Ein Fluss als Hauptdarsteller
Der Park wurde 1990 auf knapp 87 km² eingerichtet und später auf über 113 km² erweitert. Seine Form folgt dem Wasser: Rückgrat sind die Täler der Drawa und der Płociczna, die sich in eine sandige Grundmoränenebene eingegraben haben. Die Verwaltung sitzt in Drawno, und das Schutzgebiet liegt dort, wo die Woiwodschaften Westpommern, Lebus und Großpolen aneinanderstoßen — gut hundert Kilometer östlich der Oder.
Für deutsche Besucher ist das eine ungewöhnliche Erfahrung: Landschaftlich ähnelt die Umgebung der Uckermark oder der Mecklenburgischen Seenplatte, doch der Fluss verhält sich völlig anders. Die Drawa strömt in einer tief eingeschnittenen, kurvigen Rinne, über Kiesbänke, mit einem Tempo, das man im Flachland nicht erwartet. Fachleute sprechen von einem Fluss mit Mittelgebirgscharakter — im Winter friert ein Teil der Strecke gar nicht zu, weil das Wasser einfach nicht langsamer wird.
Zwölf Teilflächen mit zusammen fast 1400 Hektar stehen unter strengem Schutz und werden dem natürlichen Ablauf überlassen: Bäume stürzen und bleiben liegen, der Fluss untergräbt seine Ufer und verlagert Sand, Moore wachsen in ihrem eigenen Takt. Der übrige Park ist zugänglich, allerdings nur auf den markierten Wegen.
Zwanzig Seen und ein außergewöhnlicher darunter
Im Park liegen zwanzig Seen; Wasser bedeckt etwa ein Zehntel der Fläche. Sie entstanden in derselben Epoche wie das Flusstal: Das Inlandeis hinterließ Rinnen, Senken und Toteisblöcke, die erst nach seinem Rückzug ausschmolzen. Zu den größten gehören Ostrowieckie und Ostrowite, beide fast vollständig von Wald umschlossen.
Eine Besonderheit ist der Czarne-See, in dem sich die Wasserschichten praktisch nicht durchmischen. Die tieferen Bereiche bleiben das ganze Jahr von Oberfläche und Sauerstoff abgeschnitten — in Polen gibt es nur sehr wenige solcher Gewässer. Für die Forschung ist das wertvoll, weil die ungestörten Sedimente am Grund die Jahrhunderte Schicht für Schicht aufbewahren.
Mehrere Seen sind ausgesprochen klar und nährstoffarm, mit charakteristischen Armleuchteralgen am Boden. Solche Gewässer reagieren auf jede Veränderung im Einzugsgebiet: Dünger von einem Feld oder Abwasser eines einzelnen Hofes genügen, damit klares Wasser dauerhaft grün wird. Deshalb bleiben die Ufer unbebaut, und Baden ist nur an wenigen ausgewiesenen Stellen erlaubt.
Kiefern, Buchen und sehr alte Eichen
Den größten Teil des Parks nehmen Kiefernwälder auf armen Sandböden ein — das vertraute Bild dieses Teils von Pommern. An den fruchtbareren Talhängen und rund um die Seen stehen dagegen pommersche Buchenwälder: hoch, schattig, mit nahezu leerem Unterwuchs und glatten grauen Stämmen wie Säulen.
Die ältesten Bäume sind Eichen und Buchen mit geschätzten 300 bis 400 Jahren. Sie stehen einzeln oder in kleinen Gruppen, meist dort, wo Holzeinschlag früher mühsam war: über einer Steilkante, auf einer Halbinsel, im Sumpf. Insgesamt wurden im Park etwa 900 Farn- und Blütenpflanzen nachgewiesen, dazu kommen Moose, Flechten und Pilze.
Der dritte Landschaftstyp sind Moore in abflusslosen Senken. Betreten werden sie ausschließlich über Bohlenwege, denn die Torfschicht ist teils dünn und darunter steht Wasser. Dort wachsen fleischfressende Pflanzen und seltene Orchideen, die weder Austrocknung noch Trittbelastung verkraften.
Wer hier lebt
- Fischotter — das Wahrzeichen des Parks; er braucht klares Wasser und unterspülte Ufer, und man findet eher seine Spuren und Fraßreste als das Tier selbst.
