Sehenswürdigkeit der Region Woiwodschaft Kleinpolen

Staniątki — die älteste Benediktinerinnenabtei Polens bei Krakau

Zwanzig Kilometer östlich von Krakau leben Benediktinerinnen seit dem frühen 13. Jahrhundert ohne Unterbrechung an derselben Stelle. Ihre Klosterkirche besitzt den ältesten erhaltenen Hallenraum Polens, und im Archiv liegen Papstbullen aus dem 13. Jahrhundert.

fot. Zygmunt Put, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Acht Jahrhunderte an einem Ort

Die Stiftung geht auf Klemens von Brzeźnica aus dem Adelsgeschlecht der Gryfiten und seine Frau Racława zurück; erste Äbtissin wurde ihre Tochter Wisenna. Das Gründungsjahr ist umstritten — das Jubiläum der 800 Jahre feierte die Gemeinschaft 2016, andere Darstellungen nennen 1228. Gesichert ist die Bulle Innozenz' IV. von 1253, die die Privilegien des Klosters bestätigte.

Was sich nicht bestreiten lässt: Es ist das älteste Kloster von Benediktinerinnen in Polen, und die Gemeinschaft hat diesen Ort in acht Jahrhunderten nie aufgegeben. Eine ältere Legende lässt den heiligen Adalbert 997 hier Halt machen; belegt ist sie nicht, aber das Patrozinium der Abtei trägt seinen Namen.

Hallenkirche aus dem 13. Jahrhundert

Der Chor wurde 1238 geweiht, das dreijochige Hallenschiff in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts angefügt. Für Polen war der Hallenraum damals neu; der in Staniątki ist der älteste erhaltene des Landes. Ungewöhnlich für die Zeit sind sogar die Namen der Baumeister überliefert: Wierzbięta und Jaśko.

Im 17. Jahrhundert wurde der Innenraum barockisiert, 1734–1739 kamen spätbarocke Wand- und Deckenbilder hinzu, die Andrzej Radwański zugeschrieben werden. Aus der älteren Ausstattung ragen ein Marienbild des 16. Jahrhunderts und eine Monstranz von 1534 heraus. In der Nordwand stecken bis heute Geschosse vom November 1914, als die Front des Ersten Weltkriegs direkt am Kloster vorbeilief.

Brand, Krieg und eine Schule als Rettung

Ein Brand von 1530 vernichtete die meisten frühen Bauten und die gesamte Bibliothek. Der Wiederaufbau fiel in die Jahre 1619 bis 1649 unter Äbtissin Anna Cecylia Trzcińska; aus dieser Zeit stammt die Anordnung der Klosterflügel um den Kreuzgarten. Danach folgten Zerstörungen im Schwedisch-Polnischen Krieg und im Großen Nordischen Krieg.

Nach der Ersten Teilung Polens kam Staniątki unter österreichische Herrschaft, die Klöster ohne öffentliche Aufgabe auflöste. Die Nonnen eröffneten deshalb 1784 eine Mädchenschule — und bewahrten damit die Abtei. 1926 erhielt das Gymnasium staatliche Rechte und den Namen der heiligen Scholastika; 1953 schlossen die kommunistischen Behörden die Schule, 1954 bis 1956 wurden die Schwestern nach Alwernia zwangsumgesiedelt. Sie kehrten zurück, die Schule nicht.

