Sehenswürdigkeit der Region Dziwnów

Kamień Pomorski (Cammin in Pommern) — Sole am Camminer Bodden und eine Barockorgel von 1669

Kurort ist Kamień Pomorski seit dem späten 19. Jahrhundert, als man die Solequellen hier zufällig entdeckte. Für eine Kleinstadt kommt viel zusammen: Heilsole und Moor, ein Hafen am Camminer Bodden und ein Domkomplex, der polnisches Geschichtsdenkmal ist und den ältesten bekannten Dachstuhl Polens trägt.

fot. Ralf Roletschek, CC BY-SA 1.0 fi · Wikimedia Commons

Die erste Hauptstadt Pommerns

Die Siedlung entstand um die Wende vom 8. zum 9. Jahrhundert als Sitz des Stammes der Wolliner und war im 9. bis 11. Jahrhundert eine Fischer- und Hafensiedlung mit Burgwall. Um 967 kam das Gebiet unter Mieszko I. zum polnischen Staat, und 1124 taufte die Mission Bolesławs III. hier die Bevölkerung und errichtete zwei Kirchen.

Die Wende brachte das Jahr 1175, als der Sitz des pommerschen Bistums von Wolin nach Cammin verlegt wurde. Die Diözese hieß von da an Cammin und war ab etwa 1188 unmittelbar Rom unterstellt. Bischofsstadt blieb Cammin bis 1810, Stadtrecht erhielt es 1274.

Der historische Grundriss der Altstadt wurde 1945 zerstört und in den sechziger Jahren mit Plattenbauten überbaut. Dennoch steht das gesamte Altstadtgebiet im Denkmalregister, und die Stadt liegt an der polnischen Straße der Romanik. Von der Stadtbefestigung blieb das gotische Wolliner Tor aus dem 14. Jahrhundert, heute ein Steinmuseum; am Markt steht das gotische Rathaus mit dreibogiger Laube.

Dom, Dachstuhl und Orgel

Der Domkomplex wurde durch Verordnung des polnischen Präsidenten vom 1. September 2005 zum Geschichtsdenkmal erklärt. Mit dem Bau begann man wahrscheinlich zwischen 1172 und 1176, zuerst mit Granitquadern, dann mit Backstein, als dreischiffige romanische Basilika mit Querhaus und halbrunder Apsis. Die zweite, gotische Bauphase endete um 1370; unterbrochen wurde sie durch brandenburgische Einfälle 1273 und 1308.

Es ist der älteste Sakralbau Pommerns, und seit 2021 weiß man noch mehr über ihn: Er trägt den ältesten bekannten Dachstuhl auf polnischem Gebiet. Das Eichenholz, von der Insel Wolin herangeflößt, wurde in den 1260er Jahren geschlagen, über dem Chor stammt es möglicherweise noch aus früherer Zeit. Mittelalterliche Zimmermannszeichen und Spuren der Flößseile sind erhalten.

Berühmt ist vor allem die 1669 gestiftete Barockorgel des letzten Camminer Bischofs, Herzog Ernst Bogislaw von Croÿ. Gebaut haben sie Friedrich Breyer und Michael Berigel aus Stettin, fertig war sie 1672; damals zählte das Instrument über zweieinhalbtausend Pfeifen, heute hat es dreiundvierzig Register auf drei Manualen und Pedal. Der Prospekt ist ein Schauspiel für sich: Michael mit dem Schwert unter dem Gewölbe, König David mit der Harfe und der Prophet Jeremia mit der Lyra, Engel mit Viola da braccio und Viola da gamba, und in der Emporenbrüstung zehn Bilder musizierender Frauen in Kleidern des 17. Jahrhunderts.

Seit 1964 spielen hier Organisten aus aller Welt beim Internationalen Festival für Orgel- und Kammermusik, der ältesten Veranstaltung dieser Art in Westpommern. Am Dom hat sich außerdem der gotische Kreuzgarten vom Ende des 13. Jahrhunderts erhalten, die einzige solche Anlage an einem Dom in Polen; dort stehen Naturdenkmale, unter anderem ein Riesen-Lebensbaum und eine alte Eiche.

Sole, Moor und das Wasser ringsum

Die Heilwirkung der hiesigen Solequellen wurde zufällig im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts entdeckt (polnische Darstellungen nennen 1876, deutsche 1882); mit der Zeit kam Moor aus den umliegenden Torfgebieten dazu. Das Heilbad nutzt heute Natriumchlorid-, Jod- und Eisenwässer aus einer Bohrung namens Edward III sowie ein Moorlager direkt vor der Stadt.

