Wie das Lager entstand
Das Lager wurde 1940 von den deutschen Besatzern in der Kleinstadt Oświęcim errichtet, die nach dem Überfall auf Polen ins Deutsche Reich eingegliedert und in Auschwitz umbenannt worden war. Den Befehl unterzeichnete Heinrich Himmler am 27. April 1940; als Standort dienten Kasernen und Werkstätten einer ehemaligen polnischen Garnison. Am 14. Juni 1940 kam der erste große Transport an: 728 polnische politische Gefangene aus dem Gefängnis von Tarnów. Im ersten Jahr war Auschwitz ein Lager für Polen — Angehörige der Intelligenz, Mitglieder des Widerstands, bei Razzien Verhaftete.
1941 begann drei Kilometer entfernt, beim Dorf Brzezinka, der Bau von Auschwitz II-Birkenau — zunächst für sowjetische Kriegsgefangene, dann als größter Vernichtungsort des gesamten Lagersystems. Der dritte Teil, Auschwitz III-Monowitz, entstand als Zwangsarbeitslager bei einem Chemiewerk der IG Farben; dazu kamen Dutzende Außenlager an Bergwerken, Hütten und Gutshöfen. Die Bevölkerung der umliegenden Dörfer wurde vertrieben, das ganze Gebiet zum Interessenbereich des Lagers erklärt.
Opfer und Befreiung
Nach Auschwitz wurden etwa 1,3 Millionen Menschen deportiert, mindestens 1,1 Millionen von ihnen wurden ermordet. Die größte Gruppe bildeten Juden aus ganz Europa, knapp eine Million; die meisten wurden unmittelbar nach der Ankunft in den Gaskammern getötet, ohne je registriert zu werden. Zu den Opfern zählen außerdem rund 75 000 Polen, 21 000 Sinti und Roma, 15 000 sowjetische Kriegsgefangene und mehrere Tausend Menschen anderer Herkunft. Diese Zahlen stammen aus der jahrzehntelangen Forschung der Historiker der Gedenkstätte.
Im Januar 1945 trieb die SS vor dem Heranrücken der Front Zehntausende Häftlinge in Todesmärschen nach Westen und sprengte in Birkenau die Gaskammern und Krematorien, um die Spuren zu beseitigen. Am 27. Januar 1945 erreichten Soldaten der Roten Armee das Lager und befreiten etwa siebentausend Häftlinge, die zu schwach zum Gehen waren. Dieser Tag ist heute der internationale Gedenktag für die Opfer des Holocaust und in Deutschland der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.
Zwei Teile des Geländes
Die Gedenkstätte umfasst knapp 192 Hektar an zwei Orten. Auschwitz I sind rund zwanzig Hektar: gemauerte Blocks, das Tor mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“, Block 11 mit den Zellen und der Todeswand im Hof, und in mehreren Gebäuden Ausstellungen aus dem, was den Menschen bei der Ankunft abgenommen wurde — Koffer, Brillen, Schuhe, Prothesen. Dieser Teil ist dicht bebaut und nimmt meist die meiste Zeit in Anspruch.
Birkenau ist zehnmal größer, etwa 171 Hektar, und wirkt gegenteilig: eine weite, fast leere Fläche, Reihen von Schornsteinen abgetragener Baracken, das Gleis mit der Rampe, an der die SS über Leben und Tod entschied, und die gesprengten Ruinen der Gaskammern und Krematorien II und III. Am Ende der Hauptachse steht das Internationale Mahnmal von 1967 mit Tafeln in mehreren Dutzend Sprachen. Zwischen beiden Teilen liegen etwa drei Kilometer; ein kostenloser Bus der Gedenkstätte pendelt.
Museum und Welterbe
Das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau geht auf die Initiative überlebender Häftlinge zurück; förmlich gegründet wurde es durch ein Gesetz des polnischen Parlaments vom 2. Juli 1947, das das Gelände beider Lager unter Schutz stellte. Die Einrichtung führt ein Archiv, forscht und konserviert — nicht nur Gebäude, sondern auch Zehntausende Objekte und Dokumente, von Zeichnungen der Häftlinge bis zu den Koffern in den Vitrinen.
