gorce — Karpatenurwald und Bergwiesen über den Pieninen

Die Gorce haben keine Felsgrate und keine Seen, deshalb fahren die Reisebusse weiter zur Tatra und in die Pieninen. Übrig bleibt ein Nationalpark, in dem Wald neunzehn von zwanzig Hektar bedeckt und der Blick auf die Tatra plötzlich aufreißt — sobald man aus dem Wald auf eine alte Hirtenwiese tritt.

fot. Jerzy Opioła, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Ein Gebirge, das übersehen wird

Der Park entstand 1981 und war damit einer der späteren in Polen — die Tatra stand schon ein Vierteljahrhundert unter Nationalparkschutz. Er begann mit knapp 24 km² und umfasst heute 70,3 km², umgeben von einer Pufferzone mehr als doppelter Größe. Die Verwaltung sitzt in Poręba Wielka am Nordfuß des Massivs.

Geschützt werden der mittlere und der nordöstliche Teil des Gorce-Gebirges, eines Zuges der Westbeskiden zwischen Mszana Dolna, Nowy Targ und dem Dunajec-Tal. Verwaltungsmäßig liegt das alles in der Woiwodschaft Kleinpolen, verteilt auf fünf Gemeinden in zwei Landkreisen.

Die Lage ist für die Gorce ein Nachteil und ein Geschenk zugleich. Westlich lockt die Hohe Tatra mit Felsgraten, östlich die Dunajec-Flößerei in den Pieninen; die Gorce liegen dazwischen, ohne Pflichtpunkt auf der Liste. Wer Ruhe sucht, findet hier genau das: mitten in der Woche lässt sich ein Kamm stundenlang begehen, ohne jemandem zu begegnen — in den polnischen Karpaten eine Seltenheit.

Runde Kuppen und eine wichtige Grenze

Die Kämme sind breit und kuppelförmig, ohne Felszacken, denn Sandstein und Schiefer verwittern gleichmäßig. Höchste Erhebung innerhalb des Parks ist die Jaworzyna Kamienicka mit 1288 m; Kiczora und Trzy Kopce bleiben nur wenige Meter darunter.

Der höchste Berg des gesamten Gebirges, der Turbacz mit 1310 m, liegt dagegen außerhalb der Parkgrenze, die östlich und nördlich am Gipfel vorbeiführt. Das führt regelmäßig zu Verwechslungen, weil der Turbacz der bekannteste Punkt der Gorce ist und die meisten Wege über ihn verlaufen — der Gipfel selbst aber formal nicht zum Park gehört.

Von den Kämmen und besonders von den Wiesen an ihrem Rand reicht der Blick weit: nach Süden auf die Hohe Tatra mit ihrem gesamten Hauptkamm, näher auf die Pieninen mit den Drei Kronen, nach Osten auf den Beskid Sądecki. Der Wald ist hoch genug, dass sich die Aussicht erst beim Heraustreten ins Offene öffnet — diese Plötzlichkeit macht den Eindruck.

Urwald und von Menschenhand gemachte Lichtungen

Rund 95 Prozent der Fläche sind bewaldet, und die ältesten Bestände haben den Charakter des Karpatenurwalds behalten: Fichte, Tanne und Buche in einem Bestand, viel Totholz, ungleiche Altersstruktur. Die Höhenstufen sind klassisch ausgeprägt — die untere Waldstufe reicht bis etwa 1100 Meter, darüber beginnt die obere mit vorherrschender Fichte.

Nachgewiesen sind über 900 Farn- und Blütenpflanzen sowie etwa 450 Flechtenarten. Die zweite Zahl sagt über die Luftqualität mehr als jede Messreihe, denn Flechten verschwinden als Erstes, wenn Schadstoffe eintreffen. Ein Teil der Arten stammt aus dem Hochgebirge und hält sich hier auf Wiesen und Felsbändern.

Die Bergwiesen sind der interessanteste Teil dieser Landschaft, weil sie nicht natürlich sind. Schafbeweidung gab es in den Gorce seit der walachischen Besiedlung, also etwa seit dem 14. Jahrhundert; Hirten schlugen die Lichtungen in den Wald, und Mähen und Beweidung hielten sie über Jahrhunderte offen. Als die Weidewirtschaft endete, kehrte der Wald zurück — der Park mäht deshalb ausgewählte Wiesen weiter, um Aussicht und Pflanzenwelt zu erhalten. Im Frühjahr überzieht Krokusblüte einige von ihnen.

Salamander und die großen drei

  • Feuersalamander — schwarz mit gelben Flecken, Wahrzeichen des Parks und Teil seines Logos; er zeigt sich nach Regen, am liebsten in der Dämmerung auf feuchten Waldwegen.
  • Bär, Wolf und Luchs — alle drei großen Karpatenräuber kommen vor; eine Begegnung ist unwahrscheinlich, Spuren und Losung sieht man regelmäßig.
  • Wirbeltiere — etwa 185 Arten, darunter knapp 130 Vogelarten, von denen rund hundert brüten; eine Spechthöhle in einer alten Fichte ist hier wertvoller als die Fichte selbst.
  • Karpatenmolch — ein Endemit der Karpaten, auf kleine, kalte Gewässer angewiesen; solche Arten sind das Hauptargument für den strengen Schutz von Teilflächen.
  • Totholzinsekten — Arten, die sich in zerfallenden Stämmen entwickeln und in Wirtschaftswäldern fehlen, weil dort das Holz abgefahren wird.