Die Indikationen sind breit: rheumatische Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Leiden und Bluthochdruck samt früher Rehabilitation, untere Atemwege, neurologische und orthopädisch-traumatologische Beschwerden sowie Kinderkrankheiten. Mehrere Kureinrichtungen arbeiten hier, darunter ein Kurkrankenhaus und Sanatorien.

Die Lage ist Teil der Kur. Die Stadt liegt am Camminer Bodden, der Aufweitung der Dievenow, an zwei Buchten — Karpinka im Norden und Promna im Westen, hinter der die Insel Chrząszczewska liegt. Die offene Ostsee ist wenige Kilometer entfernt, der Zugang führt über die Dievenow. Das Klima gehört zum Ostseebereich: hohe Luftfeuchte, lange Winter und geringere Temperaturschwankungen als im Binnenland, die Vegetationszeit dauert über zweihundert Tage.

Anfahrt

  • Mit dem Auto — nordöstlich von Szczecin (Stettin), über Wolin oder Golczewo; von Dziwnów und Wolin führt die Straße entlang der Dievenow.
  • Mit der Bahn — die 1892 eröffnete Strecke über Wysoka Kamieńska verbindet die Stadt mit der Küstenmagistrale.
  • Mit dem Bus — Verbindungen aus Szczecin, Wolin und den Küstenorten um Dziwnów.
  • Vom Wasser — die Stadt hat einen Seehafen mit Fischer- und Segelbecken; Camminer Bodden und Stille Bucht sind Segelreviere.

Praktische Hinweise

Wer wegen des Doms kommt, sollte vorher nach Konzerten schauen — eine klingende Orgel von 1669 ist etwas völlig anderes als dieselbe Orgel im Schweigen.

Cammin gilt vielen nur als Zwischenstopp auf dem Weg zum Strand. Schade, denn es ist einer der wenigen Orte an der Küste, an dem Solekur, Hafen und ein Denkmal erster Güte in wenigen hundert Metern Umkreis liegen.

Den Kreuzgarten und die Umgebung des Doms lohnt es, ganz zu umrunden und nicht nur hineinzuschauen: Die alten Bäume im Domgarten sind eine eigene Sehenswürdigkeit, einige von ihnen stehen als Naturdenkmale unter Schutz.

Anreise und praktische Infos

Lage
Stettiner Küstenland, Woiwodschaft Westpommern, am Camminer Bodden; nordöstlich von Szczecin, wenige Kilometer von der offenen Ostsee
Was es ist
staatlich anerkanntes Soleheilbad; die Solequellen wurden im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts entdeckt (genannt werden 1876 und 1882)
Heilmittel
Natriumchlorid-, Jod- und Eisenwässer aus der Bohrung Edward III sowie Heilmoor
Indikationen
Rheuma, Herz-Kreislauf und Bluthochdruck, untere Atemwege, Neurologie, Orthopädie und Unfallfolgen, Kinderheilkunde
Domkomplex
romanisch-gotische Basilika, Baubeginn in den 1170er Jahren, gotische Phase um 1370 abgeschlossen
Orgel
1669 von Herzog Ernst Bogislaw von Croÿ gestiftet, 1672 fertiggestellt; 43 Register auf drei Manualen und Pedal
Dachstuhl
ältester bekannter in Polen — Eichenholz, in den 1260er Jahren geschlagen, 2021 untersucht
Denkmalschutz
Domkomplex Geschichtsdenkmal seit 1. September 2005; die gesamte Altstadt im Denkmalregister
Festival
Internationales Festival für Orgel- und Kammermusik, seit 1964
Aufenthalt
ein halber Tag für Dom, Kreuzgarten und Altstadt, ein ganzer mit Hafen und Umgebung
Aktuelle Öffnungszeiten und Tickets
offizielle Website von Kamień Pomorski
Mapa: Google Maps · 53.9700, 14.7725

Wann am besten

Frühling

Die alten Bäume im Kreuzgarten werden erst grün, die Stadt ist noch leer. Gute Zeit, den Dom ohne Warteschlangen zu sehen.

Sommer

Hochsaison an der Dievenow und die meisten Orgelkonzerte. Am Camminer Bodden starten die Segler, im Hafen ist es am dichtesten.

Herbst

Das Boddenwasser hält die Wärme lange, und das Dominnere zeigt sich jetzt am besten, weil es still ist. Zeit für Gänge um die Befestigung.

Winter

Die Kur läuft normal, der Dom ist oft vor allem zu den Gottesdiensten offen. Die Winter am Bodden sind lang und feucht, aber milder als im Binnenland.

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Entfernungen in Luftlinie ab „Kamień Pomorski — Kurort" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.

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