Was 1994 unter Schutz gestellt wurde
Die Kategorie „Geschichtsdenkmal“ kam 1990 ins polnische Recht, die ersten Einträge unterschrieb der Staatspräsident vier Jahre später. Breslau war dabei: am 8. September 1994 wurde der „Komplex des historischen Stadtzentrums“ anerkannt.
Die Grenze umschließt Altstadt, frühere Neustadt und die Oderinseln. Sie verläuft über die Universitätsbrücke, die Drobnera-Straße, den Bema-Platz, die Straßen Sienkiewicza und Wyszyńskiego, über die Friedensbrücke, die Słowacki-Allee sowie die Straßen Krasińskiego, Traugutta und Podwale und folgt dann dem Südufer der Oder zurück.
Geschützt ist vor allem der Grundriss: Straßenverlauf, Parzellengrößen, die Linie der abgetragenen Befestigungen, die Verteilung von Inseln und Brücken. Für Besucher heißt das: planloses Gehen ist hier keine verlorene Zeit, denn das Muster selbst ist das Denkmal.
Die Dominsel
Der älteste Teil der Stadt liegt an der Mündung der Ohle in die Oder und war jahrhundertelang wirklich eine Insel. Zuerst besiedelt wurde der Streifen zwischen den heutigen Kirchen St. Martin und Heilig Kreuz; um die Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert lebten dort etwa 1500 Menschen. Die Piastenburg bestand aus Holz und Erde, der erste Steinbau war die Martinskapelle vom Beginn des 11. Jahrhunderts.
Die heutige Johanneskathedrale ist der vierte Kirchenbau an dieser Stelle. Der gotische Backsteinchor wurde ab 1244 errichtet, Langhaus und Turmunterbauten waren 1341 fertig; nach Bränden 1540 und 1759 gestaltete Karl Lüdecke zwischen 1873 und 1875 das Innere und die Westseite neugotisch um. 1945 wurden rund siebzig Prozent des Baus beschädigt, Dächer und Gewölbe bis 1951 wiederhergestellt, die spitzen Turmhelme erst 1991. Die Türme messen 98 Meter. In der Kathedrale steht die größte Orgel Polens, 1913 von Walcker ursprünglich für die Jahrhunderthalle gebaut.
Nebenan lohnt die Heilig-Kreuz-Stiftskirche, die den Krieg vergleichsweise gut überstand und zwischen 1503 und 1538 Nikolaus Kopernikus unter ihren Scholastikern hatte. Nach 1807 wurde beim Abbruch der Festungswerke der trennende Oderarm zugeschüttet — seither ist die Dominsel nur dem Namen nach eine Insel; vom alten Flussbett blieb ein Teich im Botanischen Garten. Die heutige eiserne Dombrücke steht an der Stelle eines mittelalterlichen Holzstegs.
Der Ring und sein Wiederaufbau
Die linksufrige Stadt entstand in mehreren Anläufen: eine erste Gründung unter Heinrich dem Bärtigen wohl nach 1212, dann zwei regelmäßig geplante Siedlungen, Civitas Wratislaviensis 1226 und Novum Forum um 1230 rund um den heutigen Ring. Der Mongolensturm von 1241 zerstörte beide; die wiederaufgebaute Stadt wurde zusammengelegt und 1261 bis zum neuen Graben erweitert. Die eigenständige Neustadt kam 1263 hinzu und wurde 1327 eingemeindet.
Der Ring misst heute rund 205 mal 170 Meter, also 3,64 Hektar. Ursprünglich lagen sechsunddreißig Parzellen um ihn herum, bis ins 19. Jahrhundert wurden daraus etwa sechzig. In der Mitte steht der Blockbau mit Altem und Neuem Rathaus, zehn Straßen münden auf den Platz, und diagonal an der Südwestecke schließt der Salzmarkt an. Am Rathaus steht ein zehn Meter hoher Sandstein-Pranger von 1492: 1945 schwer beschädigt, 1947 abgetragen, nach alten Zeichnungen rekonstruiert und 1985 wieder aufgestellt.