Anreise

  • Mit dem Auto — die bequemsten Zustiege beginnen in Poręba Wielka, Niedźwiedź, Lubomierz und Ochotnica; Parkplätze liegen an den Wegeinstiegen, nicht im Talinneren.
  • Öffentlich — Bahn bis Nowy Targ oder Chabówka, weiter mit Bus oder Kleinbus in die Dörfer am Fuß; machbar, aber am Wochenende mit dünnem Fahrplan.
  • Von den Pieninen — aus dem Dunajec-Tal führen Wege über Ochotnica und den Lubań auf die Gorce-Kämme, sodass sich beide Gebirge zu einer mehrtägigen Tour verbinden lassen.
  • Zu Fuß im Park — mehrere markierte Wege treffen am Turbacz zusammen; dazu kommen Lehrpfade unterschiedlicher Länge, die ohne Führer begehbar sind.

Praktische Hinweise

Die Gorce sind nur dem Aussehen nach sanft. Die Zustiege aus den Tälern überwinden mehrere Hundert Höhenmeter, die Wege führen durch Wald ohne Orientierungspunkte, und bei Nebel sehen die runden Kämme in jede Richtung gleich aus. Karte oder Track im Telefon sind hier wichtiger als in der Tatra, wo immer klar ist, wo oben ist.

Nach Regen werden die Waldwege der unteren Stufe zu lehmigem Schmier, und was auf der Karte nach gemütlichem Anstieg aussieht, dauert anderthalbmal so lange. Schuhe mit kräftiger Sohle machen hier einen größeren Unterschied als in der Nachbarschaft.

Große Raubtiere sind in diesem Gebiet keine Theorie. Es geht nicht um Angst, sondern um Vernunft: Essbares bleibt nicht am Zelt, der Hund läuft angeleint, und bei einer Bärenbegegnung zieht man sich ruhig zurück, ohne zu laufen. Zelten außerhalb der ausgewiesenen Plätze ist im Park untersagt.

Anreise und praktische Infos

Lage
mittleres und nordöstliches Gorce-Gebirge, Woiwodschaft Kleinpolen; Parkverwaltung in Poręba Wielka
Fläche
70,3 km², davon etwa 95 Prozent Wald
Gründungsjahr
1981
Höchster Punkt im Park
Jaworzyna Kamienicka, 1288 m (der Turbacz mit 1310 m liegt außerhalb der Parkgrenze)
Zeitbedarf
Lehrpfad — ab zwei Stunden; Kammwanderung mit Zustieg aus dem Tal — ein ganzer Tag
Aktuelle Öffnungszeiten und Tickets
offizielle Website des Parks
Mapa: Google Maps · 49.5583, 20.1625

Wann am besten

Frühling

Auf den Wiesen blühen Krokusse, im Wald liegt lange nasser Schnee, die Bäche führen Hochwasser. Die schönste und schlammigste Zeit des Jahres.

Sommer

Der Blick zur Tatra ist morgens am klarsten, bevor die Wolken aufquellen. Nachmittags ziehen regelmäßig Gewitter über die Kämme — früh absteigen.

Herbst

Die Buchen der unteren Waldstufe färben sich gelb und rostrot, die Luft ist klar, auf den Wegen ist fast niemand. Für viele die beste Zeit für die Gorce.

Winter

Die Kämme verlangen Schneeschuhe oder Tourenski, die Tage sind kurz. Kaum Verkehr, aber Orientierung bei Nebel und Schneetreiben wird zum echten Problem.

Weitere Sehenswürdigkeiten in Pieninen

Entfernungen in Luftlinie ab „Nationalpark Gorce" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.

Burg CzorsztynRuinen einer mittelalterlichen Königsburg aus dem 13. Jahrhundert, heute malerisch über de
~16 km Luftlinie
Burg NiedzicaGotisch-renaissance Burg aus dem 14. Jahrhundert, die am besten erhaltene in Südpolen, am
~18 km Luftlinie
Floßfahrt durch den Pieninen-Durchbruch des DunajecZweistündige Fahrt auf hölzernen Flößerflößen durch den Pieninen-Durchbruch — von Kąty in
~20 km Luftlinie
Drei KronenDer berühmteste Gipfel der Pieninen (982 m ü. NN) mit Aussichtsterrasse auf der Okrąglica
~24 km Luftlinie
Pieninen-NationalparkEiner der ältesten Nationalparks Polens (1932), 23,75 km² — Sitz in Krościenko, Drei Krone
~24 km Luftlinie
SokolicaDie zweite Ikone der Pieninen (747 m) mit einer einsamen, aus dem Felsen wachsenden Kiefer
~24 km Luftlinie
Szczawnica — KurortHistorischer Kurort, seit 1839 in Betrieb — Oberer und Unterer Park, Promenade Plac Dietla
~27 km Luftlinie
Homole-Schlucht in JaworkiFelsschlucht in den Kleinen Pieninen bei Jaworki — senkrechte Wände 120 m, eine der schöns
~29 km Luftlinie

Übernachten in der Nähe

Wir arbeiten an einer Liste geprüfter Unterkünfte in der Region Pieninen. Wenn Sie eine Pension, ein Ferienhaus oder ein Apartment in der Umgebung betreiben — melden Sie es an.

Objekt hinzufügen →