Sehenswürdigkeit der Region Woiwodschaft Karpatenvorland

Magura-Nationalpark — die stillen Täler der Niederen Beskiden

Der Park liegt im niedrigsten Teil der polnischen Karpaten, in einem Gebirge ohne Felsgrate und ohne Andrang. Er schützt Wälder, die nach den Vertreibungen über die alten lemkischen Felder gewachsen sind — und eines der dichtesten Brutgebiete des Schreiadlers in Polen.

fot. Jakub Syrek, CC BY-SA 3.0 pl · Wikimedia Commons

Ein Gebirge ohne hohe Gipfel

Der Park wurde am 1. Januar 1995 eingerichtet und umfasst 194,39 km². Er liegt fast vollständig in der Woiwodschaft Karpatenvorland, ein westlicher Streifen gehört zu Kleinpolen. Verwaltung und Bildungszentrum befinden sich in Krempna, einem Dorf an der Wisłoka, von dem aus die meisten Wanderungen beginnen.

Geschützt wird der mittlere Teil der Niederen Beskiden (Beskid Niski), des niedrigsten und gleichzeitig breitesten Beskidenzuges. Höchster Punkt im Park ist die Wątkowa mit 846 m — eine Höhe, die im Alpenmaßstab kaum zählt und hier trotzdem über dichtem Bergwald liegt. Die slowakische Grenze verläuft nur wenige Kilometer südlich.

Der Untergrund besteht aus Karpatenflysch, einem Wechsel von Sandstein- und Tonschieferschichten. Wo die harten Bänke des Magura-Sandsteins stehen geblieben sind, ragen mitten im Wald Felstürme auf — der einzige Ort, an dem dieses Gebirge etwas Alpines zeigt.

Wald über verlassenen Dörfern

Über 90 Prozent der Fläche sind Wald, und ein großer Teil davon ist jünger als er aussieht. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in diesen Tälern die Lemken, eine Bevölkerung mit walachischen und ruthenischen Wurzeln. Nach 1945 wurden sie vertrieben; die Aktion „Weichsel“ von 1947 verschleppte fast alle verbliebenen Familien in andere Landesteile.

Die Felder fielen brach und wuchsen über Jahrzehnte zu. Wer heute durch den Wald geht, erkennt unter den Bäumen die Terrassen der alten Äcker, Steinfundamente, verwilderte Obstbäume und Zaunreste. Von Świerzowa Ruska sind nur der Name, der Friedhof und ein Lehrpfad über das ehemalige Dorfgelände geblieben.

Für die Natur war dieser Rückzug ein Geschenk: große, unzerschnittene Waldgebiete, wenige Straßen, kaum Einwohner. Buchenwälder mit Tanne prägen die Kämme, entlang der Bäche halten sich feuchte Wälder und langsam verbuschende Wiesen.

Schreiadler, Bär, Wildkatze

  • Schreiadler — in den Niederen Beskiden erreicht er die höchste Brutdichte Polens; er nistet in alten Beständen und jagt auf offenen Wiesen, weshalb das Zuwachsen der Täler für ihn ein Problem ist.
  • Braunbär — der Park gehört zum Verbreitungsgebiet der Karpatenpopulation; man sieht in der Regel Spuren und aufgegrabene Ameisenhügel, nicht das Tier selbst.
  • Wolf und Luchs — beide jagen hier und nutzen den durchgehenden Waldgürtel über die Staatsgrenze hinweg.
  • Europäische Wildkatze — in Polen sehr selten; dieser Park ist einer der wenigen Orte mit regelmäßigen Nachweisen.
  • Waldvögel — über hundert Brutvogelarten, darunter Schwarzstorch, Habichtskauz und Steinadler.

Felsen, Holzkirchen, Soldatengräber

Die bekannteste Felsgruppe sind die Kornuty im Massiv der Magura Wątkowska: Sandsteintürme mit Überhängen und kleinen Halbhöhlen. Am Rand des Parks, bei Folusz, steht der Diabli Kamień („Teufelsstein“), als Naturdenkmal geschützt.