Das heutige Bild des Platzes entschied sich 1945. Über sechzig Prozent der Randbebauung wurden zerstört, siebzehn Häuser blieben stehen. Der Wiederaufbau begann nach einem Beschluss von 1953: vierundzwanzig Bürgerhäuser entstanden in historischer Form neu, elf wurden umgebaut, dreizehn instandgesetzt. Die meisten erhielten ihren Fassadenschmuck nicht zurück, der Ring ist also eine Mischung aus genauer Rekonstruktion und Nachkriegsvereinfachung. Das letzte Haus, „Zum Goldenen Hund“, kam erst 1992 bis 1994 dazu.
Anreise
- Bahn — vom Hauptbahnhof Wrocław Główny sind es gut fünfzehn Minuten zu Fuß über die Świdnicka-Straße bis zum Ring.
- Straßenbahn — Haltestellen Rynek, Świdnicka, Zamkowa und Galeria Dominikańska umschließen die Altstadt; zur Dominsel steigt man an der Friedensbrücke oder am Bema-Platz aus.
- Auto — auf den Ring dürfen nur berechtigte Fahrzeuge, die ganze Innenstadt ist bewirtschaftete Parkzone; besser außerhalb parken.
- Zu Fuß und mit dem Rad — die Oderpromenaden verbinden Ring und Inseln; vom Rathaus über die Sandinsel zur Dominsel dauert es eine Viertelstunde.
Wie man den Rundgang legt
Eine Schleife ist sinnvoller als mehrere einzelne Ausflüge: Ring und Rathaus, Salzmarkt, nach Norden zur Elisabethkirche und den alten Fleischbänken, danach das Universitätsgebäude, die Sandbrücke, die Sandinsel und zuletzt die Dominsel. Zurück lohnt der Weg über das andere Oderufer, von dort sieht man die Inselkette im Zusammenhang.
Für das Gebiet des Eintrags sollte man mindestens einen vollen Tag einplanen, mit Innenbesichtigungen eher zwei. Die Kirchen haben eigene, wechselnde Besuchszeiten und schließen während der Gottesdienste.
Das Pflaster der Altstadt ist uneben, Brücken und Uferwege werden bei Regen rutschig. Festes Schuhwerk ist hier wichtiger als sonst in der Stadt.
Anreise und praktische Infos
- Lage
- Wrocław (Breslau), Woiwodschaft Niederschlesien; Altstadt, frühere Neustadt und Oderinseln
- Geschichtsdenkmal
- seit dem 8. September 1994, in der ersten Gruppe
- Ring
- rund 205 mal 170 Meter, 3,64 Hektar
- Stadtgründung
- Siedlungen von 1226 und um 1230, Zusammenlegung und neuer Graben 1261
- Kathedraltürme
- 98 Meter
- Wiederaufbau des Rings
- Beschluss 1953; das letzte Bürgerhaus entstand 1992 bis 1994
- Dauer
- mindestens ein ganzer Tag, mit Innenräumen zwei
- Aktuelle Öffnungszeiten und Tickets
- offizielles Tourismusportal von Wrocław
Wann am besten
Ab April fahren wieder die Oderschiffe, und der Rundgang lässt sich mit einer Flussfahrt schließen. Die Uferwege der Inseln sind dann am schönsten, die Morgen aber noch kühl.
Hochsaison, volle Terrassen auf dem Ring, mittags kein Schatten auf dem Platz. Vor zehn Uhr und abends, wenn auf der Dominsel die Laternen brennen, geht es deutlich angenehmer.
September und Oktober sind ruhiger, das flache Licht über der Oder gehört zum Besten des Jahres. Die Tage werden rasch kürzer, die Inseln passen gut an den Nachmittag.
Kurz, grau und feucht — dafür sind Kathedrale und Elisabethkirche fast leer. Im Dezember verwandelt der Weihnachtsmarkt den Ring vollständig.
Weitere Sehenswürdigkeiten in Breslau
Entfernungen in Luftlinie ab „Historische Altstadt von Breslau" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.
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