Von kalten Bädern zum anerkannten Kurort
Angefangen hat alles mit dem Baden. Die ersten kleinen Badeanstalten entstanden um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert; die Kur bestand aus kalten und warmen Seewasserbädern und aus Gängen durch den Kiefernwald. Es kamen Genesende nach Grippe, Lungenkranke, Asthmatiker und Rheumatiker, und die Kursaison lief von Mitte Juni bis Mitte September.
1911 ersetzte ein neues Badehaus die alten Anlagen. Vor dem Ersten Weltkrieg zählte der Ort rund dreieinhalbtausend Gäste in der Saison; in den zwanziger und dreißiger Jahren blieb es bei dieser Größenordnung. Stolpmünde war damals ein Seebad, kein Heilbad im heutigen Sinn.
Nach 1945 kam die Kurtätigkeit zunächst zum Erliegen. Erst 1974 gab es wieder Kurgäste, 1978 entstand ein staatlicher Kurbetrieb, und 1988 wurde Ustka offiziell Kurort — damit gehört es zu den jüngeren Heilbädern an der polnischen Ostseeküste. 2010 wurde der Kurbetrieb privatisiert und das Behandlungsangebot deutlich erweitert.
Was hier behandelt wird
Ustka ist ein Klima- und Soleheilbad: Es arbeitet mit eigenen Heilmitteln und mit der Luft selbst. Die Heilmittel sind dokumentiert — eine Natriumchlorid-, Jod- und Eisensole mit über drei Prozent Konzentration aus einer Bohrung im Stadtgebiet und ein Heilmoorlager direkt vor der Stadt.
Behandelt werden orthopädisch-traumatologische Beschwerden, Erkrankungen des Nervensystems, rheumatische Leiden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck sowie die oberen Atemwege. Dafür stehen mehrere Kureinrichtungen bereit: Sanatorien, Badehäuser und eine Kurambulanz.
Nicht versetzbar ist der dritte Faktor: das maritime Aerosol. Die Luft am Strand trägt Salz- und Jodpartikel, und der Kiefernwald, der fast die Hälfte der Stadtfläche bedeckt, liefert Windschutz und ätherische Öle dazu. Der Gang am Wasser gilt hier deshalb als Teil der Kur und nicht als Zeitvertreib danach.
Promenade, Kurpark und was man dort sieht
Der Kurbereich von Ustka ist vor allem die Strandpromenade. Sie geht auf das Jahr 1875 zurück, als hier ein Park mit Spazierwegen angelegt wurde; zu den Spaziergängern gehörte Otto von Bismarck, der hier gern frühstückte. Heute ist die Promenade über zwei Kilometer lang, beginnt am Hafenkanal und führt nach Osten.
Dahinter, in Richtung Innenstadt, liegt der Kurpark. Im benachbarten Strandpark steht ein Chopin-Denkmal von 1979, geschaffen von Ludwika Nitschowa, die auch die Warschauer Nixe entworfen hat. Nicht weit davon markieren Fundamente und ein Modell die 1889 abgetragene Kirche St. Johannis und St. Nicolai.
Wer die Kurtaxe zahlt, fährt in Ustka seit 2018 kostenlos mit dem Stadtverkehr. Eine Kleinigkeit, aber in einer Stadt, die sich entlang der Küste streckt, ausgesprochen praktisch.
Anfahrt
- Mit der Bahn — Verbindung nach Słupsk (Stolp), etwa achtzehn Kilometer entfernt; von dort fahren Fernzüge ins Landesinnere.
- Mit dem Bus — regelmäßiger Verkehr nach Słupsk; beide Städte verbindet seit 2003 ein Zusammenschluss, den man dort „Doppelstadt“ nennt.
- Mit dem Auto — von Słupsk nach Norden; in der Saison ist um Hafen und Promenade viel Verkehr, Parkplätze in der Innenstadt sind knapp.
- Zu Fuß im Ort — Kurbereich, Hafen und beide Strände liegen in Gehweite; eine Fußgängerbrücke verbindet die Ufer des Hafenkanals.
Praktische Hinweise
Wer wegen des Klimas und nicht wegen der Anwendungen kommt, fährt am besten morgens oder am späten Nachmittag an den Strand: Dann ist das Aerosol am deutlichsten zu spüren und die Promenade am leersten.
Der westliche Küstenabschnitt ist ruhiger und waldiger, der östliche städtischer, mit Uferweg und allen Kureinrichtungen. Es lohnt sich, beide abzugehen und sich dann zu entscheiden.
Das Wetter an der Ostsee wechselt auch im Juli schnell, eine winddichte Jacke gehört ganzjährig ins Gepäck. Nach den Winterstürmen ist der Strand merklich schmaler als auf den Sommerbildern.
Anreise und praktische Infos
- Lage
- Slowinzische Küste, Woiwodschaft Pommern, an der Mündung der Słupia in die Ostsee, etwa achtzehn Kilometer nördlich von Słupsk (Stolp)
- Was es ist
- staatlich anerkannter Klima- und Soleheilbad-Kurort, Status seit 1988
- Heilmittel
- Natriumchlorid-, Jod- und Eisensole aus einer Bohrung im Stadtgebiet sowie Heilmoor (Torf)
- Indikationen
- Orthopädie und Unfallfolgen, Nervensystem, Rheuma, Herz-Kreislauf und Bluthochdruck, obere Atemwege
- Anfänge der Kur
- erste Badeanstalten um 1900, neues Badehaus 1911
- Strandpromenade
- über zwei Kilometer; der Park mit Spazierwegen wurde 1875 angelegt
- Leuchtturm
- achteckiger Backsteinturm von 1892 am Ansatz der Ostmole, 21,5 Meter hoch, im Denkmalregister
- Aufenthalt
- ein halber Tag für Kurbereich und Promenade, ein ganzer mit Hafen und Stränden
- Aktuelle Öffnungszeiten und Tickets
- offizielle Website der Stadt Ustka
Wann am besten
Die Promenade leert sich, die Luft ist besonders klar. Gute Zeit für eine Klimakur ohne Gedränge, auch wenn der Wind von der See noch kalt sein kann.
Hochsaison beim Baden, entsprechend viel Betrieb im Kurbereich. Der Kiefernwald hinter dem Strand bietet Rückzug, wenn es am Wasser zu heiß wird.
Das Wasser ist wärmer als die Luft, und die Stürme bringen das meiste Seeaerosol. Für Kurgäste oft die beste Zeit des Jahres.
Die Anwendungen laufen normal weiter, der Strand gehört den Spaziergängern. Nach Stürmen ist das Ufer deutlich schmaler und schwerer trocken zu durchqueren.
Weitere Sehenswürdigkeiten in Ustka
Entfernungen in Luftlinie ab „Ustka — Kurort" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.
Übernachten in der Nähe
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