Sehenswürdigkeit der Region Karpacz

Kloster Grüssau in Krzeszów — schlesischer Barock in einem Dorf am Riesengebirge

Im Tal der Zadrna, gut dreißig Kilometer von Karpacz (Krummhübel), steht die frühere Zisterzienserabtei Grüssau: zwei Kirchen, deren Ausstattung man eher in Prag oder Wien erwarten würde. Für deutschsprachige Besucher ist Krzeszów eines der wichtigsten Barockensembles Schlesiens überhaupt.

fot. Jacek Halicki, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Benediktiner, Zisterzienser, Benediktinerinnen

1242 rief Herzogin Anna, die Witwe Heinrichs II. des Frommen, böhmische Benediktiner nach Grüssau. Sie blieben nicht lange: Ende des 13. Jahrhunderts kaufte Herzog Bolko I. der Strenge die Güter zurück und gründete 1292 eine Zisterzienserabtei, deren erste Mönche aus Heinrichau kamen.

Die Zisterzienser prägten den Ort über fünf Jahrhunderte. Entscheidend war Abt Bernhard Rosa (1660–1696), unter dem der Kalvarienberg und die Josephskirche entstanden und Grüssau zum Wallfahrtsort wurde. Unter Abt Innozenz Fritsch begann ab 1727 der barocke Neubau der Klosterkirche.

1810 löste der preußische Staat den Konvent im Zuge der Säkularisation auf. 1919 zogen Benediktiner aus Prag ein, die 1940 von den Behörden des Dritten Reiches vertrieben wurden. Seit 1946 leben hier Benediktinerinnen, die aus Lemberg (Lwów) kamen — das Kloster ist bis heute bewohnt.

Die Basilika Mariä Himmelfahrt

Der Grundstein wurde am 6. März 1728 gelegt, die Weihe fand im Juli 1735 statt. Sieben Jahre für Bau und Ausstattung einer Kirche dieser Größe — das sagt genug über den Reichtum der Abtei. Der Entwurf stammt aus dem Umkreis Kilian Ignaz Dientzenhofers, was man der bewegten Doppelturmfassade ansieht; die Bauleitung lag bei Joseph Anton Jentsch.

Die Figuren der Fassade schuf Ferdinand Maximilian Brokoff, der Prager Bildhauer der Karlsbrücke; nach seinem Tod übernahm sein Schüler Anton Dorazil. Die Gewölbefresken malte Georg Wilhelm Neunhertz in den Jahren 1733–1735, das Hochaltarbild stammt von Peter Johann Brandl.

Auf der Westempore steht die Orgel, die Michael Engler der Jüngere aus Breslau 1732–1737 baute — sie gilt als eine der besterhaltenen Barockorgeln dieses Teils Europas und wird für Konzerte genutzt. 1998 erhob Johannes Paul II. die Kirche zur Basilica minor.

Josephskirche und Michael Willmann

Die ältere der beiden Kirchen entstand im letzten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts auf Veranlassung Bernhard Rosas, an der Stelle einer mittelalterlichen Andreaskirche. Außen ist sie schlicht, innen überrascht sie: Wände und Gewölbe tragen einen Bilderzyklus zum Leben des heiligen Josef, ausgeführt von Michael Willmann und seiner Werkstatt, zu der auch sein Sohn und sein Stiefsohn gehörten.

Willmann, der vor allem in Leubus arbeitete und dort begraben liegt, wird als „schlesischer Rembrandt“ bezeichnet. Der Grüssauer Josephszyklus zählt zu den umfangreichsten erhaltenen Wandbildprogrammen seiner Hand und ist ein Hauptgrund, warum Kunsthistoriker nach Krzeszów fahren.

Das Fürstenmausoleum

Hinter dem Chor der Basilika liegt unter einer Kuppel das Mausoleum der Schweidnitz-Jauerschen Piasten, der Stifterfamilie des Klosters. Es wurde im zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts errichtet und nimmt die älteren Grablegen auf.

