Wie diese Landschaft entstand
Diese Küste ist geologisch jung und verändert sich weiter. Vor einigen tausend Jahren lagen dort, wo heute die Seen Łebsko (Lebasee) und Gardno liegen, noch Buchten der Ostsee. Küstenströmungen schütteten davor Nehrungen aus Sand auf, die Buchten wurden abgeschnürt und zu flachen, leicht brackigen Seen. Der Lebasee misst über siebzig Quadratkilometer und ist damit der drittgrößte See Polens — tief ist er allerdings nur wenige Meter, Gardno noch weniger.
Auf den Nehrungen arbeitet der Wind bis heute. Westwinde treiben den Sand vom Strand landeinwärts und verschieben die Dünen um einige bis zu über zehn Meter im Jahr, meist mit drei bis zehn Metern angegeben. Die wandernden Dünen begraben den Wald, der Jahrzehnte später auf der anderen Seite als Gerippe aus hellen, trockenen Stämmen wieder auftaucht. Die Lontzkedüne (Wydma Łącka) ist mit etwa zweiundvierzig Metern die höchste; ihre Höhe schwankt mit der Stärke der Stürme.
Gegründet wurde der Park am 1. Januar 1967. 2004 wurden die Grenzen um einen Küstenstreifen der Ostsee erweitert, sodass er heute über zweiunddreißigtausend Hektar umfasst, davon mehr als elftausend Hektar Meeresfläche. Im Landteil überwiegt das Wasser: Die Seen nehmen weit mehr als die Hälfte ein, der Rest verteilt sich auf Wald, Moor, Wiesen sowie Strand und Dünen.
Die Slowinzen
Die Slowinzen waren eine westslawische, mit den Kaschuben eng verwandte Gruppe, die am Lebasee und am Gardno lebte — auf schmalen trockenen Streifen zwischen Wasser und Moor. Sie lebten vom Fischfang, von Viehhaltung und vom Schnitt des Schilfs; ihre eigene Sprache und ihre Bräuche hielten sich hier länger als in der Umgebung. Im 19. und 20. Jahrhundert germanisierte sich die Gruppe, nach dem Zweiten Weltkrieg zerstreuten sich ihre Reste endgültig.
Ihr Andenken bewahrt Kluki am Südufer des Lebasees, wo ein Freilichtmuseum der slowinzischen Dorfkultur mit erhaltenen und versetzten Fachwerkhäusern besteht. Es ist einer der wenigen Orte, an denen sich nachvollziehen lässt, wie der Alltag zwischen See und Moor aussah, bevor Asphalt und Tourismus kamen.
Der zweite Orientierungspunkt ist der Rowokół, ein Moränenhügel von hundertfünfzehn Metern, die höchste Erhebung des Parks und über Jahrhunderte eine Kultstätte. Vom Turm auf der Kuppe sieht man beide Seen, den Dünengürtel und das Meer auf einen Blick — die einfachste Art, den Aufbau des Parks zu begreifen. Am Fuß liegt Smołdzino mit Parkverwaltung und Naturkundemuseum.
Vögel, Robben und Pflanzen des Sandes
Für Vogelbeobachter gehört der Park zu den wichtigsten Punkten der polnischen Küste. Nachgewiesen sind rund zweihundertsiebzig Vogelarten, von denen etwa hundertsechzig hier brüten. Die flachen Seen und ihre Röhrichte sind Rastplatz für sehr große Zugvogelschwärme; im Frühjahr und Herbst ist die Zahl der Vögel auf dem Lebasee kaum zu überschauen. Über dem Wasser jagt der Seeadler, Wappenvogel des Parks ist die Silbermöwe.
An den ruhigeren Strandabschnitten liegen gelegentlich Kegelrobben. Man sollte sie weder bedrängen noch ins Wasser treiben — ein Tier am Strand ruht in aller Regel nur. In den Gewässern des Parks leben außerdem Wanderfische, für die Seen und Verbindungskanäle den Weg zu den Laichplätzen bilden.
