Ein Bergwerk, das zweitausend Jahre arbeitete
Zwischen den Dörfern Sudół und Magonie, in der Gemeinde Bodzechów, sieht der Wald von der Straße aus gewöhnlich aus. Erst abseits des Weges fällt auf, dass der Boden merkwürdig gewellt ist: flache Mulden dicht an dicht, die eingesunkenen Mundlöcher der Schächte. Erkannt hat sie 1922 der Geologe Jan Samsonowicz; ein Jahr später übernahm der Archäologe Stefan Krukowski die Grabungen und verbrachte hier einen großen Teil seines Berufslebens.
Abgebaut wurde etwa von 3900 bis 1600 v. Chr., also über zweitausend Jahre hinweg, von der Jungsteinzeit bis in die frühe Bronzezeit — begonnen vor den ersten ägyptischen Pyramiden, beendet zur Zeit der mykenischen Schachtgräber. Die Zahl der nachgewiesenen Schächte ist mit jeder neuen Erfassung gestiegen, von rund zweieinhalbtausend auf über viertausend; Laserscans aus der Luft bringen bis heute weitere zum Vorschein.
Vier Grubentypen lassen sich unterscheiden, von der einfachen Mulde über Nischengruben bis zu den entwickelten Pfeiler- und Kammergruben, bei denen vom Schachtfuß niedrige Strecken sternförmig abgingen und stehen gelassene Gesteinspfeiler die Decke trugen. Die Schächte reichten im Mittel fünf bis sechs Meter tief, die tiefsten neun. Die Strecken sind eng: etwa siebzig Zentimeter breit, zwischen einem halben und gut einem Meter hoch. Gearbeitet wurde kniend und liegend, bei Kienspanlicht, mit Werkzeugen aus Stein, Geweih und Knochen.
Warum dieser Stein so begehrt war
Gebänderter Feuerstein entstand in oberjurassischen Meeresablagerungen und kommt in primärer Lagerstätte nur am nordöstlichen Rand des Heiligkreuzgebirges vor. Die hellen und dunklen Bänder entstehen durch unterschiedlich viele Mikroporen in den einzelnen Lagen. Entscheidend war für die Bergleute jedoch nicht das Muster, sondern dass sich das Material berechenbar spalten lässt und eine scharfe Kante lange hält.
Hergestellt wurden vor allem vierseitige Beile und Meißel. Fertige und halbfertige Stücke fand man später in einem Umkreis von bis zu 660 Kilometern — in einer Welt ohne Rad und befestigte Wege setzt das ein weitreichendes, dauerhaftes Tauschnetz voraus. Den Rohstoff holten nacheinander Gemeinschaften der Trichterbecher-, der Kugelamphoren- und der Mierzanowice-Kultur.
Viele dieser Beile sind sorgfältiger geschliffen, als es die Holzarbeit verlangt hätte, und zeigen kaum Gebrauchsspuren. Daraus schließt die Forschung auf eine Rolle als Prestige- oder Kultobjekt. Ein zweites Leben bekam der Stein 1972, als der Goldschmied Cezary Łutowicz in Sandomierz begann, ihn in Silber zu fassen; Schmuck aus gebändertem Feuerstein gilt seither als Markenzeichen der Region.
Was Besucher sehen
Das archäologische Reservat besteht seit 1967, das Naturschutzgebiet seit 1995, und seit dem 16. Oktober 1994 zählt Krzemionki zu den polnischen Geschichtsdenkmälern. Besichtigt wird ausschließlich in Gruppen mit Führung; eine Voranmeldung ist in den Sommermonaten und an langen Wochenenden sehr zu empfehlen.
Kernstück ist die unterirdische Route von rund 465 Metern, deren tiefster Punkt etwa elfeinhalb Meter unter der Oberfläche liegt. Die erste Besucherroute wurde 1985 eröffnet, die unterirdische 1990; ein Umbau brachte zu Beginn der 2020er-Jahre einen Aufzug und neue Beleuchtung. Man geht an echten Kammern und Pfeilern entlang, streckenweise mit eingezogenem Kopf — weltweit gibt es nur wenige prähistorische Bergwerke, die für normale Besucher geöffnet sind.