Was zu sehen ist

  • Abteikirche — gotische Halle mit barocker Ausstattung, Deckenmalerei und Orgelprospekt
  • Klostermuseum — darunter Wachsfiguren vom Anfang des 19. Jahrhunderts und die Monstranz von 1534
  • Archiv und Bibliothek — Urkunden, Musikhandschriften und Frühdrucke, dazu Papstbullen des 13. Jahrhunderts; der größte Teil ist noch unerforscht
  • Klostergebäude — Flügel um den Kreuzgarten, Glockenturm und das frühere Schulhaus
  • Umgebung — Garten, Friedhof und Teiche, in denen die Schwestern Karpfen züchten

Anfahrt und praktische Hinweise

Staniątki liegt gut zwanzig Kilometer östlich von Krakau und fünf von Niepołomice, am Rand des Niepołomicer Urwalds. Die Bahnstrecke 91 hat hier einen Haltepunkt, von dem aus man die Abtei in wenigen Minuten erreicht; dazu kommen Vorortbusse aus Krakau. Mit dem Auto ist der Ort ein kurzer Abstecher auf dem Weg Richtung Tarnów.

Es handelt sich um ein lebendiges kontemplatives Kloster, nicht um ein Museum: Teile der Anlage liegen in der Klausur und bleiben geschlossen, Führungen übernimmt eine Schwester und richten sich nach den Gebetszeiten. Ein Besuch sollte vorher abgesprochen werden. Die Kirche ist das ganze Jahr kühl, und weil ein Hallenraum keine Obergadenfenster hat, lohnt ein sonniger Vormittag. Seit 2020 steht die Abtei als Pomnik historii unter der höchsten polnischen Denkmalkategorie — geschützt sind Kirche, Kloster, Glockenturm und Schulhaus.

Anreise und praktische Infos

Lage
Staniątki, Gemeinde Niepołomice, Woiwodschaft Kleinpolen — etwa 22 km östlich von Krakau
Gründung
frühes 13. Jahrhundert; Privilegien 1253 durch Innozenz IV. bestätigt
Kirche
Chorweihe 1238, Hallenschiff zweite Hälfte 13. Jahrhundert — der älteste Hallenraum Polens
Deckenmalerei
1734–1739, Andrzej Radwański zugeschrieben
Umfang des Geschichtsdenkmals
Abteikirche, Kloster, Glockenturm und früheres Schulhaus
Schutzstatus
Denkmalliste Nr. A-8 vom 4. April 1968; Geschichtsdenkmal seit 2020
Gemeinschaft
Benediktinerinnen; Teile des Klosters liegen in der Klausur
Zeitbedarf
eine Stunde für die Kirche, bis zu zwei mit dem Museum
Aktuelle Öffnung und Tickets
Besuche nach Absprache; Hinweise gibt die Seite der Abtei Staniątki
Mapa: Google Maps · 50.0086, 20.1939

Wann am besten

Frühling

Um die Abtei blühen die Obstgärten, im Urwald beginnt die beste Wanderzeit; in der Kirche ist es noch kalt.

Sommer

Die günstigste Zeit für eine abgesprochene Führung und für die Verbindung mit Niepołomice und dem Urwald.

Herbst

Weniger Besuch, warmes Licht im Kreuzgarten, und an den Teichen sieht man die Fischwirtschaft der Schwestern.

Winter

Kurze Tage und ein dunkler Innenraum; dafür klingt das Stundengebet in der leeren Kirche am stärksten.

Weitere Sehenswürdigkeiten in der Woiwodschaft Kleinpolen

Entfernungen in Luftlinie ab „Benediktinerinnenabtei Staniątki" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.

Rabka-Zdrój — KurortSolebad am Nordrand der Gorce: seit dem Mittelalter bekannte Jod-Brom-Quellen, Gradierwerk
~47 km Luftlinie
Nationalpark Babia GóraEin einziger Bergstock als Nationalpark: der Diablak mit 1725 m, vier vollständige Höhenst
~66 km Luftlinie
Gedenkstätte Auschwitz-BirkenauGelände des früheren deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers bei Oświęcim. Museum
~73 km Luftlinie

Übernachten in der Nähe

Wir arbeiten an einer Liste geprüfter Unterkünfte in der Region Woiwodschaft Kleinpolen. Wenn Sie eine Pension, ein Ferienhaus oder ein Apartment in der Umgebung betreiben — melden Sie es an.

Objekt hinzufügen →