- Biber — baut kleinere Wasserläufe nach eigenen Vorstellungen um; seine Dämme und überstauten Wälder sind fast überall zu sehen, wo das Wasser langsamer wird.
- Vögel — knapp 130 Brutvogelarten, darunter der Seeadler, der alte Bäume am Wasser braucht, und der Eisvogel, der seine Höhle in die senkrechte Uferwand gräbt.
- Säugetiere — rund fünfzig Arten; neben Rothirsch, Rehwild und Wildschwein kommen Wölfe vor, gelegentlich wandert ein Elch ein.
- Fische — mehrere Dutzend Arten, von häufigen bis zu solchen, die kaltes, sauerstoffreiches Wasser brauchen; sie sind der Grund für den Ruf der Drawa unter Anglern.
Anreise und Bewegung im Park
- Mit dem Auto — die bequemsten Zugänge liegen bei Drawno und Stare Osieczno; im Park darf nur auf ausgewiesenen Plätzen geparkt werden.
- Mit Bahn und Bus — Züge halten in Kalisz Pomorski und Choszczno, danach ist man auf Busse oder das Fahrrad angewiesen; die Anreise ohne Auto will vorab geplant werden.
- Mit dem Kanu — die Drawa-Tour ist die naturgemäße Art, den Park zu erleben; auf dem Parkabschnitt gelten eigene Regeln, darunter feste Biwakplätze und zeitweise Sperrungen einzelner Flussstrecken.
- Mit dem Fahrrad — topografisch flach, aber sandig; breitere Reifen als am Rennrad ersparen viel Ärger.
Praktische Hinweise
Die Drawa verzeiht Übermut nicht. Die Strömung ist zügig, und im Wasser liegen Stämme und Äste, die bei höherem Wasserstand unsichtbar werden — sie kippen Boote, nicht die Strömung. Früh starten, Zeitreserve für Umtragestellen einplanen und das Gepäck in wasserdichte Säcke packen, auch bei wolkenloser Vorhersage.
In den Wäldern gilt Wegegebot, und das ist keine Formsache: Große Teile sind trittempfindlich, und auf den Mooren ist das Verlassen der Bohlenwege schlicht gefährlich. Für Fahrräder und Hunde bestehen eigene Regelungen, die man vor der Fahrt auf der Parkseite nachsehen sollte.
Mücken und Kriebelmücken am Wasser können von Mai bis August unangenehm werden — lange Ärmel wirken besser als jedes Mittel. Wem es um Tiere und nicht um Kilometer geht, der sollte im Morgengrauen losgehen; tagsüber sieht man am Fluss vor allem Spuren.
Anreise und praktische Infos
- Lage
- Waldgebiet der Drawa-Niederung, an der Grenze der Woiwodschaften Westpommern, Lebus und Großpolen; Parkverwaltung in Drawno
- Fläche
- über 113 km², davon etwa ein Zehntel Wasser
- Gründungsjahr
- 1990
- Zeitbedarf
- Lehrpfad — ein halber Tag; Kanutour durch den Park — zwei bis drei Tage
- Gelände
- Flachland, aber die Talhänge sind steil, sandig und nach Regen rutschig
- Aktuelle Öffnungszeiten und Tickets
- offizielle Website des Parks
Wann am besten
Hoher Wasserstand, der Fluss ist so schnell wie nie im Jahr — für erfahrene Kanuten der spannendste Moment, für Anfänger keiner. Die Buchenwälder werden grün, bevor das Laub den Boden beschattet.
Die meisten Menschen auf der Kanustrecke und die einzige Zeit, in der Baden in den Seen angenehm ist. Auf beliebten Abschnitten lohnt ein früher Start.
Die Buchen färben sich rostbraun, der Fluss fällt und wird langsamer, der Besucherstrom lässt deutlich nach. Die beste Zeit für Lehrpfade und Vogelbeobachtung.
Teile der Strömung frieren nicht zu und ziehen Vögel an, die offenes Wasser suchen. Die Wälder sind still, die Tage kurz, die Sandwege weich.
Weitere Sehenswürdigkeiten in der Woiwodschaft Westpommern
Entfernungen in Luftlinie ab „Nationalpark Drawa" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.
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