Hier ruhen Bolko I. der Strenge, der 1301 gestorbene Gründer der Zisterzienserabtei, sowie weitere Herzöge der Linie, unter ihnen Heinrich I. von Jauer, Heinrich II. von Schweidnitz und Bolko II. der Kleine. Bolkos gotischer Sarkophag wurde um 1350 in der Kirche aufgestellt und hat alle späteren Umbauten überdauert. Es ist eine der bedeutendsten Piasten-Grablegen Schlesiens.

Gnadenbild, Kalvarienberg, Denkmalschutz

Im Hochaltar befindet sich die Ikone der Gnadenreichen Muttergottes, Tempera auf Lärchenholz, in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert und damit älter als die Abtei selbst. Vor dem Hussiteneinfall 1426 versteckte man sie unter dem Boden der Sakristei; wiedergefunden wurde sie erst am 18. Dezember 1622. Am 2. Juni 1997 krönte Johannes Paul II. das Bild in Liegnitz.

Außerhalb der Klostermauern verteilen sich die über dreißig Stationen des Kalvarienbergs über Felder und Hügel: zunächst Holzkapellen aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, Anfang des 18. in Stein erneuert. Der Rundgang dauert mehrere Stunden und erklärt, dass Grüssau als Gesamtanlage gedacht war, nicht als einzelne Kirche.

Das Klosterensemble ist seit dem 14. April 2004 polnisches Nationaldenkmal (Pomnik historii). In den letzten zwei Jahrzehnten wurde es umfassend restauriert; für Besucher gibt es Audioguides in mehreren Sprachen, darunter Deutsch.

Anfahrt und Hinweise

  • Mit dem Auto — von Karpacz über Kowary und Kamienna Góra oder über Lubawka, jeweils rund vierzig Minuten über Bergstraßen. Parkplatz am Ortseingang.
  • Von Wrocław (Breslau) — etwa zwei Stunden bis Kamienna Góra, dann die Landstraße nach Süden durch das Zadrna-Tal.
  • Öffentlich — Bus und Bahn bis Kamienna Góra, weiter mit Vorortbussen nach Krzeszów; die Verbindungen sind dünn, die Rückfahrt vorher prüfen.
  • Gut zu wissen — das Kloster ist bewohnt und aktiver Wallfahrtsort; Teile der Gebäude sind geschlossen, und Gottesdienste gehen den Führungen vor. Für die Abtei selbst sollte man zwei Stunden rechnen, mit Kalvarienberg einen halben Tag.

Anreise und praktische Infos

Lage
Krzeszów, Gemeinde Kamienna Góra, Kreis Kamienna Góra, Krzeszów-Becken in den Mittelsudeten, etwa 450–470 m ü. M.
Dauer
rund zwei Stunden für die Abtei, ein halber Tag mit Kalvarienberg
Denkmalschutz
Pomnik historii seit dem 14. April 2004, Basilica minor seit 1998
Charakter
bewohntes Benediktinerinnenkloster und Wallfahrtsort — nicht alle Gebäude sind zugänglich
Aktuelle Öffnungszeiten und Eintritt
Offizielle Seite der Abtei Krzeszów
Mapa: Google Maps · 50.7323, 16.0692

Wann am besten

Frühling

Die beste Zeit für den Kalvarienberg: die Kapellen stehen in noch leeren Feldern und sind von weitem sichtbar, die Wege sind weder matschig noch aufgeheizt.

Sommer

Volle Innenräume und viele Wallfahrer, besonders um den 15. August. Dafür fällt reichlich Licht in die Basilika und die Fresken sind gut zu erkennen.

Herbst

Ruhige Wochen für eine Führung, und die umgebenden Hügel der Zawory färben sich so kräftig, dass schon die Anfahrt lohnt.

Winter

Am wenigsten Besucher und die beste Akustik in der leeren Basilika, aber empfindlich kalt im Inneren und Vorsicht auf den Bergstraßen.

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Entfernungen in Luftlinie ab „Kloster Grüssau (Krzeszów)" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.

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