Die Flora zählt etwa neunhundertzwanzig Gefäßpflanzenarten; am interessantesten sind die, die auf beweglichem Sand zurechtkommen. Strandhafer und Strandroggen halten die Vordünen fest, weiter landeinwärts folgt der Krähenbeeren-Kiefernwald, und in den Senken zwischen den Dünen liegen Moore mit Sonnentau und Sumpfporst. All das wächst auf einem Untergrund, der sich in einer einzigen Saison verschieben kann.
Schutzstatus und Regeln
1977 wurde der Park in das weltweite Netz der UNESCO-Biosphärenreservate aufgenommen, 1995 kamen seine Feuchtgebiete als international bedeutendes Wasservogelhabitat auf die Ramsar-Liste. Das Gebiet gehört zudem zum europäischen Netz Natura 2000.
Praktisch heißt das: Bewegung nur auf ausgewiesenen Wegen und Bohlenstegen, keine Zufahrt mit dem Auto, kein Zelten außerhalb der dafür vorgesehenen Plätze, Hunde an der Leine. Auf den Dünen gilt das besonders streng, denn jeder Schritt neben dem Pfad zerstört die dünne Pflanzendecke, die den Sand hält.
Anreise und Zugänge
- Von Łeba (Leba) — der meistgenutzte Zugang über Rąbka; von dort einige Kilometer auf asphaltiertem Weg zu den Dünen, zu Fuß, mit dem Rad oder dem Elektrowagen.
- Von Smołdzino und Czołpino — die ruhigere Seite; von Czołpino führt ein Pfad auf die Düne mit dem fünfundzwanzig Meter hohen Leuchtturm und weiter an den Strand.
- Von Rowy — das westliche Ende des Parks, guter Ausgangspunkt Richtung Gardno.
- Mit der Bahn — bis Lębork (Lauenburg) oder Słupsk (Stolp), weiter mit dem Bus nach Łeba, Smołdzino oder Rowy.
- Hinweis — auf den Dünen gibt es weder Schatten noch Wasser; früh aufbrechen, reichlich zu trinken mitnehmen und geschlossene Schuhe tragen.
Anreise und praktische Infos
- Lage
- Ostseeküste zwischen Łeba (Leba) und Rowy, Woiwodschaft Pommern
- Gegründet
- 1. Januar 1967; 2004 um einen Meeresstreifen erweitert
- Fläche
- über 32.000 Hektar, davon mehr als 11.000 Hektar Meeresfläche
- UNESCO-Biosphärenreservat
- seit 1977
- Ramsar-Gebiet
- seit 1995
- Größte Seen
- Łebsko (Lebasee), der drittgrößte See Polens, und Gardno — beide flach und früher Meeresbuchten
- Höchste Düne
- Lontzkedüne, etwa 42 m; die Dünen wandern 3–10 m pro Jahr
- Höchster Punkt
- Rowokół, 115 m, mit Aussichtsturm
- Dauer
- ein halber Tag für die Dünen, mindestens zwei Tage für den ganzen Park
- Hinweis
- nur auf Wegen und Stegen, keine Zufahrt mit dem Auto, Zelten nur auf ausgewiesenen Plätzen
- Aktuelle Öffnungszeiten und Tickets
- offizielle Seite des Nationalparks
Wann am besten
Der Vogelzug über den Seen ist jetzt am stärksten, und die Dünen hat man fast für sich. Kühl und windig, dafür ist die Luft klar und die Sicht vom Rowokół am weitesten.
Hauptsaison, vor allem auf dem Weg von Rąbka zu den Dünen. Die langen Tage erlauben es, den Andrang zu umgehen — früh am Morgen oder am späten Nachmittag, wenn der Sand nicht mehr glüht.
Die zweite Zugwelle und die beste Zeit für ruhige Gänge durch Kiefernwald und Moor. Stürme bauen den Strand um, danach findet sich eher Bernstein im angespülten Tang.
Leer und rau: vereiste Seebuchten, verschneite Dünen und ein Wind, der nicht nachlässt. Manche Wege sind unpassierbar, dafür ist die Landschaft so menschenleer wie nie.
Weitere Sehenswürdigkeiten in Łeba
Entfernungen in Luftlinie ab „Slowinzischer Nationalpark" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.
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