Kulturell ist die Gegend genauso interessant. In Kotań, Świątkowa Mała und Wielka, Bartne, Olchowiec und Krempna stehen hölzerne lemkische Kirchen, teils aus dem 18. Jahrhundert, heute katholische Kirchen oder Museen. Bei Brzezowa wurde ein Burgwall aus dem 9. und 10. Jahrhundert untersucht.

Auf Kämmen und Pässen liegen Soldatenfriedhöfe des Ersten Weltkriegs: 1915 verlief die Front durch die Niederen Beskiden, die Toten wurden am Ort der Kämpfe begraben. Am Hałbów-Pass erinnert ein Massengrab an die 1942 ermordeten jüdischen Einwohner der Region.

Anreise

  • Mit dem Auto — von Jasło oder Nowy Żmigród nach Krempna; schmale, aber asphaltierte Straßen, kleine Parkplätze an den Wegeinstiegen.
  • Mit Bahn und Bus — Zug bis Jasło, Gorlice oder Krosno, weiter mit Bus oder Kleinbus Richtung Krempna und Folusz; die Verbindungen sind dünn, die Rückfahrt vorher einplanen.
  • Mit dem Fahrrad — die Täler eignen sich gut für mehrtägige Touren auf verkehrsarmen Straßen.
  • Zu Fuß von weiter her — der Hauptbeskidenweg (Główny Szlak Beskidzki) führt durch diese Gegend, der Park lässt sich also in eine längere Durchquerung einbauen.

Praktische Hinweise

Dies ist kein Gebirge, in dem alle zehn Minuten jemand entgegenkommt. Der Mobilfunk hat Lücken, Läden sind selten, die nächste Tankstelle kann eine halbe Stunde entfernt sein. Wasser, Proviant und Stirnlampe gehören ins Gepäck, ebenso eine Karte oder ein Track auf dem Telefon: Forstwege gabeln sich häufig und Markierungen verblassen.

In der Brutzeit der Greifvögel gelten um die Nester Schutzzonen — auf den Wegen zu bleiben ist hier keine Formalität. Wegen der Bären gilt die einfache Regel, am Lagerplatz kein Essen offen liegen zu lassen und sich in dichtem Jungwald hörbar zu bewegen. Hohe, wasserdichte Schuhe sind sinnvoll, denn die Waldwege halten den Schlamm lange.

Anreise und praktische Infos

Lage
mittlere Niedere Beskiden, Woiwodschaft Karpatenvorland; Verwaltung und Bildungszentrum in Krempna
Fläche
194,39 km², über 90 Prozent davon Wald
Gründungsjahr
1995
Höchster Punkt
Wątkowa, 846 m, im Massiv der Magura Wątkowska
Zeitbedarf
Lehrpfad — zwei bis vier Stunden; Kammwanderung mit Zustieg aus dem Tal — ein ganzer Tag
Aktuelle Öffnungszeiten und Tickets
offizielle Website des Parks
Mapa: Google Maps · 49.5167, 21.5167

Wann am besten

Frühling

Die beste Zeit für Vögel: die Schreiadler sind zurück, das Laub verdeckt noch nichts, und auf den alten Feldern blühen die Obstbäume verschwundener Dörfer. Die Waldwege sind nass.

Sommer

Das Grün schließt die Aussicht, man geht eher des Waldes als der Panoramen wegen. Lange Tage, und selbst im August bleibt es ruhig.

Herbst

Die Buchen färben sich rostrot, die Luft wird klar, von den Kämmen reicht der Blick endlich weit. Für viele die schönste Zeit in den Niederen Beskiden.

Winter

Es fällt viel Schnee und er bleibt lange liegen; gespurt wird nicht. Eher Gelände für Schneeschuhe und Langlaufski — dafür findet man im Neuschnee Wolfsspuren.

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Entfernungen in Luftlinie ab „Magura-Nationalpark" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.

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