Oben wartet eine seit 1992 nach Grabungsbefunden rekonstruierte jungsteinzeitliche Siedlung mit Hütten, Bergmannslager und einem Großsteingrab. Dort finden Werkstätten zum Feuersteinschlagen, Feuermachen und Töpfern statt, was Kindern meist mehr bedeutet als der Stollen selbst. Ein Rundweg über das Grubenfeld zeigt schließlich den Maßstab der Anlage: Die Mulden der Schächte ziehen sich weiter durch den Wald, als der Blick reicht.
Die Welterbeliste führt Krzemionki seit dem 6. Juli 2019. Der Eintrag ist seriell und umfasst neben dem Hauptfeld die kleineren Abbaufelder Borownia und Korycizna sowie die Bergarbeitersiedlung Gawroniec — zusammen etwa 342 Hektar. Erst alle vier Orte zusammen zeigen die ganze Kette: Abbau, Verarbeitung und das Leben der Menschen, die hier arbeiteten.
Anreise und Hinweise
- Mit dem Auto — wenige Kilometer nordöstlich von Ostrowiec Świętokrzyski Richtung Bodzechów und Sudół, ausgeschildert, Parkplätze am Museum.
- Mit der Bahn — bis Ostrowiec Świętokrzyski, weiter mit dem Regionalbus oder Taxi; vom Stadtzentrum sind es rund fünfzehn Fahrminuten.
- Kleidung — unter Tage ist es ganzjährig kühl, eine Jacke lohnt sich auch im August; festes Schuhwerk, weil der Boden feucht sein kann.
- Gut zu wissen — die Strecke ist stellenweise eng und niedrig; Teile sind nach dem Umbau barrierefrei, Näheres klärt man am besten vorab mit dem Museum.
Anreise und praktische Infos
- Lage
- bei Sudół und Magonie, Gemeinde Bodzechów, Woiwodschaft Heiligkreuz
- UNESCO-Welterbe seit
- 6. Juli 2019 — die sechzehnte Stätte in Polen
- Offizieller Titel
- Krzemionki — Montanregion der prähistorischen Gewinnung von gebändertem Feuerstein
- Geschichtsdenkmal
- seit dem 16. Oktober 1994
- Betriebszeit der Gruben
- etwa 3900–1600 v. Chr., Jungsteinzeit und frühe Bronzezeit
- Unterirdische Route
- rund 465 Meter, tiefster Punkt etwa 11 Meter unter der Oberfläche
- Dauer
- ein halber Tag für Stollen, Siedlung und Rundweg über das Grubenfeld
- Hinweis
- Besichtigung nur mit Führung in Gruppen — Voranmeldung empfohlen
- Aktuelle Öffnungszeiten und Tickets
- offizielle Seite des Museums
Wann am besten
Gute Zeit: Solange der Unterwuchs niedrig ist, zeichnet sich das Grubenfeld im Wald deutlich ab, und die Gruppen sind noch klein. Oben kühl und feucht, unter Tage ändert sich ohnehin nichts.
Die Hauptsaison, in der eine Voranmeldung am wichtigsten ist. Dafür sind die Stollen eine natürliche Zuflucht vor Hitze, und in der Siedlung finden die meisten Mitmachwerkstätten statt.
Ruhig und schön, da über den Gruben überwiegend Laubwald steht. Die Tage sind kürzer — früh anreisen, damit auch der Rundweg oben noch hineinpasst.
Die wenigsten Besucher und die stillste Führung. Die Wege über das Grubenfeld können vereist sein, und ein Teil des Programms im Freien ruht.
Weitere Sehenswürdigkeiten in Heiligkreuzgebirge
Entfernungen in Luftlinie ab „Krzemionki" — aus echten Koordinaten berechnet. Auf der Straße oft länger.
Übernachten in der Nähe
Wir arbeiten an einer Liste geprüfter Unterkünfte in der Region Heiligkreuzgebirge. Wenn Sie eine Pension, ein Ferienhaus oder ein Apartment in der Umgebung betreiben — melden Sie es an.
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