1979 wurde das Gelände in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. 2007 änderte das Welterbekomitee auf polnischen Antrag den Namen des Eintrags in „Auschwitz-Birkenau. Deutsches nationalsozialistisches Konzentrations- und Vernichtungslager (1940–1945)“ — damit aus der Bezeichnung hervorgeht, wer das Lager errichtet und betrieben hat, und es nicht dem besetzten Polen zugeschrieben wird. Heute kommen fast zwei Millionen Besucher im Jahr; seit der Eröffnung waren es mehr als fünfundzwanzig Millionen.
Anreise
- Mit dem Auto — Oświęcim liegt etwa 50 km westlich von Krakau und gut 40 km von Kattowitz, nahe der Autobahn A4; an beiden Teilen der Gedenkstätte gibt es Parkplätze.
- Mit der Bahn — Oświęcim hat direkte Verbindungen aus Krakau und Kattowitz; vom Bahnhof zum Gelände von Auschwitz I fährt ein Stadtbus, zu Fuß ist es ein kurzer Weg.
- Mit dem Bus — aus Krakau verkehren Linien mit Haltestelle an der Gedenkstätte, die Fahrt dauert meist eineinhalb bis zwei Stunden.
- Zwischen den Teilen — ein kostenloser Bus verbindet Auschwitz I und Birkenau in kurzen Abständen; zu Fuß sind es rund 45 Minuten.
Vor dem Besuch
Der Eintritt ist frei, doch eine Eintrittskarte für eine feste Uhrzeit muss vorab gebucht werden; in der Hauptsaison sind die Termine Wochen im Voraus vergeben. Eine Führung durch beide Teile dauert etwa dreieinhalb Stunden, und das ist das realistische Minimum. Am Eingang wird kontrolliert, größeres Gepäck bleibt in der Gepäckaufbewahrung.
Die Gedenkstätte empfiehlt den Besuch nicht für Kinder unter vierzehn Jahren. Das hat nichts mit Tickets zu tun, sondern mit den Ausstellungen, die die Folgen des Völkermords ungeschminkt zeigen. Wer mit einer Schulklasse oder Jugendlichen kommt, sollte den historischen Zusammenhang vorher besprechen — vor Ort bleibt dafür keine Zeit.
Auf dem Gelände gilt, was auf einem Friedhof gilt: Ruhe, kein Essen und Trinken außerhalb der dafür vorgesehenen Bereiche, keine gestellten Fotos, kein Betreten der Ruinen und Gleise. An einigen Stellen, etwa im Raum der Gaskammer in Auschwitz I, ist Fotografieren untersagt. Der größte Teil des Weges führt über Kies und Wiese im Freien — festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung sind keine Nebensache.
Anreise und praktische Infos
- Lage
- Oświęcim (Auschwitz), Woiwodschaft Kleinpolen; etwa 50 km westlich von Krakau
- Fläche der Gedenkstätte
- knapp 192 ha — Auschwitz I (rund 20 ha) und Birkenau (rund 171 ha)
- Dauer
- mindestens dreieinhalb Stunden für beide Teile
- Alter
- Die Gedenkstätte empfiehlt den Besuch nicht für Kinder unter 14 Jahren
- Eintritt
- frei, Eintrittskarte muss vorab gebucht werden
- Zwischen den Teilen
- etwa 3 km, kostenloser Bus der Gedenkstätte
- Aktuelle Öffnungszeiten und Tickets
- offizielle Seite des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau
Wann am besten
April und Mai bringen brauchbares Wetter und weniger Andrang als der Sommer, dafür die meisten Schulgruppen. Karten früh buchen.
Die stärkste Saison, und auf der offenen Fläche von Birkenau gibt es keinen Schatten. Früh morgens oder am späten Nachmittag ist es erträglicher; Wasser mitnehmen.
September und Oktober sind oft die ruhigsten Wochen: weniger Gruppen, kühler, kürzere Wartezeit am Eingang. Die Tage werden kurz, also früh beginnen.
In Birkenau zieht der Wind über die leere Fläche, die Kälte ist schneidend — unter solchen Bedingungen bestand das Lager. Am 27. Januar finden zum Tag der Befreiung Gedenkfeiern statt.
Weitere Sehenswürdigkeiten in der Woiwodschaft Kleinpolen
Entfernungen in Luftlinie ab „Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.
Übernachten in der Nähe
Wir arbeiten an einer Liste geprüfter Unterkünfte in der Region Woiwodschaft Kleinpolen. Wenn Sie eine Pension, ein Ferienhaus oder ein Apartment in der Umgebung betreiben — melden Sie es an.
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